Christliche Themen für jede Altersgruppe

Vorsichtig vorgeprescht

Das Zugehen des Freiburger Erzbistums auf nach einer Scheidung wiederverheiratete Menschen entspricht dem von Papst Franziskus gewiesenen Weg der Barmherzigkeit. Doch die Zulassung zur Kommunion bleibt ein Spagat zwischen Kirchenrecht und Seelsorge.

Unvergessen blieb Walter Kaspers vergeblicher Vorstoß, mit den Bischöfen Karl Lehmann (Mainz) und Oskar Saier (Freiburg) 1993, wiederverheiratete Geschiedene nicht mehr grundsätzlich von der Eucharistie auszuschließen. Wird der Wunsch bald erfüllt? (Foto: epd-Bild)

Der Vorstoß des Erzbistums Freiburg, wiederverheiratete Geschiedene zur Kommunion zuzulassen, löst eine breite Welle der Zustimmung aus. Damit werde für in zweiter Ehe lebende Menschen der Weg zur vollen Teilnahme am kirchlichen Leben wieder möglich, erklärte der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück.

Bislang sind wiederverheiratete Geschiedene von der Eucharistie in der katholischen Kirche ausgeschlossen. Mit der Freiburger Handreichung zur Begleitung von Menschen in Trennung, Scheidung und nach ziviler Wiederverheiratung soll ihnen der Weg zur Heiligen Kommunion (Abendmahl) unter bestimmten Voraussetzungen eröffnet werden. Die vorgeschlagene Praxis ist freilich schon jetzt in einigen katholischen Diözesen in Einzelfällen möglich.

Der Catholica-Beauftragte der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands, Friedrich Weber, bezeichnete den Schritt daher als überfällig. Es sei „eine Öffnung, die in meinen Augen mehr als selbstverständlich ist“, sagte der braunschweigische Landesbischof dem Evangelischen Pressedienst. Zugleich kritisierte er, dass Eheleute mit unterschiedlichen Konfessionen weiterhin nicht gemeinsam an der Eucharistie teilnehmen können. „Das es hier noch immer keine Lösungen gibt, kann ich nicht mehr nachvollziehen.“ Das Ökumene-Institut der evangelischen Kirche in Bensheim wertete die Handreichung als positives Signal: Es sei keine Revolution, aber ein „vorsichtiges Vorpreschen“, sagte Referent Martin Bräuer.

Der Vatikan erklärte, da das Dokument auf eine eigenständige Initiative eines Büros der Erzdiözese zurückgehe, habe es „keinen Einfluss“. Vatikansprecher Federico Lombardi verwies auf die Dringlichkeit, mit der Papst Franziskus die Vorbereitungen für die nächste Bischofssynode vorantreibe. Bei der Versammlung soll es auch um den Umgang der katholischen Kirche mit wiederverheirateten Geschiedenen gehen.

Die Erzdiözese Freiburg selbst reagierte zurückhaltend auf die zahlreichen Reaktionen zu dem Text. Es sei „eine Handreichung unter vielen, die für Einzelfälle gilt“, sagte Sprecher Robert Eberle. Der Berliner Kardinal Rainer Maria Woelki ergänzte: „Wir dürfen auch nicht aus dem Blick verlieren, dass wir dem Willen Jesu verpflichtet sind, der die Unauflöslichkeit der Ehe betont hat.“

Der badische Landesbischof Ulrich Fischer hat es außerordentlich begrüßt, dass wiederverheirateten Geschiedenen im katholischen Erzbistum Freiburg die Kommunion ermöglicht werden soll. „Die Zulassung behebt in vielen Fällen eine große innere Not, an der viele Paare leiden“, sagte Fischer. Er freue sich, dass damit eine Initiative aufgegriffen werde, die vor Jahren bereits der frühere Freiburger Erzbischof Oskar Saier mit dem Mainzer Bischof Karl Lehmann und dem ehemaligen Kurienkardinal Walter Kasper angeregt hatten. Kaspers Vorstoß blieb damals allerdings vergeblich. Vielleicht ist die Zeit jetzt reif dafür. 

Die EKD und die Ehe

Ähnliches Problem, nur auf der gegenüberliegenden Seite: Seit einem Vierteljahr ringt die Evangelische Kirche in Deutschland um ihr Verhältnis zu Ehe und Familie. Ein im Juni vom Rat der EKD vorgestelltes Papier hat den größten kirchenpolitischen Streit der letzten Jahre ausgelöst. „Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken“ – so der Untertitel der Schrift – ist bei den Protestanten Konsens. Erbittert wird aber um die Frage gestritten: Wie hältst Du es mit der Ehe? Auch ein wissenschaftliches Symposium in Berlin machte klar, dass die evangelische Kirche noch vor einem längeren Klärungsprozess steht.

Deutlicher als in der „Orientierungshilfe“ äußerten inzwischen die Verantwortlichen der EKD, dass für sie das Leitbild der Ehe weiterhin gültig sei, stellte der Heidelberger Theologieprofessor Wilfried Härle fest. Der Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider kündigte weitere Diskussionen an, unter anderem bei der jährlichen Tagung des Kirchenparlaments, der EKD-Synode, die im November in Düsseldorf stattfindet. Einig waren sich die Theologieprofessoren in der Berliner Diskussion darin, dass in der Orientierungshilfe mehr Mühe auf die biblischen Bezüge hätte verwandt werden können. Die Meinung vieler Kritiker, dass das EKD-Papier ein zu starkes sozialwissenschaftliches und politisches Gewicht habe, bekräftigte der Heidelberger Professor Klaus Tanner: „Wer Sozial- und Familienpolitik machen will, begibt sich auf das Feld der Parteipolitik.“


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