Christliche Themen für jede Altersgruppe

Württemberg in Wittenberg

Vom 20. Mai bis 10. September 2017 findet die Weltausstellung der Reformation in Wittenberg statt. Das Medienhaus der württembergischen Landeskirche hat dort nun eine  alte Schlosserei gemietet, mit deren Werkzeugen einst Schwerter zu Pflugscharen geschmiedet wurden.


Künftige Württemberger Ausstellungshalle in Wittenberg, Medienhaus-Geschäftsführer Jürgen Kaiser (ganz rechts) bei der Übergabe der Gesangbücher an Pfarrer Daniel Geißler. (Fotos: Medienhaus)

Ein Ausstellungszelt neben dem anderen wird im Jubiläumsjahr auf dem Grüngürtel um die Wittenberger Altstadt stehen. Da würde es wahrhaftig nicht einfach sein, sich wirklich abzuheben. Deshalb hatte Jürgen Kaiser, Geschäftsführer des Evangelischen Medienhauses in Stuttgart, eine ganz andere Idee: Er suchte ein Gebäude mitten in Wittenbergs Altstadt, in dem man sich 2017 mit der Landeskirche präsentieren konnte.

Fündig wurde er in einer  Schlosserei unweit des Bahnhofs und des Lutherhauses. Ein ideales Gebäude, um das zu zeigen, was Württemberg  auch ist: ein Zentrum alter Industriekultur. Das Haus in der Kupferstraße war einstmals eine Böttcherei und zu DDR-Zeiten eine Produktionsgenossenschaft für Stahl. Zum Jahresbeginn 2017 zieht der Handwerker, der derzeit drin ist,  um in ein Gewerbegebiet.

Das Gebäude hat es in sich. In einem  Nebenraum steht eine alte Blechschmiede, mit deren Inventar einst Geschichte in der DDR-Friedensbewegung geschrieben wurde: Als im September 1983 der Schmied Stefan Nau demonstrativ und illegalerweise ein Schwert zur Pflugschar verwandelte, tat er es mit eben jenen Werkzeugen, die nun in der Württemberger Halle stehen. Das historische Ereignis soll 2017 vor Ort nacherzählt und für Besucher als Erinnerungsstück ein kleines Pflugscharschwert mittels Lasertechnik aus Blech herausgeschnitten werden.

Im Zentrum des Württemberger Auftritts wird freilich die Gegenwart stehen. Ein modernes Land, das von Industrie und Glaubenstraditionen gleichermaßen geprägt ist. „Das ist die Botschaft, die wir rüberbringen wollen“, sagt Kaiser. Dazu soll es einen zentralen Ausstellungsraum geben, in dem sich Landeskirche, Diakonie oder Missionarische Dienste präsentieren können.

Davor findet sich eine Bühne, die von Gruppen aus dem Ländle bespielt werden darf. Ob Posaunenchor, Kirchenchor, Jugend- oder Theatergruppe: Wer immer 2017 nach Wittenberg kommt und eine Kostprobe seines Könnens geben möchte, ist dazu herzlich eingeladen.

Blickfang der Württemberger Halle, die kaum 200 Meter von Melanchthon- und Lutherhaus entfernt liegt, sollen drei waagrecht aus der Gebäudefront herauswachsende Bäume sein. Die ungewöhnliche Fassadenbegrünung ist das Werk einer Stuttgarter Gravitätsbiologin, die auf den Pflanzenwuchs in Raumschiffen spezialisiert ist.

Die Bäume werden dazu in eine Trommel eingepflanzt, in der sie sich langsam um die eigene Achse drehen. Andernfalls würden sie automatisch  nach oben wachsen, so aber wird das Sonnenlicht gleichermaßen verteilt und die Pflanze überlistet.

Ganz ähnlich funktioniert der hängende Weinberg im Inneren der Halle. Seine  in aufgeschnittene Weinflaschen eingesetzten Reben wachsen nach unten. Der Wein steht dabei ebenso für Württemberg wie die Installation dahinter: das Land der Tüftler, modern und traditionell zugleich, im weltlichen  wie im kirchlichen Leben.

Jürgen Kaiser hofft auf die zahlreichen Passanten, die im Jubiläumsjahr durch Wittenberg ziehen. Bis zu 15 000 werden 2017 täglich zu Spitzenzeiten erwartet. Vor allem die Bahnfahrer kommen dann an der Württemberger Niederlassung vorbei. Überdies ist mit dem 360-Grad-Panorama des Künstlers Yadegar Asisi eine der ganz großen Attraktionen in der Nähe: Dort wird in einem Riesenrundbild Wittenberg zu Zeiten Martin Luthers dargestellt.

Draußen im Hof soll es dann auch etwas Württembergisches zu essen und zu trinken geben. Und in einem Wohnwagen mit Videobox können Besucher  ihre liebsten Bibelstellen mit Foto hinaus in die Welt und die sozialen Netzwerke im Internet stellen.

Auch auf das drängendste Problem  der Übernachtungen hat das Medienhaus eine ungewöhnliche Antwort gefunden: In einem kleinen Dorf namens Garrey gleich hinter der Brandenburgischen Grenze hat es die fünf Doppelzimmer der Pension Zum weißen Raben komplett gemietet. Gleich auf der anderen Straßenseite kommen weitere fünf Zimmer dazu: Das bedeutet, dass für den Zeitraum von Mai bis September zehn Zimmer zur Verfügung stehen. Das Besondere dabei: Der Preis beträgt 36 Euro pro Tag und Person, nicht mehr und nicht weniger.

Dort sollen Mitarbeiter und Aussteller wohnen, freie Plätze jedoch auch an andere Interessierte aus Württemberg  vergeben werden. Das ist auch insofern interessant, weil Übernachtungswillige schon jetzt bis ins 90 Kilometer entfernte Leipzig ausweichen müssen, wenn sie noch etwas kriegen wollen. Von den horrenden Preisen in den Hotels ganz zu schweigen.

Garrey hingegen ist nur 24 Kilometer von Wittenberg entfernt und fernab des Trubels. Man braucht freilich ein Auto, um das 80-Einwohner-Dorf zu erreichen, das sich im nächsten Jahr in eine württembergische Kolonie verwandeln wird.

Jeden Sonntag wird es dort in der alten Feldsteinkirche einen württembergischen Gottesdienst geben. Einen kompletten Satz Gesangbücher hat Pfarrer Daniel Geißler schon als Geschenk übereicht bekommen. Er ist für zehn Gemeinden zuständig und froh, dass  in Garrey 2017 ein halbes Jahr lang jeden Sonntag Gottesdienst gefeiert werden kann. Gefeiert wird am Anfang und am Ende auch mit allen Dorfbewohnern, die nachher wissen dürften, was eine echt schwäbische Hocketse ist.

Gastgeberin in der Pension Zum weißen Raben ist übrigens eine Frau namens Gabi Eissenberger, die jahrelang  in Südamerika gelebt hat. Sie wird abends auch für die kochen, die noch eine warme Mahlzeit wünschen und das Frühstück im alten Theatersaal der Pension zubereiten. Das passt zu einem Ort, der einstmals eine Künstlerkolonie war.

Jetzt hausen dort die, die die Reformation hochleben lassen. Und die abends, nach dem Trubel im geschäftigen Zentrum der Reformation etwas Ruhe für Geist und Seele suchen.

Information zu den Übernachtungsmöglichkeiten

Wer sich über den Auftritt des Medienhauses der Landeskirche in Wittenberg informieren und sich dort präsentieren möchte beziehungsweise Fragen zu den Übernachtungsmöglichkeiten hat, kann sich ab sofort an Micaela von Preußen wenden:

Telefon 0711-2227634

E-Mail: micaela.von.preussen(at)evmedienhaus.de

Internet www.evmedienhaus.de

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