Christliche Themen für jede Altersgruppe

Zur Kasse, bitte!

Touristen, die eine Kirche besichtigen möchten, werden nicht selten zur Kasse gebeten. „Unverschämt“ finden das die einen. Heute für unverzichtbar halten es die anderen. Das Fazit derer, die Eintrittsgelder verlangen, ist gemischt: Manchmal hält die Kasse Touristen vom Kirchenbesuch fern. 

Bild: Der Burgsberg im sächsischen Meißen mit mittelalterlichem Dom. Hier wird Eintritt verlangt. (Foto: epd-Bild)

Wer am Eingang der Lübecker Marienkirche hinter der Kasse sitzt, braucht ein dickes Fell. Diskussionen gibt es regelmäßig, seit die Stadtkirche, die als Mutterkirche der norddeutschen Backsteingotik gilt, 2010 den „Marientaler“ einführte. Zwei Euro „Erhaltungsgebühr“ sind pro Erwachsenen fällig. Nicht jeder ist dazu bereit: Es kommen weniger Besucher.

Pfarrer Robert Pfeifer sieht es gelassen. Die Zeiten seien vorbei, in denen es in dem Gotteshaus mitunter „wie in einem Bienenkorb“ zuging. Eine Alternative gebe es aber nicht. „Der Erhalt unserer großen Kathedrale ist anders nicht zu leisten“, sagt Pfeifer. Der Grund: Staatliche Zuschüsse für Baudenkmäler schrumpfen ebenso wie die Zahl der Kirchenmitglieder und damit die Kirchensteuereinnahmen.

St. Marien ist kein Einzelfall. Bundesweit verlangen einige protestantische Gotteshäuser Eintritt, etwa der Berliner Dom, die St. Nikolai-Kirche in Stralsund oder der Dom zu Meißen.

Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts legte der letzte sächsische König August III. per Erlass fest, dass für die Besichtigung des Meißner Doms Eintritt zu entrichten ist. Anders sei das Gotteshaus, das als Stiftskirche überdies nie eine eigene Gemeinde hatte, schon damals nicht zu erhalten gewesen, sagt Küster Thomas Andrich.  Heute öffnet der imposante Dom für 3,50 Euro seine schwere Tür.
Auch nach rund 100 Jahren hagelt es für den Obolus an der Kirchenpforte noch Kritik. Das häufigste Argument der Gegner laute, dass sie doch Kirchensteuer zahlten, erzählt Andrich. Er lässt das nicht gelten: „Ich entgegne den Leuten, dass sie ja auch allerhand staatliche Steuern entrichten und trotzdem auch für staatliche Museen noch Eintritt zahlen.“ Nachdruck verleiht der Küster seinen Worten im Gespräch mit zahlungsunwilligen Touristen gerne mit dem Verweis auf die Meißner Albrechtsburg, die unweit des Domes liegt. „Leistung hat eben ihren Preis“, sagt Andrich.

Wer beten will, zahlt nichts

Wer den Meißner Dom indes zum Gebet aufsucht, dem steht die Allerheiligenkapelle kostenfrei zur Verfügung. Im Dom selbst komme wegen der vielen Besucher – rund 150 000 sind es pro Jahr – ohnehin keine Gebetsstimmung auf, meint der Küster. Auch in der Lübecker Marienkirche müssen Besucher, die beten wollen, nichts bezahlen. Wer an der Kasse diesen Wunsch äußert, darf kostenlos passieren. Pfarrer Pfeifer vertraut auf die Ehrlichkeit der Leute.

Die Erfahrungen mit dem „Marientaler“ beschreibt Pfeifer nach drei Jahren als „durchwachsen“. So sei die Hemmschwelle vieler Menschen, für ein Gebet um freien Eintritt zu bitten, zu hoch. „Manche kehren der Kirchentür lieber den Rücken“, sagt er. Insgesamt kämen deutlich weniger Besucher in die Kirche. Dennoch ist der „Marientaler“ für Pfeifer alternativlos. Rund 30 Cent zählte die Gemeinde früher pro Besucher in der Kollektenbüchse – zu wenig für das Gotteshaus.

Der katholischen Kirche in Deutschland sind Eintrittsgelder fremd. Die Deutsche Bischofskonferenz verweist auf einen Passus im Kirchenrecht, wonach Kirchen, in denen „die heiligste Eucharistie aufbewahrt wird, täglich wenigstens einige Stunden für die Gläubigen offenzuhalten“ seien, damit dort Gebete stattfinden können. Von den Besuchern Geld zu verlangen, stehe dieser Vorgabe entgegen.

In der evangelischen Kirche sind es vor allem bei Touristen beliebte Bauten, für die Eintritt verlangt wird. Alle übrigen Kirchen bleiben abseits von Gottesdiensten ohnehin meist geschlossen. Gegen ein Eintrittsgeld spricht aus protestantischer Sicht grundsätzlich nichts: Anders als bei den Katholiken ist eine Kirche kein geheiligter, besonderer Raum an sich.

Auf Eintrittsgeld verzichten

Die Dresdner Frauenkirche kann es sich dank großer Spendensummen derzeit noch leisten, auf ein Eintrittsgeld zu verzichten. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs war das barocke Wahrzeichen der Elbstadt bei den alliierten Bombenangriffen fast völlig zerstört und bis 2005 wiederaufgebaut worden. Schon damals kam ein Großteil der finanziellen Mittel aus Spenden. Heute besuchen im Jahr rund zwei Millionen Touristen die Kirche.

Die Stiftung Frauenkirche Dresden setzt auch weiterhin auf Spenden für die Unterhaltung des Gebäudes. Die kaufmännische Leiterin, Christine Gräfin von Kageneck, räumt allerdings ein: „Wir müssen mit durchaus wachsender Anstrengung das Bewusstsein der Besucher dafür schärfen.“ Die Lübecker Marienkirche hatte damit keinen Erfolg.

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