Christliche Themen für jede Altersgruppe

„Der Geruch ist noch gleich“

ENDINGEN (Dekanat Balingen) –  Andreas Jetter hat als Organist eine große Karriere gemacht. Für ein Konzert ist er jetzt zurückgekehrt in den Balinger Stadtteil Endingen. Dort ist er zur Schule gegangen, dort hat er als Elfjähriger die ersten Gottesdienste begleitet. 


An dieser Orgel hat Andreas Jetter mit elf Jahren das erste Mal einen Gottesdienst begleitet. (Foto: Julia Klebitz)


Das Auto, das Andreas Jetter vor der St.-Blasius-Kirche parkt, hat ein Konstanzer Kennzeichen. „Ich habe auch schon in der Schweiz gewohnt“, erzählt er. „In Radolfzell am Bodensee gefällt es mir aber viel besser.“ Am Morgen hat er dort als Münsterkantor schon zwei Gottesdienste begleitet. Der Musiker trägt Anzug. Seine Berufskleidung. Er ist gut gelaunt, vielleicht ein bisschen nervös. Aus Vorfreude. „Ich war ewig nicht hier“, sagt der 37-Jährige, als er die Tür zur Sakristei der kleinen Kirche öffnet. „Als ich elf Jahre alt war, habe ich hier das erste Mal im Gottesdienst Orgel gespielt.“


Dass er Organist werden will, das habe schon früh festgestanden, erzählt er. Als Schüler hat Jetter, dessen Eltern noch immer in Endingen leben, die Grundschule direkt gegenüber der Kirche besucht. „Von dort aus habe ich die Orgel in der Kirche gehört“, erinnert sich der Musiker. Wie es dazu kam, dass er schon als kleiner Junge den festen Entschluss fasste, Berufsmusiker zu werden, das kann sich Jetter selbst nicht so genau erklären. Er kommt nicht aus einer klassischen Musikerfamilie. „Das Instrument hat mich einfach schon damals irgendwie begeistert.“

Auch heute üben die kleine Orgel der Endinger Kirche und das Gebäude an sich einen besonderen Reiz auf den Musiker aus. „Es ist, als hätte sich kaum etwas verändert. Sogar der Geruch ist noch gleich“, sagt Jetter, als er den Kirchenraum betritt. „Natürlich ist das keine besondere Orgel“, sagt er, „aber da spielen viele Emotionen mit.“

Der Musiker hat mittlerweile auf vielen der größten und schönsten Orgeln der Welt gespielt. Nach einer ersten musikalischen Ausbildung an der Orgel als Begabtenstudent noch während der Schulzeit bei Lehrern wie Konrad Klek (Erlangen), Kay Johannsen (Stuttgart), Johannes Mayr (Stuttgart) und Thomas Schäfer-Winter (Salzburg/Venedig), folgten Studien als Pianist am Rachmaninoff-Institut Tambov, am Moskauer Tschaikowski- Konservatorium, in Esslingen, Tübingen und Trossingen. Jetter gab viele große Konzerte, bekam Privatunterricht bei Größen der klassischen Musikszene, nahm CDs auf. Seit 2010 ist er Dommusikdirektor an der Kathedrale von Chur, seit 2013 zudem Münsterkantor in Radolfzell am Bodensee.

Am Abend spielt er ein Konzert  in der Endinger Kirche anläßlich des  500-jährigen Jubiläums. „Viele meiner Freunde werden kommen, einige Bekannte habe ich eingeladen und natürlich meine Eltern“, erzählt er, als er sich auf die Bank vor der Orgel setzt und zu spielen beginnt. Jetter möchte sich einspielen für den Abend. Proben muss er die Stücke nicht mehr. „Das habe ich zu Hause schon gemacht“, aber die Stimmung ist ihm wichtig. Er will sich einfühlen.

„Ich bin kein konfessioneller Mensch“, sagt Andreas Jetter. Kirche und Glaube bedeuten ihm dennoch viel. „Ich habe die großartige Aufgabe, Musik mit dem Raum einer Kirche zu verbinden, der die Menschen zu Gott bringen soll“, sagt er. Wenn er einen Gottesdienst an der Orgel begleitet, sei das mehr als nur ein Konzert. „Wenn ich die liturgischen Elemente mit Musik verbinde, kann ich die Herzen für das Wesentliche öffnen“, erklärt Jetter. In bestimmter Hinsicht sieht der Musiker sich sogar als Seelsorger: „Mit Musik erreiche ich jeden und alle Altersschichten. Wo Worte nicht hinkommen, da kann ich mit Musik viel erreichen“, so seine Erfahrung. Mit Musik könne er Emotionen wecken, Menschen eine Freude machen, sie aber auch traurig stimmen, nachdenklich oder sie beruhigen.

Bevor das Konzert dann tatsächlich losgeht, steht noch etwas anderes auf Jetters Tagesplan. „Ich möchte einen Freund in Balingen besuchen“, sagt er. Dietrich Schöller-Manno, selbst Musiker. Vor Jahren hat Jetter unter seiner Leitung bereits als 18-Jähriger die großen russischen Komponisten gespielt. Im Mai werden sie in Balingen wieder ein gemeinsames Konzert geben. Auch wenn Jetter in einem Beruf, an dem viele scheitern, erfolgreich ist und ihm viele Türen offen stehen: Seine Heimatgemeinde bedeutet dem bodenständigen Künstler viel.



Am 8. Mai um 20 Uhr tritt Andreas Jetter in der Stadthalle Balingen als Pianist auf. Er spielt das Klavierkonzert fis-moll von Alexander Skrjabin.


Luthers-Familienzeit

Jetzt Online-Magazin testen.

THEMA - Die Bergpredigt

Ausgabe 3/2017

Evangelisches Gemeindeblatt

Aktuelle Ausgabe 34/2017

Meinungsumfrage

Meinungsumfrage

Soll man an Weihnachten aufs Schenken verzichten?
Ja.
Nein
Ich bin unentschieden.