Christliche Themen für jede Altersgruppe

Der Straße entkommen

MÜNSINGEN – Not und Armut prägten die Kindheit des Straßenkindes Shadrack Milka Kiprop. Heute hat der junge Student dank der Kenia-Hilfe Schwäbische Alb große Lebensziele vor Augen. Während seines dreimonatigen Deutschlandaufenthalts erzählte er von seinem Leben als Straßenkind und von seiner Chance auf eine Zukunft, die er zu nutzen wusste.  

Shadrack Milka Kiprop war vier Jahre lang Straßenkind in Eldoret, heute studiert er Flughafenlogistik in Nairobi. (Foto: Maria Bloching)

Wenn man Shadrack Milka Kiprop, von seinen Freunden „Shaddy“ genannt, im Anzug vor dem Werkstor von Audi in Ingolstadt sieht, kann man sich kaum vorstellen, dass er einstmals als Siebenjähriger auf der Straße gelebt hat. Der 23-jährige Kenianer ist hübsch und gepflegt, mittlerweile sehr gebildet und er strahlt Ruhe und Zufriedenheit aus.

Dass er heute ein fröhlicher junger Mann voller Ziele und Hoffnungen ist, hat er der Kenia-Hilfe Schwäbische Alb zu verdanken. Sie holte ihn aus größtem Elend heraus und bot ihm eine Alternative und eine Chance, die er nur zu gerne genutzt hat. Shaddy landete auf der Straße, Hunger und falsche Lockrufe anderer Straßenkinder, die ihm von einem besseren Leben erzählten, trieben ihn dorthin. Er ließ Mutter und vier Geschwister zurück, ernährte sich vom Müll anderer Leute, trug jeden Tag die selbe schmutzige Kleidung und schnüffelte Klebstoff. Geschlafen wurde im Freien unter einem Busch ohne Decke, sein Wasser bezog Shaddy aus dem dreckigen Fluss. „Auf der Straße lebt man freestyle – ganz ohne Regeln“, erzählte der junge Mann in Kirchengemeinden, Jugendgruppen und Schulen. Denn das ehemalige Straßenkind weiß, welch großes Glück es hatte.

Endlich ein Dach

Als Shaddy schließlich entdeckt, aufgegriffen und ins Heim gebracht wurde, war er schon elf Jahre alt. Endlich wurde sein langgehegter Traum wahr: Er durfte die Schule besuchen, bekam regelmäßig unverdorbenes Essen und ein Dach über dem Kopf. „Als ich auf der Straße lebte, habe ich immer Kinder gesehen, die in die Schule gingen. Und ich verstand nicht, warum ich das nicht durfte. Deshalb nahm ich mir vor geduldig zu sein, auf meine Chance zu warten und diese dann zu nutzen“. Im Gegensatz zu anderen Straßenkindern hielt Shaddy durch und gewöhnte sich an das Leben im Heim, auch wenn das hieß, sich in die Gemeinschaft einzufügen und Pflichten zu erfüllen. Er lernte fleißig, machte sein Abitur und konnte durch die Unterstützung von privaten Spendern und der Kenia-Hilfe Schwäbische Alb ein Studium der Flughafenlogistik beginnen.

Alles ist so anders

Noch ein Jahr, dann hat er es geschafft. Shaddy ist ehrgeizig, offen für Neues und mutig. Zum ersten Mal in seinem Leben verließ er seine Heimat rund um Nairobi und nutzte die Gelegenheit, die sich ihm mit einem zweimonatigen Praktikum bei Audi in Ingolstadt und einem anschließendem vierwöchigen Aufenthalt auf der Alb bot. Der erste Tag in Deutschland ist ihm deutlich im Gedächtnis geblieben. Ungläubig nahm er die belebte Straßenlandschaft und die vielen, vor allem schönen Autos wahr: „Alles ist so ganz anders in der Entwicklung als in Kenia“, sagt er.

Natürlich profitierte er davon, dass er schon zu Hause die deutsche Sprache gelernt hat. Zunächst autodidaktisch, später belegte er dann einen sechsmonatigen Deutschkurs am Goethe-Institut in Nairobi und schaffte die Prüfung mit Auszeichnung. Shaddy hat Geschmack an der weiten Welt gefunden, will künftig mehr reisen und vor allem nach seinem Abschluss in Deutschland oder in anderen Ländern arbeiten. Er konnte wertvolle Erfahrungen machen, die er nun mit nach Hause genommen hat. Mit ins Gepäck aber kamen ihm auch Nutella und Spätzle, denn die schmeckten ihm besonders gut.

„Wir können uns keinen besseren Botschafter für unser Projekt vorstellen“, freute sich Gisela Keller von der Kenia-Hilfe Schwäbische Alb. Denn Shaddy ist ein lebendiges Beispiel dafür, was eine zielgerichtete Unterstützung leisten kann. Durch die Kenia-Hilfe können Straßenkinder zurück in die Mitte der Gesellschaft finden und ein menschenwürdiges Leben führen. Denn schon Kleinkinder führen im Müll der Städte einen unvorstellbaren Überlebenskampf, jeglicher Form von Gewalt schutzlos ausgeliefert, ausgeschlossen von Schul- und Berufsausbildung, ohne jede Zukunftschance.

Christen aus dem Kirchenbezirk Münsingen und der Presbyterianischen Kirche in Kenia blicken mittlerweile auf eine langjährige Partnerschaft mit wechselseitigen Besuchen zurück. Das gemeinsame Projekt für Straßenkinder gibt es seit dem Jahr 2000, Anfang 2008 war ein Neuanfang nötig, nachdem in Folge politischer Unruhen Heim und Schule geplündert und niedergebrannt wurden. Heute leben rund 130 Jungen und Mädchen ab sieben Jahren im Heim, das ihnen Schutz, Geborgenheit sowie eine Erziehung im Sinne christlicher Werte bietet.

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