Christliche Themen für jede Altersgruppe

Die Frauennamen der Rosen

MÖSSINGEN (Dekanat Tübingen) – Hoch oben auf dem Kirchturm der Martin-Luther-Kirche thront eine goldene Lutherrose. Noch viel mehr Rosen blühen unten an der Kirche. Und in den Namen der Rosen verbergen sich bisweilen auch große Frauen der Kirchengeschichte.  

Freude an den Rosen haben nicht nur Frauke Dietz und ihr Mann Uwe Braun-Dietz, sondern auch die ganze Kirchen­gemeinde. (Foto:  Klaus Franke)

Elisabeth von Thüringen kam aus Ungarn. Lange hatten Frauke Dietz und Uwe Braun-Dietz nach einer Rose mit dem Namen der Heiligen gesucht. Gefunden hat das Pfarrerehepaar die lilarosa gefärbte Strauchrose in Osteuropa. Und die Frau des verstorbenen Züchters war so bewegt, dass sie ihnen die Rose schenkte. Noch gehört Elisabeth zu den kleineren Rosen im „Frauenbeet“ bei der Martin-Luther-Kirche. Aber sie gedeiht gut.

Am Anfang pflanzte das Ehepaar Dietz Katharina von Bora. Die nach der Frau Martin Luthers benannte Rose brachte sie auf die Idee, ein Beet von Rosen mit Namen aus der Kirchengeschichte anzulegen – Frauennamen. „Wir dachten: Frauen der Kirchengeschichte – da muss es doch noch mehr geben“, sagt Uwe Braun-Dietz. Sie staunten: Viel mehr gab es nicht. Sie fanden Rosen, die Max Schmeling, Rex Gildo oder Helmut Kohl heißen, auch solche mit Namen wie „Gruß aus Aachen“, aber kaum religiöse Frauen. Jetzt wachsen immerhin 15 Sorten im Frauenbeet – ein Teil der 70 Rosensorten, die um die Kirche blühen.

„Zu allen diesen Rosen gibt es Geschichten“, sagt Uwe Braun-Dietz. Beim Mössinger Rosenmarkt führt er Besucher durch den Garten. „Da kommen auch Menschen, die nichts mit Kirche zu tun haben. Wenn wir dann Geschichten zu den Rosennamen, etwa Maria Magdalena oder Miriam erzählen, horchen die Leute auf.“ Andere Sorten sind die weiße Rose Jeanne d’Arc oder die Kletterrose Félicité et Perpétue, die an zwei Märtyrerinnen der frühen Kirche erinnert. Die einzige Sorte, die nicht gut im Frauenbeet wächst, ist ausgerechnet Katharina von Bora. „Das hat uns ein wenig Sorgen gemacht“, sagt Frauke Dietz.

Bei seiner Investitur 2003 schenkte eine Bekannte Uwe Braun-Dietz eine Rose. Name: „Gloria Dei“. Seitdem pflanzen er und seine Frau regelmäßig neue Rosen. Nicht nur Edelsorten: „Manchmal packt mich das Mitleid mit einer Rose, die in einem Baumarkt in der Ecke verkümmert“, sagt Frauke Dietz.

Eine dieser Rosen – für 1,99 Euro gekauft – bedeckt inzwischen die Außenwand des Pfarrhauses mit strahlend weißen Blüten. Auch die Gemeinde freut sich an der Pracht, manche spenden sogar extra für neue Rosen. Und beim Rosenschneiden entsteht nicht nur manche Predigt, sondern auch das ein oder andere Gespräch. „Leute, die nie zu mir ins Büro kommen würden, sprechen mich dann an, wenn ich Unkraut jäte“, erzählt Frauke Dietz. Rosen – für das Ehepaar Dietz ein besonders schöner Teil der Schöpfung. Wie manch anderes bei ihrer Kirche: Im Lichthof lebt eine Wildbienenart, die eines Tages – zum Schrecken von Kindern und Erzieherinnen – im Kindergarten nebenan auftauchte, sich aber nicht nur als harmlos, sondern sogar als selten erwies.

In den Rosenbeeten tummeln sich Insekten. Und um Schädlinge kümmern sich Meisen oder die beiden Turmfalken der Kirche, Käthe und Martin. Dass auch die Menschen in der Schöpfung leben, zeigt der wichtigste Rosenstrauch der Martin-Luther-Kirche: der Taufrosenstrauch im Kircheninneren –aus Holz. An ihm hängen Fotos von über 200 in der Kirche getauften Kindern. Demnächst muss er erweitert werden. Die Rose ist in der Martin-Luther-Kirche eben überall. Und Katharina von Bora? Während sie im Frauenbeet nicht recht gedeihen will, wächst sie an der Wand des Pfarrhauses umso besser. Und überragt dort mit drei Metern die Martin-Luther-Rose daneben. Um das Doppelte.¦

Information

Der Mössinger Rosenmarkt findet am 22. Juni statt. Die Kirchengemeinde beteiligt sich von 12 bis 17 Uhr mit einem Rosencafé in der Martin-Luther-Kirche. Zu jeder vollen Stunde führt Pfarrer Uwe Braun-Dietz Besucher durch den Rosengarten. Dabei können auch Post- und Grußkarten zu den Rosen des Frauenbeets erworben werden.

 

Sabine Franke
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