Christliche Themen für jede Altersgruppe

Eine besondere Freundschaft

DAPFEN (Dekanat Bad Urach) –  Welcher Konfession ein Mensch zugehörig ist, war für Monsignore Sieger Köder nie entscheidend. Mit der evangelischen Pfarrersfrau Ursula Bogner-Kühnle aus Dapfen verband den katholischen Priester eine Seelenverwandtschaft. Sein Wasseralfinger Kreuzweg ist noch bis Ostern in der Martinskirche zu sehen.  


Ursula Bogner-Kühnle vor Bildern des Wasseralfinger Kreuzwegs von Sieger Köder. Die Ausstellung ist noch bis Karfreitag in der Martinskirche in Dapfen zu sehen. (Foto: Maria Bloching)

Sieger Köder predigte mit Farbe und Pinsel, seine Bilder sind authentisch, kraftvoll, farbgewaltig und enorm aussagekräftig. Er zählt zu den bekanntesten deutschen Malern christlicher Kunst des 20. Jahrhunderts und hat die Bibel durch seine Werke in der heutigen Zeit aktuell gemacht. Über die Kunst hat auch Ursula Bogner-Kühnle vor über 20 Jahren Kontakt zu Sieger Köder aufgenommen: „Ich habe angefragt, ob wir seinen Wasseralfinger Kreuzweg in unserer Martinskirche parallel zum Eiermarkt vor Ostern ausstellen dürfen und sofort eine Zusage erhalten.“ Seither zieht der Kreuzweg jedes Jahr mehrere Tausend Menschen nach Dapfen.

Die Pfarrersfrau führt Besucher durch die 14 Stationen, stellt beim Betrachten der ausdrucksstarken Bilder den Bezug zur Bibel her und spricht darüber, was Sieger Köder am Herzen lag: „Er malte den ganzen Kreuzweg in unsere Zeit hinein und wollte damit deutlich machen, dass sich die Geschichte von vor 2000 Jahren auch heute noch jeden Tag ereignet.“ Jesus begegnet auf seinem Weg zur Kreuzigung weinenden Frauen: Japanerinnen nach dem Bombenabwurf von Hiroshima, Jüdinnen mit dem Davidstern im Konzentrationslager, unterernährten Schwarzafrikanerinnen und Palästinenserinnen, die ihr Kind im Ghetto großziehen müssen.

Auch ein Jahr nach Köders  Tod ist er noch jeden Tag in Ursula Bogner-Kühnles Gedanken, sie spricht mit ihm und bejaht nach wie vor, was er geäußert, getan, geschrieben und gemalt hat. Zu seinen Lebzeiten hatten sie sich gegenseitig besucht und telefoniert. Nicht nur einmal hat der katholische Monsignore in der evangelischen Martinskirche anlässlich der Ausstellungseröffnung gepredigt. „Wir sind alle Gottes Kinder. Unserem Heiland ist es gleich, ob wir katholisch oder evangelisch sind, Hauptsache, wir sind lieb zueinander“, das sagte Köder immer wieder und machte deutlich, dass Christen lediglich an ihrer Liebe gemessen werden.

„Sieger Köder war kein Freund vieler Worte. Er sprach nicht über seine Bilder, sondern wollte, dass sich die Menschen selber Gedanken darüber machen“, erinnert sich die Pfarrersfrau. Dass sie seine künstlerische Botschaft bei Führungen durch den Wasseralfinger Kreuzweg verkündet, hat ihm viel bedeutet. Vor sechs Jahren blieben plötzlich die Rechnungen seiner Stiftung für die Leihgebühr aus und er meinte: „Du musst dir keine Gedanken machen. Solange ich lebe und darüber hinaus ist dafür gesorgt, dass der Kreuzweg in Dapfen bleibt.“ Und so kam es schließlich auch. Der Künstler und Monsignore hat seine 14 Bilder der Dapfener Kirchengemeinde überlassen, und so ist sichergestellt, dass sie auch zukünftig jedes Jahr vom Beginn der Fastenzeit am ersten Sonntag nach Aschermittwoch bis Ostern die Wände der Martinskirche zieren.

Ursula Bogner-Kühnle sieht in ihren Führungen „eine großartige Aufgabe, die er mir ans Herz gelegt hat und die ich auch erfüllen möchte“. Sie sei überzeugt, dass er sie dabei stets begleite, schließlich sagte er einmal zu ihr: „Wenn wir sterben, leben wir.“

Köder verstand es wie kein anderer sakraler Künstler, das Leben der Menschen mit allen Ängsten und Sorgen, Hindernissen und Grenzen in seine Kreuzwegbilder aufzunehmen. Seine 14 Stationen bergen Lebens-, Kirchen- und Weltgeschichten und vereinen den Kreuzweg Jesu mit den Kreuzweg-Erfahrungen aller Menschen dieser Erde. Er hat die Passion Jesu mit der neuesten Geschichte verbunden und mit leuchtenden Farben die Überwindung des Todes, die Auferstehung und Ostern dargestellt. Für Bogner-Kühnle ein Glaubensbekenntnis der besonderen Art: „Überzeugender kann man als Christ nicht sein.“


Die Pfarrersfrau und das Osterei

Vor 24 Jahren hat Ursula Bogner-Kühnle das Dapfener Brauchtumsei entworfen, seither erobert es die ganze Welt. „Auf diesen Eiern liegt ein besonderer Segen. Mit ihnen wollen wir die Liebe Gottes verkünden“, sagt sie. Jedes Jahr bemalt und beschriftet sie allein rund 1500 Eier in altdeutscher Schrift. Auf einer Seite bringt sie ein Herz als Symbol für die Liebe Gottes an, in das sie eine persönliche Widmung schreibt. Weiterhin sind hier zwei Vögel für Gottes Lob, das IHS als Zeichen für Christus und ein Zweig aus der Wurzel Isais zu sehen. Die andere Seite wird mit Bibelworten oder mit dem Vater Unser verziert. Fast jeden Tag im Jahr sitzt Ursula Bogner-Kühnle über den kunstvoll gestalteten Eiern. In diesem Jahr wurden 27 Eier samt Übersetzung der Bibelverse nach Japan verschickt, 16 Eier gingen nach Neuseeland.


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