Christliche Themen für jede Altersgruppe

Einst Residenz, heute Kurstadt

Bad Urach ist ein Anziehungspunkt für Touristen. Es hat das einzig erhaltene spätmittelalterliche ­Residenzschloss Württembergs, eine kleine, aber pittoreske Altstadt, die stattliche Amanduskirche mit dem angrenzenden Stift. All das sehen Sie beim Gemeindeblatt-Glaubensweg am 9. August. Und Sie erfahren, warum die Kirchengemeinde ausgerechnet eine Partnerschaft mit Slowenien pflegt. 


Die Amandus­kirche und das Residenzschloss. (Fotos: Albrecht Arnold)


Seit über 200 Jahren kommen Urlauber nach Urach. Ab 1905 können sie als Kurgäste bezeichnet werden, denn seither trägt Urach den Titel „Luftkurort“. Vor 45 Jahren wurde dann die Thermalquelle erschlossen. 1983 wurde dann aus Urach das Bad Urach. Die Kurverwaltung Bad Urach zählt inzwischen knapp 400.000 Übernachtungen pro Jahr. Wer Arthrose oder Kreislaufbeschwerden hat, für den bringt eine Kur in Urach oft Besserung.

Die Stadt liegt am Fuße der Schwäbischen Alb. Deshalb ist sie Ausgangspunkt für 150 Kilometer Wanderwege mit wunderbaren Aussichten – und mit zuvor manchmal anstrengenden Anstiegen. Sogar das japanische Paar, das eigentlich wegen Outletcity Metzingen zum Einkaufen ins Ermstal gekommen ist, erkundigt sich an der Hotelrezeption nach dem Weg zum Wasserfall. Es hat gehört, er sei spektakulär und will ihn unbedingt sehen.

Unbedingt sehenswert ist jedenfalls das Residenzschloss – zumindest für die, die sich für württembergische Landesgeschichte interessieren. Schon 1265 gab es in Urach eine Wasserburg.  Sie wurde 1790 abgebrochen. Das heutige Residenzschloss geht auf das Jahr 1442 zurück. In diesem Jahr wurde Württemberg geteilt: Die beiden Brüder Graf Ulrich V. und Graf Ludwig I. teilten sich die Grafschaft. Ulrich V. blieb in Stuttgart. Ludwig I. bekam die südwestliche Landeshälfte und wählte Urach als Hauptstadt.

Standesgemäß ließ er sich ein Residenzschloss bauen – eines, das zwar stattlich, aber dennoch viel kleiner war als das seines Bruders in Stuttgart. 1445 wurde in Urach Eberhard I. (später Eberhard im Bart genannt) geboren. Weil sein Vater früh starb, trat Eberhard schon als 14-Jähriger die Regierung an. Ihm ist die Eleganz des Schlosses zu verdanken. Aus dem schlichten Aufenthaltsraum für das Gesinde ließ er eine prachtvolle Halle mit Kreuzrippengewölben machen. Und er ließ den Festsaal mit üppigen Wandmalereien ausstatten: mit Palmen und Eberhards Motto „Attempto“ (auf Deutsch „Ich wag‘s“).

Die aufwändigen Verzierungen hatten ihren Grund. Eberhard wollte Barbara Gonzaga von Mantua heiraten. Sie kam aus einem der reichsten Höfe Oberitaliens. Für seine von Kunst und Annehmlichkeiten verwöhnte Braut sollte das Schloss repräsentativ hergerichtet werden.

Urach selber profitierte ebenfalls davon. Die Handwerker waren gut beschäftigt, bauten auch Fachwerkhäuser für den Hofstaat. Die reiche Vergangenheit sieht man der Altstadt von Urach bis heute an.

Die Hochzeit von Eberhard und Barbara im Jahr 1474 wurde legendär. Sie soll das größte Fest gewesen sein, das Eberhard je gegeben hat. Im Schlosshof war ein Brunnen aufgestellt worden, aus dem nicht Wasser, sondern Wein floss. 150.000 Liter Wein sollen damals getrunken worden sein. Gefeiert wurde gleich mehrere Tage. Am zweiten Tag bestand das Festmahl aus 22 Gängen – das war auch für Adlige mehr als üppig.

Kurz nach der Hochzeit ließ Eberhard die Stiftskirche St. Amandus bauen. Mit Peter von Koblenz hatte er einen der renommiertesten Baumeister der Zeit berufen.

Die Zeit von Urach als Residenzstadt war allerdings schon 1482 zu Ende. Mit dem Münsinger Vertrag wurde die Wiedervereinigung Württembergs besiegelt. Eberhard verlegte seinen Regierungssitz nach Stuttgart.

Heute ist das Schloss ein bisschen in Vergessenheit geraten. Weit über die Landesgrenzen hinaus berühmt ist der Uracher Schäferlauf, der immer in den ungeraden Jahren stattfindet – in diesem Jahr am letzten Juli-Sonntag. Der erste Schäferlauf fand 1723 statt – damals als Zunfttreffen der Albschäfer. Heute ist er ein buntes Volksfest, zu dem 40.000 Zuschauer kommen.

Zum Volksfest gehört auch traditionell der ökumenische Festgottesdienst in der Amanduskirche. Doch die Evangelischen werden weniger. In Urach und Seeburg gibt es nur noch 3.500. Im Stadtkern selber wohnen immer mehr Muslime, aber auch Portugiesen und Italiener. Das fällt Michael Karwounopoulos auf, der seit Advent 2014 Dekan des Kirchenbezirks Bad Urach/Münsingen ist. Sorge macht ihm die älter werdende Gemeinde: 70 Beerdigungen pro Jahr und nur gut 20 Konfirmanden. Urach ist geprägt durch seine Hanglagen, neue Baugebiete können nicht erschlossen werden. Deshalb ziehen Familien weg.

Ganz auf junge Menschen zielt die Jugendkirche des Evangelischen Jugendwerks Bad Urach. „Ekkle“ heißt der Gottesdienst mit viel Musik sonntagabends im Dietrich-Bonhoeffer-Haus. Der Name kommt vom griechischen „ecclesia“ (auf Deutsch „Kirche“) und von der gemütlichen schwäbischen Sofaecke.

Die Uracher Kirchengemeinde hat eine außergewöhnliche Partnerschaft: mit der slowenischen Gemeinde Moravce. Am 2. Advent wird diese Partnerschaft offiziell besiegelt. Begründet wurden die Beziehungen zwischen Urach und Slowenien schon im 16. Jahrhundert. 1534 war in Württemberg die Reformation eingeführt worden. Herzog Christoph stellte im Stift Räume für Glaubensflüchtlinge zur Verfügung.

So lernten sich der slowenische Pfarrer Primus Truber und Freiherr Hans Ungnad von Sonegg kennen. Der vermögende Adlige finanzierte die Einrichtung einer Druckerei im Stift für christliche Erbauungsbücher in Slowenisch und Kroatisch. Ein Standbild im Stiftshof erinnert an Truber. Was Martin Luther für Deutschland ist, ist Primus Truber für Slowenien: Beide Reformatoren haben die Bibel in ihre Landessprache übersetzt.


So kommen Sie nach Bad Urach

Mit dem Auto:
Von Stuttgart aus erreicht man Bad Urach über Metzingen (B 27/B 312/B 28). Aus Richtung Ulm über Blaubeuren (B 28) oder über die Autobahn A 8, Ausfahrt Merklingen. Von Tübingen und Reutlingen nimmt man die B 28.

Mit der Bahn:
Aus Richtung Stuttgart, Tübingen oder Ulm bis Metzingen. Ab Metzingen mit der Ermstal-Bahn bis Haltestelle Bad Urach Bahnhof. Von dort sind Sie in 10 Minuten in der Altstadt und in der Amanduskirche (siehe Stadtplan auf Seite 7).

Hinfahrt: Ab Stuttgart: 8.22 Uhr, an Metzingen: 9.04 Uhr. Ab Metzingen: 9.11 Uhr, an Bad Urach: 9.26 Uhr. Ab Ulm: 7.09 Uhr, an Plochingen: 8.08 Uhr. Ab Plochingen: 8.44 Uhr, an Metzingen 9.04 Uhr. Ab Metzingen: 9.11 Uhr, an Bad Urach 9.26 Uhr. Ab Tübingen: 8.37 Uhr, an Metzingen: 8.54 Uhr. Ab Metzingen: 9.11 Uhr, an Bad Urach 9.26 Uhr.

Rückfahrt: Ab Bad Urach: 16.30 Uhr, an Metzingen: 16.45 Uhr. Ab Metzingen: 16.55 Uhr, an Stuttgart: 17.38 Uhr. Ab Stuttgart: 17.58 Uhr, an Ulm: 18.53 Uhr. Ab Metzingen: 17.05 Uhr, an Tübingen: 17.23 Uhr.

Gerhard Raff
Die schwäbische Geschichte
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