Christliche Themen für jede Altersgruppe

Gezackte Bildchen begeistern

BINSDORF (Dekanat Balingen) – Dass Religionsunterricht und Briefmarkensammeln gut zusammen­passen, das hat Pfarrer Johannes Kiefner unter Beweis gestellt. An der Grundschule in Binsdorf-Erlaheim zeigte er den Kindern, was Miteinander-Teilen bedeutet. Und die Schüler machten begeistert mit.

 

Es begann alles mit einem Zufall: Im Klassenzimmer der 2. Klasse hingen an der Pinnwand fein säuberlich auf schwarzen Karton aufgeklebt drei Briefmarken von James Rizzi. Die Klassenlehrerin behandelte den US-amerikanischen Pop-Art-Künstler, der bunte und detailverliebte Bilder entwarf, und ließ die Schüler auch selbst „Rizzi-Briefmarken“ gestalten. In diesem Klassenzimmer unterrichtete Kiefner die Schüler der 2.–4. Klasse in evangelischer Religion.

Kurz vor dem 11. November, dem Martinstag, stand er in der Pause vor den drei Briefmarken und meinte zu einigen Schülern, dass es von James Rizzi noch eine vierte Briefmarke gebe und er diese besitze. „Au ja, Herr Kiefner, bringst du uns die vierte mit?“

„Da kam mir die Idee, ich könnte das von der Lehrerin geweckte Interesse für Briefmarken mit dem Unterrichtsthema Miteinander teilen verbinden“, erinnert er sich. Nachdem er den Kindern die Geschichte vom heiligen Martin, der seinen Mantel mit dem Bettler teilte, erzählt hatte, diese mit ihnen besprochen und das Martinslied gesungen hatte, brachte er in der darauffolgenden Stunde Briefmarken mit. Natürlich zunächst die vierte James-Rizzi-Marke. Aber auch Hunderte Sondermarken aus der ehemaligen DDR sowie der BRD, von denen sich alle Schüler einige aussuchen durften. Am Ende der Stunde hatte jeder nicht nur einige, sondern zig Briefmarken ausgewählt. Die Begeisterung war groß darüber, dass jeder einen „Schatz“ mit nach Hause nehmen konnte. „Und der Vormittag wurde schnell zum aller-allerschönsten Schultag erklärt.“

Als dann die Frage unter den Schülern aufkam, worin sie die vielen Marken aufbewahren könnten, ließ er sie wissen, er habe zu Hause einige leere Briefmarkenalben. Für einen Euro würde er die leeren Einsteckbücher jeweils abgeben. In der Woche darauf stürmten die Schüler schon in der Pause vor der Stunde ins Lehrerzimmer und hielten ihm ihren Euro entgegen.

„Doch zunächst besprach ich, ausgehend vom Beispiel des heiligen Martins, was wir alles teilen können, und was Teilen bewirkt“, erzählt Kiefner. Die Antwort lautete sofort: „Briefmarken kann man teilen, und das löst bei allen große Freude aus.“ Mit weiteren Möglichkeiten des Teilens haben die Schüler noch eine ganze Heftseite gefüllt. Und nach der Stunde holte sich dann jeder sein Briefmarkenalbum ab.

„Ich bin erstaunt und überrascht, was die gezackten Bildchen ausgelöst haben“, sagt Kiefner im Nachhinein. Die Schüler treffen sich zum Beispiel ganze Nachmittage, um untereinander Briefmarken zu tauschen. Sie lassen sich ausgefeilte Ordnungssysteme einfallen. Und einer meinte: „Wenn ich abends nicht einschlafen kann, hole ich mein Briefmarkenalbum her und sortiere meine Briefmarken neu.“ Es sei interessant zu beobachten, wie wenig es brauche, um Interesse und Begeisterung bei Kindern zu wecken, und zu sehen, wie ernst und intensiv sie bei der Sache sind und Ideenreichtum, Ausdauer und Hingabe entwickeln.

„Ich werde auch weiterhin meine Unterrichtsinhalte mit Briefmarken verbinden“, verspricht Kiefner. So habe er für die neue Themeneinheit „Frauen, die sich trauen: Elisabeth von Thüringen“ sowohl die deutschen Elisabeth-Marken, die verschiedenen Wartburg-Marken sowie die Ungarische Flugpostmarke mit Burg Sarospatak, dem Geburtsort der heiligen Elisabeth, an die Pinnwand im Klassenzimmer geheftet. Beim ökumenischen Schulgottesdienst zu Beginn der Fastenzeit band er die Misereor- und Brot-für-die-Welt-Marken der BRD in das Thema „Fasten“ ein. 

Am 10. Mai wurde auf der Internationalen Briefmarkenmesse in Essen der Förderpreis „Bildung und Briefmarke“ verliehen. Der erste Preis ging an das Religionsunterrichtsprojekt „Was Miteinander-Teilen bewirkt“.

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