Christliche Themen für jede Altersgruppe

Gut leben ohne Auto

WEILHEIM (Dekanat Tübingen) – Als Pfarrfamilie zwei Gemeinden auf dem Land betreuen ohne Auto? Klingt schwierig. ­Pfarrerin Karoline Rittberger-Klas und Pfarrer Frithjof Rittberger machen es trotzdem. Ihr Antrieb: die eigenen Füße – und der Wunsch, die Schöpfung zu bewahren.


Der Bus fährt halt, wann er fährt. Für die Pfarr­familie Ritt­berger-Klas ist Radfahren kein Ausflugsthema, sondern ein Alltagsthema. (Foto: Martin Janotta)

Weilheim und Hirschau sind zwei ländliche Ortsteile Tübingens. Hier sind die Wiesen grüner, die Bäche sauberer und die Mieten günstiger als in der Kernstadt. Die meisten pendeln von dort in die Stadt. Mit dem Auto. Selbst Studenten. Geht in Weilheim nicht anders, sagen sie. In Hirschau schon gar nicht.

Karoline Rittberger-Klas und ihr Mann Frithjof sind die Pfarrer der Gemeinden, dazu noch Eltern zweier Kinder. Als die Familie vor zwei Jahren aus Stuttgart-Rot nach Weilheim zog, schauten die Menschen am Ort: Wie, Pfarrers besitzen kein Auto? „Viele Leute fragten uns damals immer wieder sorgenvoll, ob sie uns mitnehmen könnten“, sagt Karoline Rittberger-Klas lächelnd. Inzwischen gehört es zum Ortsalltag, dass Herr Pfarrer Häckselgut im Fahrradanhänger zum Abladeplatz bringt und Frau Pfarrerin mal mit Jacke und Regenhose zur Beerdigung radelt. Vom Pfarrhaus in Weilheim nach Hirschau fahren sie etwa eine Viertelstunde. Neun Minuten, wenn es schnell gehen muss. Frithjof Rittberger fährt auch dann Fahrrad, wenn er in Weilheim um 9 Uhr und in Hirschau um 10.15 Uhr Gottesdienst hält. Seine Frau gönnt sich da ausnahmsweise das Carsharing.

Karoline Rittberger-Klas ist zufrieden ohne Auto. Einen Kinderwagen mühsam auseinanderbauen und in den Kofferraum quetschen, das musste die Pfarrerin nie. Die Nachteile sieht sie gelassen: „Der Bus fährt halt, wann er fährt – und man kann nicht nochmal schnell zurück, um etwas Vergessenes zu holen. Das diszipliniert“, sagt sie. Einkäufe erledigt die Familie mit Fahrrad und Anhänger. In den Urlaub fahren sie mit der Bahn.

Die Kinder haben sich dran gewöhnt. „Ich find‘s gut ohne Auto, weil das Erdöl gibt Abgase“, sagt der fünfjährige Jonas. Seine ältere Schwester Johanna sieht weitere Vorteile: „Man macht mehr Sport und außerdem sollte man die Busse auch nutzen, wenn sie da sind.“ Ausreden lässt Jonas nicht gelten: „Man kann mit dem Fahrrad auch nach China fahren!“, sagt er. Sein Papa drückt es anders aus: Verkehrspolitiker sollten vor allem Nahverkehr und Radwege ausbauen, nicht nur aus ökologischer, sondern auch aus sozialer Sicht. Man könne ohne Auto viel Geld sparen: Etwa 300 Euro im Monat.

Im Raum Tübingen oder in Stuttgart geht das. Die Rittbergers wissen aber, dass der Nahverkehr nicht überall so oft fährt und an manchen Orten auch das Rad ausfällt. Sie wollen keinem mit dem moralischen Zeigefinger kommen. „Wir sehen das, was wir machen, als Projekt. Bei uns klappt es“, sagt Karoline Rittberger-Klas. Das bemerken auch andere: Manche aus der Gemeinde denken inzwischen öfter nach, ob sie wirklich so viel mit dem Auto fahren müssen.

Geld sparen, Abgase reduzieren, sich mehr bewegen – Menschen verzichten aus vielerlei Gründen aufs Automobil. Bei der Pfarrfamilie kommt noch ein Aspekt dazu. „In der Schöpfungsgeschichte steht, dass der Mensch bebauen und bewahren soll. Und er gibt den Tieren Namen. Das heißt für mich, dass Schöpfung kein Verbrauchsmaterial ist, sondern dass wir in ihr und mit ihr leben“, sagt Frithjof Rittberger. Seine Frau sieht es ähnlich: „Wir müssen etwas für die Schöpfung tun, auch wenn man die Zerstörung der Natur hier im schönen Weilheim nicht so direkt sieht wie in der Stadt, wo die Abgase auf Höhe der Kinderwägen in die Luft dampfen.“

Schön ist es in Weilheim tatsächlich. Hinter Kirche und Pfarrhaus ist schon das Ortsende, grüne Felder, der Neckar und in der Ferne die Wurmlinger Kapelle. „Hier im Dorf kommt man überall mit der Natur in Berührung – die Gärten, die Bäume“, sagt Frithjof Rittberger. Dafür treten er und seine Frau gerne in die Pedale.

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