Christliche Themen für jede Altersgruppe

Heilsames Füttern und Streicheln

GOMARINGEN (Dekanat Tübingen) – Kindergartenkinder, die an ­Blockaden leiden, können auf besondere Weise erreicht werden. Zum Beispiel über den behutsamen Umgang mit Tieren, wie auf dem ­Kinderbauernhof in Gomaringen. 


Verantwortung übernehmen: Kinder füttern die Schweine des Bauernhofs. (Foto: Christoph Ludwig)

Tapfer geht Lilly auf das braune Island-Pony zu und streichelt die zottige Mähne. Das gutmütige Tier überzeugt das sechsjährige Mädchen, das die Streicheleinheiten offensichtlich nicht weniger genießt als ihr vierbeiniger Freund. Lillys Spielkamerad Janick ist das Pony nicht ganz geheuer. Schüchtern beäugt er das große Tier und beschließt, erst mal die Finger von ihm zu lassen. Plötzlich aber streckt der Fünfjährige dem zweiten Tier mutig die Hand entgegen und lässt sich den Futterapfel von der Hand lecken.

„Der Umgang mit den Schweinen, Pferden, Ziegen und Hühnern gibt diesen Kindern Selbstvertrauen und schult das Verhalten in der Gruppe“, erläutert Cornelia Schäfer den therapeutischen Ansatz des Betreuungsangebots von Netzwerk Leben.  So sollen nicht nur Laufprobleme behoben werden, sondern die Kinder lernen bereits im frühen Alter, ein Stück Verantwortung zu übernehmen.

Mit bis zu zehn Kindern in zwei Gruppen besucht die Erlebnispädagogin an zwei Vormittagen pro Woche den Kinderbauernhof ihrer Eltern. Seit drei Jahren nun. Ein Jahr lang betreut und fördert Schäfer ihre Schützlinge in der Regel, die aber auch, wenn es dringend nötig sein sollte, schon mal bis zu zwei Jahre dabei sein können.

„Der Umgang mit Tieren ist für alle Menschen heilsam und ganz besonders wertvoll für diese Kinder mit speziellem Förderbedarf“, sagt auch Klaus Forschner vom Netzwerk Leben. „Der Umgang mit diesem wundervollen Bereich von Gottes Schöpfung ist auch gut für die Sprachentwicklung, um Mut zu fassen oder um im Chaos zur Ruhe zu kommen“, sagt Forschner. Zu der Idee musste er als bauernhoferprobter Gomaringer nicht lange überredet werden.

Welche Kinder aus den drei evangelischen Kindergärten Gomaringens dafür ausgewählt werden, entscheiden die Erzieherinnen im Gespräch mit den Eltern. „Bereits nach zwei bis drei Wochen Tierkontakt erleben die Eltern ihre Kinder oft völlig anders“, erzählt Cornelia Schäfer. Besonders gefragt sei das Sitzen in der Futterkrippe der Pferde, ein sehr intensives und emotionales Erlebnis für die Kinder. „Das war zuerst eine Art Notlösung“, berichtet die Erzieherin lachend, „doch dann hat es sich auffallend bewährt.“

Ein Tag auf dem Bauernhof läuft in der Regel so ab: Früh um halb neun Uhr trifft sich die Gruppe der Vier- bis Sechsjährigen zum Morgenkreis mit Begrüßungslied. Dort erzählen die Kinder, was sie heute machen möchten. Den Tieren Futter und Trinken geben und Stall ausmisten stehen dann auf dem Programm, bevor die Kleinen selbst was vespern dürfen. Anschließend putzen und streicheln die Kinder die Tiere.

Aber auch mit Pflanzen kommen die Kinder viel in Berührung: Sie säen, pflanzen und ernten mit. „So lernen die Kinder sich selbst und ihre Bedürfnisse kennen und ausdrücken“, sagt Cornelia Schäfer. Und mal so richtig schmutzig werden zu dürfen, ist für die jungen Helden ein Extraspaß. Kurz vor Mittag werden die kleinen Kinder dann abgeholt.

Dass gerne noch viel mehr Kinder auf den Bauernhof kämen, wissen Forschner und Schäfer von zahlreichen Anfragen aus den Gemeindekindergärten. Doch dafür reicht die Betreuungskapazität nicht aus. Mit Fördermitteln der Landeskirche und Spenden in Höhe von rund 8000 Euro pro Jahr finanziert sich die Zehnprozentstelle Schäfers. So bleibt es bisher bei maximal zehn Kindern.

An diesem Vormittag ist die Zeit auf dem Kinderbauernhof vorangeschritten, und die Schweine grunzen ungeduldig in ihrem Freilauf. Eilig springen die Kinder ins benachbarte Feld und bringen Rote-Bete-Kraut heran. Das Kraut von der Knolle abzudrehen, kostet Kraft. Aber dafür folgt ein freudig gegrunztes Dankeschön der suhlenden Tiere, wenn die Kleinen das Grün über den Zaun werfen. Und sowohl Kind als auch Schwein wirken in dem Moment hoch zufrieden.

Information zum Kinderbauernhof

Der Kinderbauernhof befindet sich in der Lindenstraße in Gomaringen.

Informationen über das Gomaringer Familienzentrum „Netzwerk Leben“

Cornelia Schäfer: Telefon 07072-9229337

Gemeindediakon Klaus Forschner:Telefon 07072-910412

E-Mail: Forschner(at)Kirche-gomaringen.de

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