Christliche Themen für jede Altersgruppe

Hüttengaudi mit Gebet

TRUCHTELFINGEN (Dekanat Balingen) – In einer eigenen Blockhütte mit Blick bis zu den Alpen verbringen die Gruppen der Kirchengemeinde Albstadt-Truchtelfingen jedes Jahr entspannende Stunden ohne Strom und fließendes Wasser. Das kleine Haus steht schon seit 65 Jahren auf der Alb.

In Truchtelfingen sind sie stolz auf ihre Hütte (Foto: Julia Klebitz)

„Ich geh mit“, sagt Andreas Blutbacher und zieht den Reißverschluss seiner dicken Jacke zu. „Gestern Abend lag ich mit meiner Grippe noch flach. Aber ich kann die anderen doch nicht einfach alleine lassen“, sagt er. Der Truchtelfinger ist einer von zwei Hüttenwarten, die sich das ganze Jahr über um eine Blockhütte kümmern, die am Waldrand bei Albstadt-Truchtelfingen „Auf  Meinetshalde“ steht. Seit über 60 Jahren ist das kleine Haus im Besitz der Gemeinde. Heute ist „Putzete“ angesagt. „Wir machen die Hütte starklar für die Saison“, sagt Blutbacher. Zusammen mit seiner Frau Sabine steigt er ins Auto und fährt zehn Minuten durchs Gelände bis zur Truchtelfinger Hütte. Oben auf der Alb scheint die Sonne, aber auch der Schnee liegt noch schwer auf den Wiesen.

Zwei weitere Autos sind auf dem kleinen Waldweg geparkt. Der zweite Hüttenwart Andreas Klein wartet schon. Er hat seine Frau Maria und den achtjährigen Sohn Sebastian mitgebracht. Auch sie wollen helfen, in der Hütte die Betten frisch zu beziehen, Möbel und Böden zu putzen. Pfarrer Christoph Grosse ist an diesem Vormittag ebenfalls zur Hütte gekommen für eine kurze Lagebesprechung. Mit dabei hat er einen ganz besonderen Gast: Bruno Schöller steht in Wanderschuhen im Schnee. Die Hütte im Rücken schweift sein Blick über die Landschaft. „Ich weiß gar nicht, wie oft ich schon hier oben war. Es ist immer wieder schön. Man kann bis zu den Alpen sehen.“

Vor 65 Jahren war Schöller einer der Erbauer des Blockhauses. „Ich war zu dieser Zeit noch Mitglied im Jugendkreis“, erinnert er sich, während die anderen Kisten mit Putzsachen aus den Autos tragen. „Wir hatten damals gerade das Gausängerfest bei uns im Ort. Und nach dem Fest hat man uns jungen Leuten die Bretter und das Holz geschenkt, das für die Bühne gebraucht wurde.“ Für die Jugendlichen sei schnell klar gewesen, dass aus den Brettern eine Hütte entstehen sollte. Ein Ort für gemeinsame Treffen. „Wir haben die Hütte direkt auf dem Kirchplatz aufgebaut“, erzählt Schöller, der als ausgebildeter Schreiner damals schon sehr gut wusste, was er tat. Mit einem Pferdegespann transportierte die Gruppe das Gerüst ihres neuen Treffpunkts dann an den Waldrand.

„Bis wirklich alles fertig war, ging es aber dann doch fast zwei Jahre“, sagt Schöller. Was der Schreiner angefangen hatte, das wollte er ordentlich zu Ende bringen. Mit Bestand. Dass die Truchtelfinger Hütte auch heute noch, 65 Jahre später, auf der Alb steht, dazu hat er viel beigetragen. „Ich glaube, es gibt nichts im Ort aus Holz, was nicht du gebaut hast, Bruno“, sagt Hüttenwart Blutbacher und lacht. Er hat mit seiner Frau und dem Ehepaar Klein zusammen die Arbeit von Schöller mittlerweile übernommen. Sie kümmern sich um den Belegungsplan, kontrollieren, ob die Gruppen das Haus wieder ordentlich verlassen, sorgen dafür, dass genug Gas für die Lampen und Brennholz für den Ofen da ist. Strom und Wasser gibt es in der Hütte nicht.

1986 wurde angebaut. Seitdem gibt es neben der kleinen Küche, einem Schlaf- und einem Aufenthaltsraum noch einen zweiten Raum zum Übernachten. „Man muss schon ein bisschen freakig sein, um hier länger zu bleiben“, sagt Pfarrer Grosse. Aber gerade weil auf der Hütte alles so ursprünglich sei, kämen die Leute gerne. „Jede Gruppe unserer Gemeinde ist mindestens einmal im Jahr oben“, erzählt der Pfarrer. Im Sommer halte sogar der Gemeinderat Sitzungen auf der Veranda ab und am letzten Sonntag in den Sommerfereien gebe es immer einen sehr gut besuchten Gottesdienst „Auf  Meinetshalde“. Mit Gebeten, Gesang und Grillwurst.

Das ganze Jahr über ist die Blockhütte   belegt. „An Silvester haben wir natürlich eine lange Warteliste“, weiß Hüttenwart Klein. Aber auch an den anderen Wochenenden im Jahr und natürlich in den Ferien sei immer etwas los.  Pfadfinder kommen, viele Vereine nutzen die Hütte, und bis vor einigen Jahren machten Jugendliche aus dem Margarethenheim der Evangelischen Gesellschaft in Stuttgart dort ihre Ferien. Einmal im Jahr ist eine Gruppe aus Anwälten und Steuerberatern zu Gast. Warum kommen Gruppen in die so minimal ausgestattete Gemeindehütte? Um Ruhe zu finden, aber auch um mit Freunden oder Kollegen Zeit zu verbringen und Spaß zu haben, da ist sich das Team der Kirchengemeinde einig. Sie sorgen gemeinsam dafür, dass das auch weiterhin möglich ist. Immer wieder wird in der Hütte renoviert. An diesem Tag fachsimpeln die Hüttenwarte  über die Holzdecke. „Ich denke, man sollte sie heller streichen“, sagt Bruno Schöller. „Um mehr Licht reinzukriegen.“ Auch heute noch kann er nicht so ganz von seiner Hütte lassen.



Die Truchtelfinger Hütte hat 16 Betten und kann von Gruppen gemietet werden. Hüttentelefon:  07432/ 170917. Mehr Informationen gibt es auch auf www.galluskirche.de

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