Christliche Themen für jede Altersgruppe

„Ich will mich engagieren“


[Schüler helfen Schülern – das ist das Prinzip bei den Mentoren. Foto: Frank Engelhardt]

DUSSLINGEN (Dekanat Tübingen) – Rund 60 Schüler werden jedes  Jahr im Kirchenbezirk Tübingen zu Mentoren und Streitschlichtern ausgebildet. Das Landesjugendwerk ist daran beteilt. Ein Besuch bei der Ausbildung von Schülern aus Dußlingen.  Von Frank Engelhardt

„Als ich in der fünften Klasse war, haben uns Schülermentoren begleitet, bei Ausflügen und bei den Erlebnistagen in Undingen beispielweise“, sagt Maren. „Ich habe sie dafür bewundert, wie sie die Dinge angegangen sind und wie sie alles organisiert haben.“ Nun wird die 15-jährige Schülerin der Merian-Gemeinschaftsschule in Dußlingen selbst zur Mentorin und nimmt dazu am Einstiegsseminar teil. „Ich habe die engagierten Schüler immer als Vorbild gesehen – und möchte nun auch ein Vorbild werden und etwas zurückgeben.“
Ganz friedlich liegt das Freizeitheim am Ortsrand von Zimmern unter der Burg im Zollernalbkreis da. Während draußen die herbstlich gefärbten Blätter lautlos auf den Boden fallen, wird drinnen angeregt diskutiert. 16 Schülerinnen und Schüler bilden sich hier weiter, wollen sich später als Sport- oder Sozialmentoren und Streitschlichter an ihrer Schule einbringen. Um für diesen Job gut gerüstet zu sein, sind sie bei der Ausbildung dabei. Drei Tage dauert alleine das Einstiegsseminar, bei dem Gruppenpädagogik, Rechte-ABC und vieles mehr auf dem Stundenplan stehen.
Soziales Engagement war seit 2003 fest im Bildungsplan der Realschulen verankert. Jeder Schüler sollte sich an seiner Schule einbringen, und zwar insgesamt 40 Praxisstunden innerhalb der gesamten Schulzeit. Ob das im Rahmen von AGs, kulturellen oder sportlichen Veranstaltungen geschah, spielte keine Rolle. Als außerschulischer Kooperationspartner brachte sich das Landesjugendwerk der evangelischen Kirche ein und betreute solche Praxisstunden. Im Zuge dieser Zusammenarbeit entstand dann die Idee, das soziale Engagement der Schüler bei Bedarf weiter zu fördern. Das Jugendwerk konnte dabei auf seine langjährigen Erfahrungen bei der Jugendleiterausbildung zurückgreifen. Zusammen mit dem Kultusministerium wurde das Schülermentoren-Programm ins Leben gerufen.
Zu den vorgeschriebenen 40 Praxisstunden kommen hier weitere 40 Theoriestunden, deren Inhalte teils aus der Jugendleiterausbildung stammen. „Am Ende einer solchen Ausbildung erhalten die Teilnehmer dann ein Zertifikat und sind Schülermentor“, erklärt Frank Wurster vom Evangelischen Kirchenbezirk. Der Diakon und Religionslehrer arbeitet in der Fachstelle Kooperation Jugendarbeit-Schule-Kirche und hat über die Jahre ganze Generationen an Schülermentoren begleitet.
Zum Leidwesen aller Beteiligten seien die 40 sozialen Praxisstunden im neuen Bildungsplan für Realschulen gestrichen worden, sagt der Diakon. „Und das in einer Zeit, in der die Gesellschaft soziales Engagement vehement einfordert“, sagt Wurster. Die sechs Schulen im Bezirk Tübingen, die mit dem Schülermentoren-Programm gute Erfahrungen gemacht hatten, möchten die Kooperation aber unbedingt weiterführen. Dazu gehört auch die Merian-Gemeinschaftsschule in Dußlingen, die bereits seit acht Jahren dabei ist. „Das freut uns natürlich sehr“, sagt der Religionslehrer.
Für die Jungen und Mädchen aus Dußlingen, die das Einstiegsseminar in Zimmern unter der Burg besuchen, ist Engagement in der Schule keine Frage. „In der Musical-AG an unserer Schule war ein Mädchen, das eine Gruppe geleitet hat. Das hat mich wirklich sehr beeindruckt“, erzählt die zwölfjährige Charu und ergänzt: „Und da mich soziale Themen und Streitschlichtungen auch schon immer interessiert haben, habe ich mich für das Schülermentoren-Programm angemeldet.“ Über ihre Schwester kam die 13-jährige Dilan auf den Geschmack. „Ich will mich in der Schule engagieren, meinen Mitschülern helfen und auch meine soziale Kompetenz dadurch stärken.“
Pro Jahr werden durchschnittlich 60 Schülermentoren im Kirchenbezirk Tübingen ausgebildet. Mit einer solchen Ausbildung dürfen die Schüler auch als Jugendbegleiter in der Schule wirken und werden im Rahmen der Ganztagesbetreuung finanziert. „So kann das Taschengeld auch etwas aufgebessert werden“, weiß der Religionslehrer.
Doch nicht nur in der Schule sind die Jugendlichen gefragt. „Die Schülermentoren können auch in der Kirchengemeinde mithelfen oder in eine Kindergruppe einsteigen“, sagt Frank Wurster. „Mit der Erlaubnis der Jugendlichen gebe ich ihre Adressen weiter an Pfarrer und CVJM-Vorsitzende. Und die könnten sich ihrerseits dann mit den Schülern in Verbindung setzen. „Die Rückmeldungen sind äußerst positiv“, erzählt der Diakon erfreut. „Von den letzten vier Schülern, die sich bereit erklärt haben, etwas in der Kirchengemeinde zu machen, haben drei bereits mit einem Projekt begonnen.“

Kontakt: Frank Wurster, Telefon 07071-9304-49, E-Mail-Adresse: frank.wurster@evk.tuebingen.org

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