Christliche Themen für jede Altersgruppe

Im Kreise ums Feuer

REUTLINGEN – Seit Urzeiten wärmen sich Menschengruppen am Lagerfeuer. In der Kirchengemeinde Altenburg wird an vier Tagen im Sommer das Feuer auch aus anderen Gründen entfacht: Um zu beten, zu singen und nachzudenken.


Friedliche Stimmung herrscht bei den Andachten am Lagerfeuer. (Foto: Martin Janotta)

Flammen züngeln. Ab und an knistert und knackt es im Holz, während sich die rötliche Glut ausbreitet. Der Rauch steigt nach oben. Die Farbe der Glut spiegelt sich wieder im Licht der untergehenden Sonne, die allmählich hinter den nahen Hügeln versinkt.

Im Kreis hocken die Altenburger ums Feuer. Die meisten auf Bierbänken. Als die Kirchenglocken um 21 Uhr läuten, sind alle Plätze besetzt. Für die, die jetzt noch kommen, müssen Stühle aus dem Gemeindehaus gebracht werden. Der Pfarrgarten in Altenburg liegt oben am Hang. Die Besucher hören die Geräusche des nahen Waldes, das Krächzen der Vögel, das Zirpen der Grillen – eine friedliche Musik der Natur, nur ab und an unterbrochen durch ein Auto, das auf der Straße im Tal vorbeifährt. Zu dieser natürlichen Musik gesellen sich ungewohnte, aber nicht unpassende Klänge: Eine Violine beginnt das Vorspiel zum ersten Lied. „Der Abend naht.“ Die sanften Klänge geben dem Ganzen eine getragene Stimmung, die gut mit dem Abendlicht harmoniert.

Eine Tradition ist sie, die Lagerfeuer-andacht der Altenburger Kirchengemeinde. Schon seit zehn Jahren treffen sich Menschen in der letzten Schulwoche vor den Sommerferien an vier Abenden am Feuer. Dieses Jahr regnete es montags und dienstags so stark, dass die Teilnehmer zwei Mal ins Gemeindehaus umsiedeln mussten. Sie machten das Beste daraus und versammelten sich dort um eine Kerze – einen kleinen Ableger des Feuers im Garten. Mittwochs war das Wetter dann besser. Besonders freute das die Konfirmanden, die an diesem Abend mit Pfarrerin Annegret Bogner die Andacht gestalteten. „Die Jungs waren ganz begeistert vom Feuermachen“, sagt sie schmunzelnd. An diesem Abend gestaltete sie die Andacht anhand eines aktuellen Chart-Hits.

Heute, am letzten Abend, sitzen vor allem ältere Gemeindemitglieder um das Feuer, auch wenn dazwischen das ein oder andere junge Gesicht hervorguckt. Eine Kirchengemeinderätin hält die Andacht. Sie zeigt eine Quietscheente, eine von 860 Enten, die beim Altenburger Entenrennen zehn Tage zuvor den Neckar hinabschwammen. Wie die Enten dort am Ende wohlbehütet in einem Netz landeten, so hätten auch wir Christen ein Netz, sagt die Kirchengemeinderätin. Nach weiteren Abendliedern und dem Segen sind erst alle still. Dann gibt’s noch einen Wunsch, der nicht auf dem Liedblatt steht: „Der Mond ist aufgegangen.“ Als der Mann mit der Violine nach drei Strophen aufhört, protestieren ein paar der Anwesenden. Sie hätten noch ein paar Strophen auswendig gekonnt.

Nach diesem letzten Lied beginnen die Leute, sich zu unterhalten, direkt nach Hause gehen nur wenige. Viele, die hier sitzen, sind schon seit Jahren dabei. Regina Hedrich ist jedes Jahr mindestens einmal bei der Lagerfeuerandacht. Sie hat auch schon mit dem Gesangverein dort gesungen. Heute hat sie erstmals ihre Enkelin Sara mitgebracht. Der Jüngsten im Kreise hat der Abend gut gefallen: „Oma und alle ihre Nachbarinnen sind da, da wollte ich auch mit. Gestern war es zu spät, da musste ich ins Bett, aber heute durfte ich herkommen.“ Bald sind dann auch die Roten Würste fertig, die es an diesem letzten Lagerfeuerabend gibt. Während die meisten Leute essen oder sich unterhalten, schauen manche auch einfach den Flammen zu, wie sie sich kräuseln und dem Rauch, wie er durch den Rost des Grills emporsteigt. Der Anblick lädt zur Ruhe ein. Und zu einer friedlichen Nacht.

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