Christliche Themen für jede Altersgruppe

Luther für die Kaffeetasse

MÖSSINGEN (Dekanat Tübingen) – Man liebt ihn oder man lehnt ihn ab: Den Luther-Kaffee, den der Kaffee­röster und Kirchengemeinderat Florian Kühnberger kreiert hat. Zusammen mit dem Pfarrerehepaar hat er überlegt, wie sich Luthers Eigenschaften geschmacklich umsetzen lassen. 


Frauke Dietz, Florian Kühn­berger und Uwe Braun-Dietz schmeckt der Luther-Kaffee. (Foto: Wolfgang Albers)
 


Der erste Gedanke ist: Da treibt das kommende Reformations-Jubiläum ja seltsame Blüten. Jetzt gibt es einen Luther-Kaffee. Warum denn das? Bier würde vielleicht passen, das hat der Reformator ja auch getrunken, aber Kaffee? Der zweite Gedanke: noch mehr Verwunderung. Denn diesen Luther-Kaffee bringt nicht irgendein obskurer wirtschaftlicher Trittbrettfahrer auf den Markt, sondern eine gestandene evangelische Kirchengemeinde.

Also: Da sollte man sich doch mal vor Ort umschauen. In Mössingen. In der Martin-Luther-Kirche. Ein freundlicher, ein moderner Bau. Eine riesige farbige Fensterfront lässt den Innenraum leuchten, eine Art Bühne ist auch in den Kirchenraum integriert. Außen wachsen über 120 Rosen in 70 Sorten um die Kirche – viele mit christlichen oder biblischen Namen wie Maria Magdalena oder Elisabeth von Thüringen, aber auch Martin Luther und Katharina von Bora.

Und der Pfarrer? Uwe Braun-Dietz ist auch Mitglied im Nabu, dem Naturschutzbund Deutschland, und macht Rosenführungen, in denen er über die Personen erzählt, von denen die Rosen den Namen haben. Wenn es der christlichen Botschaft dient, dürfen die Zugänge also auch einmal ungewöhnlich sein.

So verhält es sich auch mit dem Luther-Kaffee. Der hat sich eigentlich relativ unspektakulär ergeben. Einer der Mössinger Kirchengemeinderäte ist der Kaffeeröster Florian Kühnberger. Er war 2007 schon Deutscher Meister der Kaffeeröster und hat sich zu Jahresanfang einen eigenen Betrieb aufgebaut, weil er so seine Kaffee-Vorstellungen verwirklichen kann. Eine Kirchengemeinderatskollegin hat Kühnberger gefragt, ob er sich denn eine Mischung unter dem Namen Luther vorstellen könne.

Das hat Florian Kühnberger gereizt. Ein Kaffee nach seinen Vorstellungen muss Charakter haben. Klar war für ihn auch: Er wollte nicht ein neues Etikett auf einen Kaffee pappen, den er bereits im Sortiment hat. Also musste ein neuer Kaffee her, der zu Luther passt. Aber: Welchen Charakter hatte Luther? „Da brauch ich theologische Profis“, sagte er sich.

Kühnberger ist in der Martin-Luther-Kirche getauft und konfirmiert worden. Für die Frage nach den Eigenschaften des großen Reformators schickte er eine E-Mail an Uwe Braun-Dietz und Frauke Dietz, die sich mit ihrem Mann die Pfarrstelle teilt. Zu seiner Überraschung bekam er wenige Minuten später eine vierseitige Antwort – mit vielen Hinweisen auf Luthers Charakter: „Ich merkte: Ich hab da offene Türen eingerannt.“

Florian Kühnberger hat sich ans Werk gemacht, Arabica- und Robusta-Sorten gemischt, von Anbietern aus Kamerun, Äthiopien und Brasilien, die fair produzieren. Herausgekommen ist ein Kaffee, den Florian Kühnberger einen „Klopper“ nennt: stark, würzig, erdig. Ein Kaffee, der selbst trainierte Kaffeetrinker umhaut. „Ein Kaffee, den man lieben oder ablehnen wird, der polarisiert“, sagt er. „Luther hat auch nicht jedem geschmeckt“, entgegnet Frauke Dietz. „Der Kaffee ist markant, Luther war markant“, sagt Uwe Braun-Dietz: „Wie Luther hinterlässt der Kaffee eine Wirkung, man erinnert sich.“ Uwe Braun-Dietz ist jedenfalls vom Luther-Kaffee überzeugt: „Zum Reformationsjubiläum wird ja vieles auf den Markt gebracht, da denkt man sich: na ja. Aber unser Projekt ist passend.“ Weil es lokale Wurzeln habe.

Da so ein markanter Kaffee eher ein spezielles Publikum anspricht, hat Florian Kühnberger noch einen Kaffee Katharina von Bora kreiert. Besser verträglich, aber auch, so seine Charakterisierung: „Würzig, leidenschaftlich, lang anhaltend.“ „Ein wunderbarer Frühstückskaffee“, findet Frauke Dietz.

Premiere haben beide Kaffees beim Mössinger Rosenmarkt am 19. Juni. Wie immer wird die Gemeinde in der Kirche ein Café anbieten. Und wenn die Kaffeesorten dann ankommen, könnte sich das Frauke Dietz das auch als Langzeit-Projekt vorstellen: „Zum Beispiel für die, die ein besonderes Geschenk suchen.“ Ihr Mann denkt schon die Produktpalette weiter: „Wie wäre es mit einem magenfreundlichen Philipp Melanchthon?“


Information

Zu verkosten gibt es den Luther-Kaffee und den Katharina-von-Bora-Kaffee beim Mössinger Rosenmarkt am Sonntag, 19. Juni von 11 Uhr bis 18 Uhr auf dem Gelände am Jakob-Stotz-Platz und in der Breitestraße.

Luthers-Familienzeit

Jetzt Online-Magazin testen.

THEMA - Die Bergpredigt

Ausgabe 3/2017

Evangelisches Gemeindeblatt

Aktuelle Ausgabe 34/2017

Meinungsumfrage

Meinungsumfrage

Haben Sie durch die Veranstaltungen zum Reformationsjubiläum persönliche Impulse bekommen?
Ja.
Nein
Ich weiß es nicht