Christliche Themen für jede Altersgruppe

Mobil mit der Klapprampe

MÖSSINGEN (Dekanat Tübingen). Wer Zug fahren will, steigt eben ein. Menschen im Rollstuhl aber ­brauchen dazu pfiffige Hilfen. Eine neue Klapprampe am Bahnhof Mössingen ist für dortige Rollifahrer fast wie ein Geschenk zu Ostern.

Freude am Mössinger Bahnhof: Asta Leimsaile öffnet eine neue Klapprampe, die die KBF-Geschäftsführer Thomas Seyfarth (links) und Gerd Mohler der Hohenzollerischen Landesbahn gebracht haben. Mit ihr freut sich auch Rollstuhlfahrer Willi Rudolf. (Foto: Christoph Ludwig)

Endlich weiß Asta Leimsaile, dass „ihre“ Rampe auch bestimmt da ist, wenn ihr Zug nach Tübingen oder von dort zurück kommt. Das unhandliche Vorgängermodell, das jahrelang am Bahnsteig lehnte, war eines Tages plötzlich weg – und damit die Möglichkeit, als „Rolli“ in den Zug zu rollen. Die Körperbehindertenförderung (KBF) fackelte nicht lange und sponserte eine Klapprampe, die der Fahrdienstleiter wie einen Aktenkoffer ruckzuck an den Zug legen und diebstahlsicher im Dienstraum verstauen kann.

Für die Rollstuhlfahrerin und Pendlerin Leimsaile ist das schlicht ein Traum. „Seit 15 Jahren fahre ich mit dem Zug von Mössingen über Tübingen zur Arbeit, doch ohne Einstieghilfe ist es aus!“, betont die 52-Jährige. Und schnürt auch gleich die nagelneue Rollirampe an der Hand von Rolf Steinbrenner auf. „Bei 30 Sekunden Haltezeit der Züge muss das Händeln der Rampe rasch gehen“, weiß der Fahrdienstleiter und kündigt den einfahrenden Zug an. Die Haltezeit reicht, um beide Rollifahrer bei dem Übergabetermin probeweise ein- und ausfahren zu lassen.

Ein Beispiel, das landesweit Schule machen könnte – fehlt es doch an vielen Bahnhöfen an der passenden Rollstuhlfahrer-Einstieghilfe. „Leider sind die Bahnsteige dort recht verschieden und bedürfen individueller Rampen“, erzählt René Dera von der Hohenzollerischen Landesbahn.

Pfiffige Ideen für die barrierefreie Fortbewegung wünscht sich Rollstuhlfahrer Willi Rudolf aber auch in vielen anderen Bereichen. „Denken Sie dabei nicht nur an den öffentlichen Nahverkehr“, sagt der Landes-Behindertenbeauftragte und erzählt, wie es ihm in seiner Heimatkirche Öschingen geht.

Die Übung fehlt einfach

„Ist das Reinkommen geschafft, sitze ich zwischen zwei Stühlen beim Gebet – und kann nicht aufstehen!“ Auch ältere Gottesdienstbesucher ohne Rollstuhl tun sich doch damit schwer, weiß Rudolf und fragt sich, warum man denn nicht dabei sitzen bleiben könne. „Im täglichen Umgang von behinderten und nichtbehinderten Menschen miteinander fehlt ganz einfach die Übung“, sagt der 69-Jährige.

Allein der demografiebedingte Anstieg des Seniorenanteils in der Bevölkerung bringe einen enormen Bedarf an barrierefreien Lösungen mit sich. „Anfangs fuhr ich noch mit dem Rollstuhl im Güterwagen nach Stuttgart – das will heute bestimmt keiner mehr“, erzählt Rudolf. „Und wir als Christen sollten eine besondere Verantwortung dafür spüren und leben. Und es beginnt damit, Behinderung als Teil unserer Gesellschaft zu begreifen.“ Aber das sei nicht einfach, weiß der umtriebige Schwabe. Der Umgang mit Verschiedenheit will gelernt sein. Eine Klapprampe kann dazu beitragen.¦

Information

Rollifahrer sollten sich unmittelbar vor Fahrtantritt telefonisch anmelden, wenn sie wie in Mössingen eine Rampenhilfe beim Zugfahren in Anspruch nehmen wollen. Dazu gibt es von der Deutschen Bahn landesweit einheitlich eine Rufnummer: „Drei-S-Zentrale Stuttgart“ für Service, Sicherheit und Sauberkeit: 0711-20921055.

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