Christliche Themen für jede Altersgruppe

Reden über den Glauben

MÜNSINGEN (Dekanat Bad Urach) – Christen, Muslime und Menschen anderer Religionen treffen sich jeden Sonntagabend im „Jesus House Circle“ im Gemeindehaus, um miteinander über ihren Glauben zu sprechen. Dieser internationale Hauskreis hat großen Zulauf. 

Am Beginn eines jeden "Jesus House Circle" stehen Lobpreislieder, die mit Trommel und Klavier begleitet werden. (Foto: Maria Bloching)

Vielerorts gibt es Asyl- und Arbeitskreise, die sich mit unterschiedlichen Angeboten wie Sprachkursen oder Kleiderkammern um Asylbewerber und Flüchtlinge kümmern. Glaubensfragen jedoch gehen dabei fast völlig unter. Deshalb wurde im Oktober des vergangenen Jahres in Münsingen ein Treff ins Leben gerufen, bei dem man sich gegenseitig vom eigenen Glauben erzählen und Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede aufzeigen kann. Auch nach Münsingen sind im vergangenen Jahr viele geflüchtete Menschen gekommen. Bei ihnen wuchs ebenso wie in verschiedenen christlichen Vereinen und Institutionen das Bedürfnis, mit Christen, aber auch mit Muslimen und Menschen anderer Religionszugehörigkeiten aus den verschiedenen Ländern zusammenzukommen.

So treffen sich nun jeden Sonntagabend zwischen 40 und 60 Menschen zum internationalen Hauskreis im Evangelischen Gemeindehaus, bei dem Jesus und seine Botschaft des Evangeliums im Mittelpunkt stehen. Der internationale Hauskreis ist ein gemeinsames Projekt von Mitarbeitern der Evangelischen Kirchengemeinde, des Evangelischen Jugendwerks, des CVJM, der Baptisten und vieler freiweilig Engagierter, die sich für die Integration von Flüchtlingen stark machen. Da die Flüchtlinge aus Afrika, Syrien, dem Irak und Afghanistan kommen, wird der Abend hauptsächlich in Englisch und Arabisch übersetzt, je nach Bedarf und dank der Mithilfe einiger Asylbewerber auch in andere Sprachen.

Zu Beginn werden Lobpreislieder gesungen. Zum Teil auch aus der Heimat der Flüchtlinge und in ihrer Muttersprache. Ein Musikteam, bestehend aus Deutschen, Irakern, Gambiern und Syrern, bereitet diese Lieder vor und sorgt auch für musikalische Begleitung auf Trommeln und auf dem Klavier. Nach einer kurzen Andacht mit Filmsequenzen wird das Gesehene und Gehörte in kleinen Gruppen diskutiert und aus der Bibel gelesen. Ein gemeinsames Gebet und Beisammensein bei Gebäck und Getränken runden einen solchen Abend im Hauskreis ab.

„Wir möchten niemandem unseren Glauben aufdrängen, ihn aber auch nicht verstecken. Wir freuen uns darüber, dass wir frei und in Frieden von der Liebe Jesu erzählen können und diese Liebe auch in Wort und Tat zeigen dürfen“, sagt Frank Hintzenstern, einer der Hauptverantwortlichen des „Jesus House Circle“. Er hat für sich persönlich entschieden, als Christ keine Fronten gegen Flüchtlinge aufzubauen, sondern in der persönlichen Begegnung eine Chance zu sehen. „Wir dürfen nicht vergessen, dass Jesus für jeden einzelnen Menschen gestorben ist – egal ob Moslem oder Schwabe“, sagt er. Manche Menschen, fügt Hintzenstern hinzu, seien sogar der Meinung, es sei Gottes Führung, dass gerade so viele überwiegend muslimische Flüchtlinge in unser Land kommen. „Deshalb sehe ich eine große Herausforderung darin, diese Menschen mit Asylbewerbern in Kontakt zu bringen und sie zur Hilfsbereitschaft einzuladen“, sagt er.

Hintzenstern liegt es als Christ am Herzen, eine positive Grundstimmung zu fördern und Vorurteile auf beiden Seiten erst gar nicht entstehen zu lassen: „Mir ist es wichtig, offen auf all diese Menschen zuzugehen und bewusst gut über sie zu reden.“ Probleme sollten offen angesprochen werden, nur so könnten Flüchtlinge lernen, was in Deutschland zur Kultur gehört und wo sie ihre Verhaltensweisen im Sinne eines guten Miteinanders anpassen könnten.

Im „Jesus House Circle“ sieht Hintzenstern eine einmalige Gelegenheit, den geflüchteten Menschen als bekennende Christen zu begegnen. Dies geschieht in erster Linie durch praktische Hilfe dort, wo Not herrscht, aber auch durch Gespräche, die vom Evangelium geprägt sind. „In persönlichen Begegnungen können wir unseren Glauben vorleben und zu einer Beziehung zu Jesus einladen“, ist Hintzenstern überzeugt. Die vergangenen Monate haben ihm gezeigt, dass viele Flüchtlinge großes Interesse daran haben zu erfahren, wie die Menschen hier bei uns leben und was sie glauben. Ernsthafte und authentische Religiosität wird von Asylbewerbern sehr geschätzt. „Aus meiner Erfahrung ist es für Muslime eher befremdlich, wenn der Glaube im Leben keine Rolle spielt. Wir können doch die Religionsfreiheit in unserem Land nutzen, ohne dabei Flüchtlinge in Bedrängnis zu bringen“, sagt Frank Hintzenstern. Vor Ostern wurde im Hauskreis das Abendmahl genauer erläutert, man hat sich gemeinsam wie einst Jesus mit seinen Jüngern an den Tisch gesetzt, um das Brot zu brechen und untereinander zu teilen. „Fasten vor Ostern und trotzdem essen?“, das konnten die Muslime nicht verstehen. Doch die Christen hatten darauf eine Antwort: „Der Wein steht für sein Blut, das Brot für seinen Leib. Wir trinken und essen zu seinem Gedächtnis“.

Auf die Frage, wie Christen mit Flüchtlingen umgehen sollen, kann es laut Frank Hintzenstern nur eine Antwort geben: „Den Ausländer, der bei euch wohnt, sollt ihr wie einen von euch behandeln und ihr sollt ihn lieben wie euch selbst.“ (3. Mose 19, 34). Und Jesus sagt dazu: „Ich war ein Fremder und ihr habt mich in euer Haus eingeladen.“

Der internationale Hauskreis „Jesus House Circle“ trifft sich jeden Sonntagabend um 18.30 Uhr im Evangelischen Gemeindehaus Münsingen.

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