Christliche Themen für jede Altersgruppe

Schöner wohnen in der Kirche

OFTERDINGEN (Dekanat Tübingen) – Das ist schon ganz schön bemerkenswert: Ein Tübinger Wissenschaftler-Ehepaar wohnt mit 40.000 Büchern zusammen und zwar in einer ehemaligen Kirche in Ofterdingen. Ein ungewönliches Paar an einem ungewöhnlichen Ort. 

Das Ehepaar Payer lebt in einer ehemaligen Kirche. (Foto: Kety Quadrino)

Als Alois Payer im Jahr 1982 zusammen mit seiner Frau in die Kirche zog, zerkleinerte er erstmal mit der Kettensäge die Sitzbänke. Daraus baute er dann hüfthohe Bücherregale. Sie unterteilen heute den 200 Quadratmeter großen Kirchenraum in Ess-, Arbeits-, Gäste- und Wohnzimmer.

Auf den Emporen richteten sie ihre Schlafzimmer ein, die Opferstöcke warfen sie auf den Sperrmüll und der Holzaltar kam in die Ecke. „Da ist jetzt die Bettwäsche drin“, erzählt Margarete Payer. Die Orgel hatte bereits einer der Vorbesitzer mitgenommen, das große schwere Kreuz nahm der Schmid wieder mit, der es gemacht hatte.

Immerhin, sogar zwei Toiletten fanden die neuen Besitzer bereits vor. Nicht gerade selbstverständlich bei Kirchen. Das ehemalige Damenklo für die Kirchenbesucher haben die Payers zum Bad umfunktioniert, das winzige Predigerzimmer in eine Küche und den komplett verglasten Garderobenbereich in ein Arbeitszimmer – mit Blick in den ehemaligen Kirchenraum und auf ihre 40.000 Bücher.

Das Ehepaar Payer ist ein ungewöhnliches Paar. Sie, 74 Jahre alt, Theologin und Diplom-Bibliothekarin, ehemals Professorin an der Stuttgarter Hochschule der Medien. Er, 72 Jahre alt, Indologe und Buddhismus-Kundler, unterrichtete als Lehrbeauftragter an der Universität in Tübingen und Zürich und stammt aus einer Schweizer Bildhauerfamilie.

Davon zeugen auch die Skulpturen an der Empore oberhalb des Altars, die einen Kreuzweg aufzeigen. Sie sind von Alois Payers Großvater. „So etwas kann man nicht in einer Wohnung aufhängen“, erklärt Margarete Payer die Vorteile einer Kirche und zeigt auch auf andere unzählige Skulpturen von Madonnen, Engeln und Heiligen.

Wo einst gebetet und gesungen wurde, leben nun christliche Symbole im Einklang mit buddhistischer Religionskunst, wie einer aus Holz gefertigten Maske eines Krankheitsdämons aus Sri Lanka oder einem tibetischen Rollbild. Alles sind Mitbringsel aus ihren unzähligen Reisen nach Indien, Bolivien, Indonesien, Australien, USA.

„Wir waren wie Hippies unterwegs“, meint Margarete Payer. 2001 etwa habe sie ein Entwicklungshilfeprojekt in Bolivien betreut, erzählt sie. Zurück nach Ofterdingen brachten sie nicht nur ihre Erlebnisse, sondern auch 940 Bücher. Danach mussten sie noch einen Lagerraum im Industriegebiet anmieten, dort haben sie derzeit rund 10.000 Bücher ausgelagert. Das Wissenschaftler-Ehepaar gründete sogar im Internet eine Bibliothek – die Tüpfli’s Global Village Library, benannt nach ihrer ersten Katze Tüpfli. Dort stellen sie endlos selbst verfasste Abhandlungen zu allen erdenklichen Themen frei zur Verfügung.

Seit über dreißig Jahren lebt das Ehepaar Payer nun schon in der ehemaligen neuapostolischen Kirche, einem schlichten Bau aus den Sechzigerjahren. „Man muss sich schon gut verstehen, wenn man in einer Großraumwohnung zusammenlebt“, sagen die Pensionäre, die bald goldene Hochzeit feiern.
Damals hatten sie eine Anzeige in der Zeitung gelesen: „Kirche im süd-württembergischen Raum zu verkaufen.“ Die Payers wohnten zu dem Zeitpunkt in einer 50 Quadratmeter großen Wohnung in Tübingen. „Wir hatten Probleme mit dem Gewicht der Bücher, die Statik hielt das nicht mehr aus“, erzählen sie. Für die Payers war die Kirche die Gelegenheit, für 250.000 D-Mark (heute 127.823 Euro) erwarben sie das Gotteshaus, das bereits sieben Jahre lang leer stand.

Die Kirche war mit ihren 350 Plätzen zu klein für die neuapostolische Gemeinde geworden, die woanders ein größeres Gotteshaus gebaut hat. Für die Bewohner im Ort waren sie anfangs „die Spinner aus Tübingen“. Heute sind sie aber gut integriert. Margarete Payer engagiert sich zum Beispiel auch in der Flüchtlingshilfe vor Ort.

Was sich allerdings schnell als etwas problematisch erwies, war das Heizen. Unterhalb der Empore gab es zwar eine Luftheizung, die Wärme jedoch stieg nach oben. So bauten sie an die Decke zwei Ventilatoren, die eigentlich für die Orchideen des Stuttgarter Zoos entwickelt wurden. Die drückten die Wärme wieder nach unten.

Die alten Kirchenfenster waren zwar schön bunt, aber auch recht zugig, sodass sie durch Fenster aus Milchglas erneuert wurden. Mit dem zusätzlichen Kachelofen ist es in der Winterzeit nun angenehm warm, freut sich die Pensionärin.

Allerdings mehr als 20 Grad Raumtemperatur seien nicht drin, sonst werde es zu teuer. „Wir ziehen uns warm an“, sagt sie. Außerdem wurden die großen Deckenleuchten mit den 500-Watt-Lampen abgehängt. „Die Beleuchtung ist seitdem ein Problem.“ Nur einige wenige Lichter und Leselampen versorgen sie abends mit der nötigen Helligkeit. Ob sie sich bereits nach einer größeren Kirche umschauen? „Der Kölner Dom wäre nicht schlecht“, sagt Margarete Payer. Aber der sei etwas ungemütlich.

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