Christliche Themen für jede Altersgruppe

Wenn die Rezepte nur im Kopf sind

LAICHINGEN (Dekanat Bad Urach) – Fünf Jahre leisteten Monika und Manfred Hiller in Uganda Hilfe zur Selbsthilfe. Im Januar reisten sie wieder in ihre zweite Heimat, weil sie wissen wollten, was aus den von ihnen angestoßenen Projekten geworden ist.  

Mit Backen verdienen viele Frauen jetzt ihr eigenes Geld. (Foto: privat)

Monika und Manfred Hiller erscheinen fast ein bisschen verloren im kalten Deutschland: Der Himmel ist grau, das Haus zu groß. Eigentlich besteht in der Heimatstadt Laichingen mit all den herzlichen Kontakten kein Grund zur Klage. Doch wenn die Eheleute von Uganda sprechen, dann spiegelt sich in ihren Augen ein ganz anderer Glanz. Denn die Friseurin und der Handwerker waren fünf Jahre lang im Dienst von Christliche Fachkräfte International und haben in der 30?000 Einwohnerstadt Luwero gelebt. 2015 sind sie zurückgekehrt aus Afrika, zu Jahresanfang haben sie Uganda wieder besucht. Auch um zu schauen, was aus den Projekten geworden ist, die sie dort angestoßen haben.

Monika Hiller, die in Laichingen 29 Jahre lang einen Friseursalon besessen hat, wurde in Luwero zu Bäckerin: Die vielen Backgruppen in Luwero, die sie in den fünf Jahren ins Leben gerufen hat, bestehen weiterhin. Viele Frauen wurden nach den Backkursen zu Kleinunternehmerinnen und verdienen jetzt eigenes Geld. Eine der Schülerinnen, so berichtet Monika Hiller, habe jetzt einen kleinen Laden, und dabei könne sie weder lesen noch schreiben. Alle Rezepte habe die Frau im Kopf. Schreiben wolle die 45-Jährige nicht mehr lernen, denn sie geniere sich, mit Kindern in die Schule zu gehen.

„Nach deutschen Vorstellungen kann in Afrika kein Geschäft geführt werden. Vieles läuft nach unserem Denken unvorstellbar, aber es läuft“, sagt Manfred Hiller und fügt hinzu: „Wir haben in dieser Zeit gelernt, toleranter zu sein.“ Über ihren Auftrag sagt Monika Hiller: „Wir wollten die Menschen nicht bekehren, sondern haben ihnen unseren christlichen Glauben vorgelebt. Die Backkurse habe ich immer mit Liedern und einem Gebet begonnen, darauf haben zum Schluss dann alle Wert gelegt.“

55 Backöfen hat Manfred Hiller (63) und ist eigentlich Glaser von Beruf, in fünf Jahren gebaut, sechs weitere entstanden nach seiner Rückkehr nach Deutschland. Bis heute werden sie gemeinschaftlich in den Ortschaften von den Bewohnern genutzt. Der damit verbundene Erfolg hat sich inzwischen so weit herumgesprochen, dass auch Menschen aus anderen Regionen nach Luwero kommen, um sich über das Back-Projekt der Hillers zu informieren.

Was Manfred Hiller besonders freut: Er hatte damals sein Werkzeug vor Ort gelassen, das jetzt einen weiteren Zweck erfüllt: „Damit konnten wir eine kleine Berufsschule ins Leben rufen, so dass jetzt sogar Schreiner ausgebildet werden.“

Monika Hiller hatte damals nach 29 Jahren Selbstständigkeit überlegt, was es noch anderes geben könne, als im Friseursalon zu stehen. „Das ist doch Gottes Wille, dass wir das beide wollten“, sagt sie heute, denn auch ihr Mann wollte nach vielen Berufsjahren noch ein neues, gemeinsames Projekt, das das Paar mit Zufriedenheit erfüllen sollte. „Uganda, das Land voller Gegensätze. Riesige Einkaufszentren in Kampala, selten Strom und häufig noch Wasser aus einem Bohrloch in ländlichen Regionen. Alles wird zu Fuß oder mit dem Fahrrad erledigt – jeder sollte einmal dort gewesen sein und sehen, wie Menschen heute noch leben.“

Noch ein weiteres Projekt der Hillers verhilft vielen Kindern zu besserer Bildung: „Fredmon“ haben sie es getauft. Dadurch werden kinderreiche Familien unterstützt. Allein in ihrer Heimatgemeinde Laichingen konnten die Hillers 36 Patenschaften vermitteln. Die Paten bezahlen das Schulgeld und die Unterbringung im Internat. Das kostet für ein Kind 17 Euro im Monat. „Übernachtet wird in Mehrbettzimmern, kein Tisch, kein Stuhl, aber Bastmatten. Dazu regelmäßiges Essen, Nachhilfe und soziale Betreuung. Wer einmal dort war, will nicht mehr in die familiäre Unterkunft zurück.“ In den Ferien, so berichten die Hillers weiter, bestünde jetzt sogar die Möglichkeit, Waisenkinder in einem angemieteten Haus zu betreuen, damit diese auch während der Ferien eine Unterkunft haben.

Ein neu entwickeltes Projekt ist jetzt die Schulung von Lehrkräften. Mit Spenden und eigenem Geld hat das Ehepaar sechs Computer gekauft, an denen zukünftig Lehrer ausgebildet werden. Für diese Schulungen zahlen die Lehrkräfte eine Gebühr, die dann wiederum in die Kasse von Fredmon fließt. Wichtig hierfür ist eine Vertrauensperson vor Ort, mit denen Hillers nach wie vor beinahe täglich per E-Mail im Kontakt stehen.


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