Christliche Themen für jede Altersgruppe

Wie die Martinsgemeinde in Mittelstadt lebendig bleibt

Jede Gemeinde ist anders: Es gibt andere Menschen, Geschichten und Wünsche. Doch es gibt Dinge, die lebendige Gemeinden gemeinsam haben. LUTHERs hat Gemeinden in Württemberg nach ihren Rezepten für lebendiges Miteinander befragt. Diesmal berichtet Richard Föll, Kirchengemeinderat der Martinsgemeinde in Mittelstadt bei Reutlingen.

Bild: privat

Wie schafft man es, eine lebendige Gemeinde aufzubauen?

Meine Familie und ich leben seit 16 Jahren in einer Gemeinde, in der das immer wieder gelingt. Es ist die Martinsgemeinde in Reutlingen-Mittelstadt. Unsere evangelische Kirchengemeinde gehört zum Kirchenbezirk Bad Urach der Evangelischen Landeskirche Württembergs. Hier wird alles Wichtige gemeinsam entschieden. Und das ist auch gleich REZEPT NUMMER EINS für ein lebendiges Gemeinwesen: Bei uns wird alles Wichtige vor Ort miteinander besprochen. Natürlich ist es bei uns so wie bei jeder anderen Gemeinde auch: Es gibt nicht nur aktive, sondern auch passive Mitglieder. Was ich aber hier in unserem kleinen Mittelstadt so schätze, ist gleich REZEPT NUMMER ZWEI: Wir binden viele Mitglieder ein und sprechen dazu auch Menschen aktiv an. Die Martinsgemeinde ist eine besonders lebendige Gemeinschaft von Christen.

Gemeinsame Arbeit verbindet

Ein schönes Beispiel für den Zusammenhalt in unserer Gemeinde bietet das 100-jährige Jubiläum der Martinskirche, das wir im vergangenen Jahr zum 1. Advent feiern konnten. Einer unserer Wünsche für dieses Jubiläum war, unsere Kirche zu renovieren. Das musste zwangsläufig mit viel Eigenleistung der Gemeindemitglieder geschehen. Denn mehr als 60 Prozent der Renovierungskosten muss unsere Gemeinde aufbringen. Das führt uns zu REZEPT NUMMER DREI: Setzt euch ein gemeinsames Ziel! Dieses Ziel lautet für uns in der Gemeinde: Unsere schöne Kirche soll zum Jubiläum endlich wieder in altem Glanz erstrahlen! Also haben die Menschen aus der Gemeinde  hier mutig ihre Fantasie spielen lassen und sind auf ein paar ganz unkonventionelle Methoden gekommen, wie man Geld für die Renovierung zusammenbringen kann: Viel wurde durch ziemlich schräge Veranstaltungen eingebracht – und viel Arbeit in Eigenleistung gemacht. Das führt uns gleich zu REZEPT NUMMER VIER, das lautet: Denkt doch einfach mal miteinander unkonventionell und lasst alte Vorstellungen hinter euch! Denn die leere Kirche spornte unseren Ideenreichtum an. Nachdem alles ausgeräumt war, wurde kurzerhand ein Rockkonzert veranstaltet, das viel Anklang bei den jungen Gemeinde-Mitgliedern fand. Im Anschluss daran haben wir den so genannten „Kirchenkick“ organisiert, eine Art Riesen-Tischfußball mit Jugendlichen. Das hat unsere Gemeindemitglieder die Kirche einmal ganz anders als üblich erleben lassen.
Und das bringt uns auch als nächstes zu REZEPT NUMMER FÜNF: Lasst doch bitte mal die Jugend ran und ihre eigenen Ideen verwirklichen – es bringt für alle Gemeindemitglieder neue Blickwinkel und mehr Spontanität.

Fachleute und Laien – Hand in Hand

Bei der Renovierungsarbeit wurde alles, was Nicht-Fachleute leisten können, von unseren Gemeindegliedern  mit Freude gemacht. Für uns alle war es ein tolles Erlebnis, gemeinsam Schulter an Schulter an unserer Kirche und für unsere Kirche zu arbeiten. Spannend war das Zusammenspiel von Fachleuten und Helfern, die handwerklich nur wenige Vorkenntnisse hatten. Das wiederum macht das REZEPT NUMMER SECHS: Egal was einer kann oder hat – jeder ist bei uns herzlich willkommen!  Da arbeitet der Landwirt Seite an Seite neben dem Bankmanager: Alles kein Problem. Unsere Kirche wurde für die Renovierung komplett ausgeräumt – alle Kirchenbänke mussten demontiert, herausgetragen und gelagert werden. Eine echte Knochenarbeit. Das bringt uns gleich dem REZEPT NUMMER SIEBEN nahe: Wer Seite an Seite schuftet, lernt sich besonders gut kennen und achten!

Natürlich darf man bei diesen ganzen Arbeiten auch das Feiern nicht vergessen. Um den Umbau zu finanzieren und die Gemeindearbeit zu unterstützen, stellen die Gemeindemitglieder hier allerhand auf die Beine. Jedes Jahr feiern wir ein Kirchplatzfest mit Bewirtung; zudem haben wir einen Sponsorenlauf organisiert. Im November feierten wir unser Gemeindefest in der Festhalle mit großem Maultaschenessen, bei dem an einem einzigen Tag über 3 500  frisch gemachte Maultaschen verkauft wurden. Auch einen Zauberabend und noch viele weitere Aktionen haben Freiwillige aus der Gemeinde organisiert.

Zu Jahresbeginn nun gab es ein Mitarbeiterfest für alle Helfer und ehrenamtlich Tätigen mit einem Essen und einem bunten Abend. Das sollte ein kleines Dankeschön für die Hilfe im Jahr 2012 sein. Und ein Zeichen an die engagierten Gemeindemitglieder: Ihr habt es verdient.

Fazit: Lebendige Gemeinde lohnt!

Wir haben seit eineinhalb Jahren eine neue Pfarrerin, Gerlinde Henrichsmeyer, mit der der Kirchengemeinderat sehr gut zusammenarbeitet. Was ich ebenfalls schön finde: Hier in der Martinsgemeinde findet sich ein modern denkender Kirchengemeinderat, der viel Wert auf die Nachwuchsarbeit legt. In der Martinsgemeinde wird eine tolle Jugendarbeit geleistet mit engagierten Verantwortlichen, die sich in jeder Altersstufe intensiv dafür einsetzen, dass der Nachwuchs gefördert und begleitet wird. Die Gemeinde kümmert sich auch darum, dass die Konfirmanden nicht verloren gehen. Man spürt in der Martinsgemeinde einfach: Hier wächst etwas nach. Wir sind keine aussterbende Gemeinde – und das ist für uns alle eine beruhigende Erkenntnis – und für eine lebendige Gemeinschaft wichtig.

Kurzum: Wir als Familie fühlen uns in unserem Ort  Mittelstadt und unserer evangelischen Kirchengemeinde rundum integriert. Seit einigen Jahren engagiere ich mich deshalb selbst im Kirchengemeinderat und bin mittlerweile sogar Vorsitzender geworden. Weil es mir in meinem Leben immer gut ging, möchte ich gerne etwas zurückgeben durch dieses soziale Engagement. Und das macht mir sehr viel Freude.

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