Christliche Themen für jede Altersgruppe

Da wo die Menschen sind

BAD WIMPFEN (Dekanat Heilbronn) – Der Weihnachtsmarkt in Bad Wimpfen ist ein Publikumsrenner. Menschen aus ganz Deutschland und Europa kommen dort hin. Seit sieben Jahren beteilgt sich auch die Kirchengemeinde und bietet denen, die ein wenig Ruhe suchen, eine geistliche Auszeit. Eine Adventsinsel inmitten des Trubels, mit ganz erstaunlichen Begegnungen.


Wie aus dem Bilderbuch: Zu Tausenden kommen Besucher zum Weihnachtsmarkt in die Fachwerkstadt am Neckar. (Foto: Andreas Veigel)

Es schiebt und es drängelt. Dicht an dicht stehen die Menschen in den schmalen Gassen. Haben kaum Platz, ihre Glühweintasse zum Mund zu führen. Reisebusse spucken immer neue Besuchergruppen aus. Zu keiner anderen Zeit im Jahr ist die Altstadt von Bad Wimpfen am Neckar so voll wie an den ersten drei Adventswochenenden. Dann ist Weihnachtsmarkt und fast jeder Platz und jeder Winkel mit Menschen und Marktständen gefüllt.

Bis vor ein paar Jahren war auch in der evangelischen Stadtkirche richtig etwas los. Besuchergruppe um Besuchergruppe wurde durchgeschleust, ihre Besichtigung gehörte zum Standardprogramm einer jeden Führung über den in ganz Deutschland und seinen Nachbarländern bekannten Weihnachtsmarkt. Nur die, die darin Ruhe finden wollten, ein paar Minuten der stillen Einkehr suchten, hatten das Nachsehen: Bad Wimpfens großes Gotteshaus hatte jenseits des touristischen Angebots geschlossen.

Seit 2005 ist das anders. Pfarrerin Heidi Buch und ihre Gemeinde haben eine Idee entwickelt: Die Menschen, die draußen zu Tausenden Weihnachtsstimmung und Budenzauber erleben, sollten die Möglichkeit haben, die andere Seite des Advents kennenzulernen. Die stille und besinnliche, die von der frohen Botschaft und der Ankunft Jesu Christi erzählt.

Dazu musste man das Gebäude zunächst einmal ganztägig aufschließen. Sobald der Weihnachtsmarkt öffnete, ging auch die Kirchentür auf. Nun durften all die Platz nehmen, die dem großen Trubel vor der Kirche für ein paar Augenblicke entfliehen wollten. Die ein wenig für sich sein wollten und staunend die große Hallenkirche entdecken.

Warum gibt es hier so viele Marienbilder und wie alt mag wohl die Orgel sein? Susanne Blach gehört zu denen, die solche Fragen beantworten. Sie ist Mitglied der Kirchengemeinde und des Teams „Offene Kirche“, das von Frühjahr bis Herbst dafür sorgt, dass die Kirche nicht verschlossen ist. Jeden Samstag und Sonntag während des Weihnachtsmarkts gibt sie mit ihren Kollegen kurze Kirchenführungen. „Kommen Sie näher.“ Es ist ein freies Angebot für Einzelgäste. Keiner muss sich anmelden oder abmelden. Nur große Reisegruppen sieht man nicht mehr: Geführte Altstadttouren enden heute draußen, mit dem Hinweis, dass jeder gerne für sich in die Kirche gehen darf.

An die kurze Kirchenführung schließen sich Adventsgeschichten an. Pünktlich um 15.30 Uhr nimmt Pfarrerin Heidi Buch mit zwei Konfirmandinnen vor einem Seitenaltar Platz. Jede liest stimmungsvolle Episoden wie jene von dem Jungen, der mit einem Fernrohr den Weihnachtsstern entdeckt.

Die Konfirmanden können auf dem Weihnachtsmarkt ihr Gemeindepraktikum machen, am Programm teilnehmen oder zwei Stunden lang die Aufsicht übernehmen. Dann kommt es nicht selten vor, dass Besucher sie mit Fragen löchern: Wie alt ist diese Kirche und ist sie eigentlich evangelisch oder katholisch? Es sind oft Schweizer, die so fragen. Zu Hunderten kommen sie nach Bad Wimpfen, genießen die romantische Atmosphäre und die günstigen Einkaufsmöglichkeiten. Ihre reformierten Kirchen sind spartanisch ausgestattet verglichen mit der barocken Pracht in Bad Wimpfen, die ihnen ausgesprochen katholisch vorkommt. „Das gibt manchmal interessante Gespräche“, sagt Pfarrerin Heidi Buch.

Mit ihrem Kollegen Andreas Wißmann ist sie Seelsorgerin einer 2700 Mitglieder großen Gemeinde, die einige Besonderheiten hat. So war Bad Wimpfen 150 Jahre lang hessisch und wurde erst 1952 Baden-Württemberg zugeschlagen. Das galt jedoch nicht für die Kirchengemeinde, die bis 1968 Teil von Hessen-Nassau blieb. Die katholische Gemeinde gehört bis heute zum Bistum Mainz und nicht zur Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Dass die große Stadtkirche ein wenig katholisch wirkt, liegt in ihrer Geschichte begründet. Erbaut als Marienkirche, blieb sie nach der Reformation vom Bildersturm verschont, weil der Magistrat das nicht zerstören wollte, was er zuvor gestiftet hatte. Man hatte Geld, wenigstens bis zum Dreißigjährigen Krieg: Bad Wimpfens pittoreske Altstadt ist das Ergebnis seiner großen Geschichte als staufische Kaiserpfalz und der anschließenden Prosperität als Freie Reichsstadt.

Der Blaue Turm leuchtet im Abendlicht. Wie ein Weihnachtsbaum ist er dekoriert. Es gehört zu den schönsten Momenten, wenn von der Spitze die Turmbläser einen Choral anstimmen.

Musik erklingt auch in der Stadtkirche. Aus voller Kehle, wenn dort der Gemischte Chor singt. Und etwas dezenter, wenn die Kirchenmusiker spielen. Nach den Adventsgeschichten laden Pfarrerin Heidi Buch, Christiane Wolpert und Renate Lüdeking-Schreiber zur Adventsmusik ein. Um 17 Uhr bietet Pfarrer Andreas Wißmann eine Andacht an. Er spielt Gitarre, Christiane Wolpert begleitet ihn auf der Geige,  zwei Konfirmanden sind auch dabei.

Ein paar Besucher lauschen andächtig der Musik, andere bleiben weiter weg stehen. Es ist ein leises Kommen und Gehen, niemand muss erklären, warum er geht oder bleibt. Eine junge Frau schlägt ein Kreuz und geht wieder nach draußen. Ein älterer Herr steht in der Raummitte und sagt, dass er schon 60 Jahre im nahegelegenen  Heilbronn wohnt, aber noch niemals in der Kirche drin war: „Ich freue mich, dass sie offen ist“, sagt er.


Information
Auch an diesem letzten Weihnachtsmarktwochenende in Bad Wimpfen gibt es  ein kirchliches Programm: Es beginnt am 14. und 15. Dezember  um 15 Uhr mit einer Kirchenführung. Ab 15.30 Uhr werden Adventsgeschichten gelesen, sonntags unter Mitwirkung der Konfirmanden. Um 17 Uhr ist jeweils Andacht.

Die Kirche ist an beiden Tagen ganztägig geöffnet.

Telefon 07063-313

Internet: www.kirche-badwimpfen.de
www.weihnachtsmarkt-badwimpfen.de.

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