Christliche Themen für jede Altersgruppe

Debatte um Kinderfasching

KLEINSACHSENHEIM (Dekanat Vaihingen/Enz) – Das hat die Gemüter erhitzt: Der Kirchengemeinderat von Kleinsachsenheim hat beschlossen, im evangelischen Kindergarten nicht Fasching zu feiern. Inzwischen sind alle wieder darum bemüht, die Wogen zu glätten – inklusive der örtlichen Narrenzunft, die einen durch und durch protestantischen Hintergrund hat.


Fasching im Kindergarten ja oder nein? Das ist hier die Frage (Foto: fotolia)

Die Leiterinnen der beiden evangelischen Kindergärten in Kleinsachsenheim wollten es endlich geklärt wissen: Dürfen sie nun mit den Kindern Fasching feiern oder dürfen sie es nicht? Im Sommer 2013 fasste der Kirchengemeinderat einen Beschluss und der lautete: Nein, in den evangelischen Kindergärten der Gemeinde soll es keine eigene Fasnetsveranstaltung geben.

Soweit, so gut. Doch knapp ein halbes Jahr später geriet das Thema in die lokalen Medien und Kleinsachsenheim in die Schlagzeilen. Es waren vor allem die Begriffe „heidnisch“ und „nicht christlich“, die dabei für Zündstoff und Irritationen bei der Narrenzunft im benachbarten Großsachsenheim sorgten: Die hat nämlich ausgerechnet einen protestantischen Hintergrund und die Tradition der „Urzeln“ aus ihrer siebenbürgischen Heimat mit nach Württemberg gebracht.

„Wir sind mit Sicherheit nicht heidnisch, das weisen wir zurück“, sagt der Vereinsvorsitzende Thomas Lutsch. Lutsch ist evangelisch, so wie viele Mitglieder seiner Narrenzunft, die 1965 von Siebenbürgern gegründet wurde. In Großsachsenheim ist sie im gesellschaftlichen Leben genauso verwurzelt wie im kirchlichen: Wenn 2015 das 50-jährige Bestehen gefeiert wird, dann mit einem evangelischen Festgottesdienst.

Seit Jahren ist es in Großsachsenheim Usus, dass die Karnevalisten am Urzelntag auch dem evangelischen Pfarrer Dieter Hofmann ihre Aufwartung machen. Für den ist das Narrentreiben in Großsachsenheim ein Stück Alltagsleben, „gelebtes Brauchtum, das verantwortungsvoll gepflegt wird“. Und das gilt ganz selbstverständlich auch für den Besuch in den evangelischen Kindergärten des Ortes: Dort tauchen die Urzeln seit vielen Jahren auf, „ohne Masken, Schellen und andere Dinge, die Angst machen“, wie Zunftmeister Thomas Lutsch betont. Soll das nun plötzlich falsch sein?

Das Bemerkenswerte an dem Faschingsstreit im Kirchenbezirk Vaihingen ist, dass die Urzeln überhaupt niemals dort waren, wo nun per Beschluss den Faschingsfeiern eine Absage erteilt wurde: im Kindergarten in Kleinsachsenheim. Eher scheint die Narrenzunft des Nachbarorts über die Medienberichte zwischen die Fronten eines Themas geraten zu sein, das in regelmäßigen Abständen immer wieder einmal die Gemüter erhitzt: Kommt Fasching feiern nun für evangelische Christen in Frage oder nicht?

Je nach Standpunkt und Glaubenstradition kommen Protestanten dabei zu unterschiedlichen Ergebnissen. So ist für die einen Fasnet etwas Unchristliches, Vorchristliches, Heidnisches, im besten Falle noch Katholisches. Während die anderen der Meinung sind, der Fasching sei bei all seinen heidnischen Wurzeln doch längst auch mit christlichen Inhalten gefüllt und im Sinne einer guten Ökumene auch nicht mit der Begründung abzulehnen, dass er vornehmlich in katholischen Regionen gefeiert werde.

Pfarrer Friedemann Wenzke und der Kirchengemeinderat in Kleinsachsenheim kamen zu der ersten Überzeugung. „Nicht alles ist da christlich“, sagt Wenzke. Er möchte das Fasching- feiern niemandem verbieten, will es aber auch nicht mit einer eigenen Veranstaltung im Kindergarten fördern. In der Gemeinde gebe es überdies schon einen Ball des Sportvereins, das genüge.

Mit dieser Haltung sind die Kleinsachsenheimer keineswegs alleine. Auch im benachbarten Hohenhaslach gibt es keine Faschingsfeiern im evangelischen Kindergarten. Für Pfarrer Michael Wanner hat die schwäbisch-alemannische Fasnet einen heidnisch-okkulten Hintergrund, und „das müssen wir im Kindergarten nicht vermitteln“. Andere evangelische Kindergärten schließen einfach über die närrischen Tage und umschiffen damit das Problem auf ihre Art.

Der Vaihinger Dekan Reiner Zeyher will denn auch seinen Kirchengemeinden keine Vorschriften machen, was das Faschingfeiern angeht. „Als Dekan halte ich mich da heraus, das ist Sache der jeweiligen Gemeinde.“ Seine persönliche Meinung ist jedoch recht eindeutig: „Für mich gibt es diesen Gegensatz heidnisch-christlich nicht.“ Einen Grund, sich abzugrenzen sieht er jedenfalls nicht: „Wir nehmen doch viele Traditionen auf und füllen sie neu aus.“ Fasching sei jedenfalls längst kein dunkles Heidentum mehr. Und was den Kindergarten angeht, „so kann meiner Meinung nach eine Faschingstradition durchaus Teil eines pädagogischen Konzeptes sein“.

Am Ende gehen die Meinungen beim Faschingsthema wieder einmal auseinander. Über die Eskalation des Streites sind allerdings alle gleichermaßen unglücklich: Inzwischen haben sich Vertreter der Urzeln-Narrenzunft, die, von den Medien angesprochen, zunächst sehr empfindlich reagiert hatten, mit den Pfarrern der Nachbargemeinden getroffen. Die wiederum versicherten, dass man niemals die Urzeln aus Großsachsenheim im Blick gehabt hätte, als der Beschluss gefallen sei.

Für die Kindergärten der betroffenen Gemeinden wird sich ohnehin nur wenig ändern: Dort wo die Urzeln waren, werden sie auch weiterhin hingehen. Und dort, wo der Kirchengemeinderat sich nun ausdrücklich gegen den Fasching ausgesprochen hat, waren sie noch nie zu Gast.

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