Christliche Themen für jede Altersgruppe

Die jungen Pfarrer vom Lande

CREGLINGEN (Dekanat Weikersheim) – Vier Pfarrerinnen und Pfarrer gibt es in den Dörfern des Distrikts Creglingen im Taubertal. Das Besondere an ihnen: Sie sind im Schnitt gerade einmal 32 Jahre alt. Am Landleben schätzen sie die Nähe zu den Menschen und die Gestaltungsmöglichkeiten.


Junges Pfarrquartett aus dem Taubertal - SImone Mielke, Anne Brehm-Haas, Matthias Haas und Tilman Staak (Foto: Peter Keßler)

Der Kirchenbezirk Weikersheim ist die nördlichste Region Württembergs. Hier treffen Taubertal und Hohenlohe zusammen sowie Baden, Württemberg und Bayern. Direkt an der Grenze zu Bayern liegt der Dis-trikt Creglingen. Viereinhalb Pfarrstellen gibt es hier für elf Kirchengemeinden mit zusammen rund 3500 Gemeindemitgliedern in knapp 20 Ortschaften.

Fünf Pfarrer tun dort derzeit Dienst, zwei davon teilen sich eine Stelle. Die meisten Erfahrungen in der Gemeindearbeit hat Thomas Burk. Auch er hat außer der zentralen Stadt Creglingen mit ihrem Schulzentrum noch fünf kleine Dörfer zu betreuen. Rund herum liegen die vier anderen Pfarrämter in Reinsbronn mit den Seelsorgern Anne Brehm-Haas und Matthias Haas, Freudenbach mit Simone Mielke und Finsterlohr mit Tilman Staak. 

Ungewöhnlich ist der Altersdurchschnitt der vier Letztgenannten: Bei den Pfarrern der Dörfer sind es gerade einmal 32 Jahre. Immer wieder mal hat der Oberkirchenrat unständige Pfarrerinnen und Pfarrer in den Creglinger Bereich entsandt – mit gutem Erfolg: Die meisten sind dann dort geblieben und ständig geworden. Sie spüren schnell, dass man sie und ihre Arbeit schätzt. „Der Respekt vor dem Pfarrer ist noch ganz arg da“, stellt Anne Brehm-Haas fest. 

Die Kirche sei für die Leute mitten im Dorf, das spüre man als Seelsorger und über das Gespräch in der Nachbarschaft komme man auch zum Reden über den Glauben. Sie mag es, dass die Menschen „ein Stück weit aufeinander aufpassen“.

Dabei haben sich die Erwartungen an die Pfarrer verändert. „Dass auf dem Dorf alles eingefahren ist, stimmt nicht“, so Simone Mielke. Ein Pfarrer müsse nicht alles können und nicht alles selber machen. Auch Tilman Staak hat das gleich gespürt. „Hier ist mehr Engagement und Ehrenamt als in Stuttgart.“ 


Alle vier jungen Theologen sind sich mit ihren Kirchengemeinderäten darin einig, dass ein Pfarrer vor allem die Kernaufgaben zu erledigen habe: Seelsorge und Gottesdienst, Unterricht und Begleitung der Mitarbeiter. Die Organisation von Festen könne man getrost den Ehrenamtlichen überlassen.

Jeder hat dabei seinen eigen Hintergrund mitgebracht. Die Frage nach der Wahrheit, so Simone Mielke, sei bei ihr durch den Religionsunterricht angestoßen worden, in der Jugendarbeit hat sie Spaß an der Arbeit mit jungen Menschen gefunden. Tilman Staak war es wichtig, in seinem Tun Glauben und Beruf zu verbinden. Anne Brehm-Haas trat in die Fußstapfen ihres Großvaters, der selbst Pfarrer war. 

Die Herausforderungen der Zukunft werden allerdings auch auf dem Land spürbar. „Die Zeit der Einzelkämpfer ist vorbei“, betont Matthias Haas und, sagt Anne Brehm-Haas, „wenn wir nicht im Team arbeiten, überleben wir nicht“. Der Dienst ist gegenwärtig geprägt durch unbesetzte Stellen und die Sparzwänge des Pfarrplans. Viel Koordination sei da gefragt, meint Simone Mielke. 

Neue Strukturen müssten geschaffen werden und die Gemeinden müssten lernen, „über die Grenzen des eigenen Kirchturms hinauszukommen“. Dann „ist der Pfarrdienst hier auf dem Land nicht nur machbar, sondern attraktiv“. Der neue Pfarrplan sei eine „Chance, die Zukunft zu gestalten“ – gemeinsam mit den Gemeinden und den Kollegen. Verbundkirchengemeinden seien da eine gute Möglichkeit.

Gut, wenn man als junger Pfarrer da auf Erfahrungen erfahrener Kollegen zurückgreifen kann. „Wer fragt, kriegt eine Antwort und Tipps dazu“, versichert Thomas Burk. Begegnungen auf Augenhöhe seien angesagt – und die jungen Kollegen bestätigen, dass die bei ihren monatlichen Besprechungen stattfinden. 

Wenn der Creglinger Pfarrer im September seine Stelle wechselt, werden die vier jungen Seelsorger ohne ihn daran weiterarbeiten müssen. „Der Wille zur Gestaltung ist da“, freut sich Simone Mielke. „Gemeinsam wollen wir bestimmen, wohin unser Weg gehen soll.“¦Junges Pfarrquartett aus dem Taubertal (von links): 
Simone Mielke, Anne Brehm-Haas, Matthias Haas und Tilman Staak. 

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