Christliche Themen für jede Altersgruppe

Elfenbein und Tropenhelm

Das Sandelsche Museum in Kirchberg an der Jagst zeigt eine Kamerun-Ausstellung. Das kommt nicht von Ungefähr: Denn viele Menschen in der Umgebung hatten direkte Bezüge zu der ehemaligen deutschen Kolonie in Afrika. 


Bild: Ein Königsthron aus Kamerun. (Foto: Ute Schäfer)

Im Ersten Weltkrieg geriet er zwischen die Fronten und kam 1915 in englische Kriegsgefangenschaft. Nach dem Krieg zog er sich auf sein Schloss in Hornberg zurück. Das liegt gegenüber von Kirchberg auf der anderen Seite der Jagst. „Als die Amerikaner am Ende des Zweiten Weltkriegs an Hornberg vorbei nach Kirchberg marschierten, rief er die Menschen an und sagte ihnen, sie sollten weiße Fahnen raushängen. Das vergessen ihm die Kirchberger nicht“, erzählt Grete Gonser, die ehrenamtliche Museumsleiterin.

Als von Crailsheim 1955 starb und seine Witwe Hornberg verließ, stiftete sie einen Teil seiner Sammlung – darunter viele Stücke aus Afrika. Sie bilden heute einen der Grundstöcke des Sandelschen Museums und der Ausstellung „Unser Kamerun“, die vom Elfenbein bis zum Tropenhelm zahlreiche Exponate aus der deutschen Kolonialzeit zeigt.

„Aber die schönsten Teile stammen doch von meinem Onkel Ludwig“, sagt  Grete Gonser, genauer gesagt von ihrem Großonkel. Denn auch Ludwig Hoffmann (1878 – 1963), geboren in Leukershausen im damaligen Oberamt Crailsheim, lebte eine Zeit lang in Kamerun. Der Pfarrerssohn machte um die Jahrhundertwende eine Ausbildung zum Kaufmann.

Dem Heiland dienen

Hoffmann war fromm und wollte „seinem Heiland dienen“. Ihn zog es, wie viele Verwandte, in die Mission. Er ging zur „Basler Mission“. Dort bildete er sich zum Missionskaufmann weiter. 1905 wurde er nach Kamerun geschickt. „Aussuchen konnte man sich das nicht“, weiß Grete Gonser. Auch bei einer Heirat musste das Missionswerk um Erlaubnis gebeten werden. Es gab „Missionsbräute“, die ebenfalls ausgesendet wurden.

Hoffmann selbst allerdings heiratete nie. In Kamerun arbeitete er in der Missionshandlung, schrieb eine Unmenge an Postkarten, von denen viele noch vorhanden sind, und sammelte afrikanische Kunst- und Gebrauchsgegenstände. Den Thron eines Stammeskönigs, zum Beispiel, einen Elefantenzahn oder fremdartige Masken und Musikinstrumente.

Schwache Gesundheit

„Er war in Kamerun ein ganz angesehener Mann“, sagt Grete Gonser. „Die vielen  Postkarten und Fotos beweisen das.“ Doch seine Gesundheit war schwach, war es wohl immer schon gewesen. Nach fünf Jahren im tropischen Klima war Hoffmann am Ende. „Er schreibt von Chinin, das er nehmen muss. Er wird also Fieberanfälle gehabt haben.“

Hoffmann kehrte zur Erholung nach Deutschland zurück und schnell war klar: Er wird nicht wieder ins Ausland geschickt werden können. „Für ihn war das sicher schlimm. Die Zeit in Kamerun war seine Hoch-Zeit“, vermutet Gonser. Hoffmann arbeitete in verschiedenen sozialen Einrichtungen, doch seine Konstitution blieb schwach. „Ich erinnere mich an ihn als einen stillen Mann“, sagt seine Großnichte. „Dabei hätte er sicher viel erzählen können.“ Hoffmann starb 1963 in einem Altersheim in Leonberg.

Noch einem weiteren Kamerun-Veteranen ist die Ausstellung  gewidmet: Kurt Strümpell (1872 – 947), der wie der Freiherr von Crailsheim „Resident“ in Adamaua und oberster Befehlshaber war. Nach dem Ersten Weltkrieg lebte er in Berlin, ab 1945 auf Einladung von Crailsheims mit Frau, Kind und Enkel in Hornberg. Dort ist er auch gestorben und begraben.

Im Gegensatz zu seinem Freund von Crailsheim sammelte und erforschte er die afrikanische Kultur systematisch. Er interessierte sich für die verschiedenen Völker und lernte ihre Sprachen. Seine Sammlung findet sich heute unter anderem im Lindenmuseum in Stuttgart sowie im Völkerkundemuseum in Berlin. Sehr spät wurde ihr bewusst, welche Bedeutung Strümpell hat: „Erst im Zuge der Ausstellung haben wir erkannt, was für ein bedeutender Mann in Hornberg auf dem Friedhof liegt.“

Die Ausstellung „Unser Kamerun“ ist bis 22. September im Sandelschen Museum in Kirchberg/Jagst zu sehen. Öffnungszeiten: Sonn- und feiertags 14 bis 17 Uhr, Führungen auch für Schulklassen nach Vereinbarung, Telefon 07954-352

Luthers-Familienzeit

Jetzt Online-Magazin testen.

THEMA - Die Bergpredigt

Ausgabe 3/2017

Evangelisches Gemeindeblatt

Aktuelle Ausgabe 34/2017

Meinungsumfrage

Meinungsumfrage

Soll man an Weihnachten aufs Schenken verzichten?
Ja.
Nein
Ich bin unentschieden.