Christliche Themen für jede Altersgruppe

Figuren aus der Schattenwelt

SCHWÄBISCH GMÜND – Ruhig und meditativ ist die Stimmung, die Rainer Reusch mit seinen zum Teil farbigen Schattenfiguren und den in Sand gemalten biblischen Szenen erzeugt. Mit viel Geschick projiziert er Stimmungen auf eine Leinwand. Seine aktuellen Aufführungen beschäftigen sich mit „Starken Frauen“.  Zu Besuch bei einer Probeaufführung. 

Heide und Rainer  Reusch präsentieren die Geschichte von Abigail. Die Schatten­figuren sind aus transparenter Folie angefertigt. (Foto: Sigrid Bauer)

Mit wenigen Handbewegungen und Fingerstrichen lässt Rainer Reusch  Abrahams Frau Sara aus einer dünnen Schicht Sand auf Glas entstehen. Mit einer Papiertülle, aus der Sand rieselt, zeichnet er ihre Gesichtslinien. Innerhalb weniger Minuten hat er eine schöne, selbstbewusste Frauengestalt geschaffen. Das Bild wird auf eine Leinwand geworfen. Die Zuschauer der Probeaufführung in der Versöhnungskirche von Unterbettringen beobachten ihn dabei gebannt und tauchen ein in die „zu Herzen gehende Ruhe und Stille“, wie es einer der Zuschauer später beschreibt.

„Starke Frauen“ ist das Thema, das den pensionierten Lehrer seit vielen Jahren beschäftigt und das jetzt der Leitgedanke für drei biblische Erzählungen ist. Während die Bibel Männergestalten wie Abraham oder David hervorhebt und die Frauen an ihrer Seite Nebenrollen spielen, will Reusch biblische Frauen in Szene setzen und zwar in einer einmaligen Kombination von Schattentheater und Sandmalerei.

Während die warme Stimme von Schauspielerin Gerburg Maria Müller die Geschichte aus der Sicht Saras erzählt, „malt“ Reusch mit ruhiger Hand die passende Landschaft und erweckt die Schattenfiguren, die auf einer zweiten Glasfläche über dem Sandbild schweben, zum Leben. Als „zart und ausdrucksvoll“ beschreibt eine Frau die Figuren.

Manchmal wünscht sich der Zuschauer, er hätte mehr Zeit, die wundervollen Sandbilder und  detailliert gestalteten Figuren zu bestaunen. Doch die angenehmen Erzählstimmen – die männliche gehört  Alfred Peter Wolf – kommen vom Band und treiben die Szenen voran.

„Das Buch Ruth“, ebenfalls aus dem Alten Testament, erzählt von Ruth aus dem Stamm der Moabiter, die ihre Schwiegermutter Noomi zurück in deren Heimat Bethlehem begleitet, obwohl sie selbst dort fremd ist und sie Armut erwartet. Doch Gott steht ihr bei und beschert ihr ein gutes Schicksal an der Seite eines reichen, herzlichen Mannes. Bei der Umsetzung dieser Szenen gestaltet Reusch die Hintergrundlandschaften mit farbigem Transparentpapier, die eine wunderbare, orientalische Stimmung schaffen. Jede Szene wirkt als eigenes Kunstwerk, das durch sparsam eingesetzte farbige Beleuchtung von unten noch an Tiefe gewinnt.

In der Geschichte von Abigail, die durch ihr weises Verhalten gegenüber dem späteren König David viel Blutvergießen verhindert, kommt wieder die Sandtechnik zum Einsatz. Die Schattenfiguren hat Reusch aus transparenter Folie geschnitten und mit durchscheinenden Farben bemalt. Wie alle Frauengestalten versieht er auch Abigail mit einer eindeutig fraulichen Figur. Sie wirkt emanzipiert und stark.

Die Zuschauer staunen. Am Ende der Aufführung brauchen sie eine Weile, um aus dieser poesievollen Stimmung in die Realität zurückzufinden „Faszinierend“, „ein wunderbares Ganzes“, „eine gelungene Verbindung von Schattentheater und Sandmalerei, von Musik und Text zu einem Gesamtwerk“ sind spontane Äußerungen. Vielleicht sind die drei Geschichten auch deshalb so anrührend, weil sich die weiblichen Zuschauer mit bestimmten Charakterzügen der Hauptfiguren identifizieren, sie bewundern und auch gern so auftreten würden. Und vielleicht träumt ja der ein oder andere Mann von so einer starken Frau an seiner Seite.

Die „starken Frauen“ an Reuschs Seite sind weitgehend unsichtbar und tragen doch wesentlich zum Gelingen des Stückes bei. Seine Tochter Katrin hat den Text verfasst und führte Regie. Seine Frau Heide macht die technische Assistenz.

Information zum Schattentheater Sandkorn

Am 16. November, kommt das  „Schattentheater Sandkorn“ mit der Aufführung „...und Sara lachte” (Starke Frauen der Bibel) nach Schwäbisch Hall in den Chorraum der St. Michaelskirche.

Beginn ist um 18 Uhr, der Eintritt ist frei.

Telefon: 07171-83968

Internet: www.schattentheater-sandkorn.de

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