Christliche Themen für jede Altersgruppe

Flüchtlinge und viele Ängste

VAIHINGHEN – Die Flüchtlingsarbeit gehört derzeit zu den größten Herausforderungen für Kirche und Diakonie. Für den Vaihinger Dekan Reiner Zeyher ist klar, dass es dabei nicht nur um das Helfen geht:  „Das ist auch eine gesellschaftspolitische Aufgabe, wir müssen aufpassen und uns auch um die Ängste und Vorbehalte in der Bevölkerung kümmern.“  


Sprachkurse auf Ehrenamtsbasis: Nur wer Deutsch kann, kann sich auch integrieren. Asylbewerber haben ohne formale Anerkennung keinerlei Anrecht darauf. (Foto: epd-Bild)

Seit die Zahl der Flüchtlinge zunimmt, steigt auch die Nachfrage nach billigen Waren in den Tafelläden. Schneller als jemals zuvor sind die Regale leer und das verursacht Unbehagen bei den deutschen Kunden, die dort bisher eingekauft haben: „Die nehmen uns die Lebensmittel weg“, könne man vereinzelt hören, sagt Michel Marek, Geschäftsführer der Diakonischen Bezirksstelle Vaihingen/Enz.

Der Verteilungskampf unter den Armen ist nur eines der vielen Probleme, die der immer stärker werdende Zuzug von Flüchtlingen mit sich bringt. Deshalb hat für Dekan Reiner Zeyher auch die gesellschaftpolitische Flüchtlingsarbeit eine sehr große Bedeutung: „Hier ist die Kirche gefragt, wir müssen uns einschalten und moderieren.“

Konkret heißt das, dass der Dekan auf sämtlichen Ebenen präsent ist, die mit dem Thema zu tun haben: So gibt es einen direkten Austausch mit dem Landratsamt Ludwigsburg und eine Koordination mit den anderen vier Dekanaten, die in diesem Landkreis liegen. Wichtig ist Zeyher jedoch auch, dass in Vaihingen selbst nun ein runder Tisch entsteht mit Politikern, Kirchenleuten, dem Oberbürgermeister, Vertretern von Schulen, Vereinen, Ämtern und der Diakonie. 

„Wir haben für Flüchtlinge eine besondere Verantwortung“, sagt Reiner Zeyher, „das ist eine Grundaufgabe vom Alten Testament bis in die Gegenwart.“ Natürlich gehört zu dieser Grundaufgabe auch die praktische Hilfe für Flüchtlinge. Michael Marek von der Diakonischen Bezirksstelle sieht die Veränderungen kritisch, die es für die Betroffenen gegeben hat: Zwar dürfen sie nun nach drei Monaten arbeiten und eine eigene Wohnung beziehen – doch wie soll das völlig ohne Sprachkenntnisse gehen?

Tatsächliche haben Asylbewerber ohne Anerkennung keinerlei Anrecht auf Sprachunterricht. Ehrenamtliche Lehrer sollen nun für Abhilfe sorgen, koordniert von zwei ebenfalls ehrenamtlichen Koordinatoren, die darauf achten, dass die Angebote in ein Netzwerk der Flüchtlingshilfe im Kirchenbezirk eingebunden sind.

Zu diesem Netzwerk gehören auch die, die Flüchtlingen helfen, die praktischen Probleme des Alltags zu bewältigen: Wie kauft man eine Busfahrkarte und wo bekommt man Möbel? Das schwierigste Thema ist derzeit die Wohnungsfindung. „Vor allem für Menschen mit dunkler Hautfarbe ist es fast unmöglich, etwas zu bekommen“, sagt Michael Marek.

Ein anderes Thema ist die Traumatisierung von Kriegsopfern und die Schwierigkeit, für sie geeignete Therapeuten zu finden, die ihre Sprache sprechen. Auch da können Ehrenamtliche zu wertvollen Zuhörern werden. Bei anderen Fragen ist Rechtsberatung gefordert, etwa wenn Flüchtlinge für ihre nachziehenden Verwandten Bürgschaften übernehmen, deren Folgen sie nicht überschauen können. „Wir sind die Lotsen durch das System“, sagt Michael Marek.

Dekanat und Diakonie: Für Reiner Zeyher und Michael Marek sind das  zwei Seiten derselben Medaille. „Es geht immer um Kirche“ und die hat beim Thema Flüchtlingshilfe eine ganz herausragende Aufgabe. 

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