Christliche Themen für jede Altersgruppe

„Ich ging wie auf Wolken“

VAIHINGEN/BESIGHEIM – Wenn Eltern kleine Kinder haben, kann das Stress bedeuten. Das trifft ganz  besonders dann zu, wenn Zwillinge geboren werden. Das Hilfsprojekt „Wellcome“ sorgt für Entlastung. Und es ist auch für diejenigen, die helfen, eine Erfahrung mit vielen interessanten Seiten. Vier Beispiele von Ehrenamtlichen aus Vaihingen, Bietigheim und Roßwag. 

Typische Situation für ehrenamtliche Helferinnen: Wenn Zwillinge geboren werden, ist der Unterstützungsbedarf besonders groß. (Foto: epd-bild)

Waltraud Krämer hat keine eigenen Kinder. „Aber“, sagt die 61-Jährige, „die Kinder sind schon immer gerne zu mir gekommen.“ Und so entschließt sich die Sekretärin, als sie in Altersteilzeit geht, beim Kreisdiakonieverband anzurufen: Dort werden Freiwillige gesucht, die Familien mit Kleinkindern ein paar Stunden in der Woche unter die Arme greifen.

Die erste Familie, der Waltraud Krämer begegnet, hat Zwillinge bekommen. Die Mutter leidet unter Rückenschmerzen und es gibt keine Angehörigen im Hintergrund, die sie entlasten. Dafür gibt es Waltraud Krämer, die ein oder zweimal die Woche kommt und mit den Babys spazieren geht. Sie strahlt über beide Wangen, wenn sie davon erzählt: „Es war so leicht, die Kleinen fröhlich zu stimmen. Ich ging nach Hause, wie auf Wolken.“

Was für die Frau aus Vaihingen eine ganz neue Erfahrung war, ist für Rosemarie Engel aus Rosswag (Dekanat Besigheim) eher Routine. Drei erwachsene Söhne hat die 64-Jährige und fünf Enkelkinder zwischen 11 und 15 Jahren, die nun nicht mehr ganz so oft kommen: „Da war wieder etwas Zeit übrig.“

Die investiert Rosemarie Engel gerne in das Projekt „Wellcome“, das Eltern mit kleinen Kindern ein wenig Luft verschafft. Auch ihre Betreuungsfamilie hatte Zwillinge bekommen, doch im Gegensatz zu Waltraud Krämer kümmerte sich Rosemarie Engel nicht um die Babys, sondern um die siebenjährige Schwester. Mit der ganzen Routine einer erfahrenen Oma und gelernten Erzieherin geht sie mit ihr auf den Spielplatz, in die Bücherei, macht Hausaufgaben und lehrt sie Sticken. „Am meisten hat sich das Mädchen für das interessiert, was sie selbst nicht kannte.“

Rosemarie Engels Wellcome-Familie stammt aus dem Kosovo. Es kommt häufig vor, dass junge Familien einen Migrationshintergrund haben und dankbar sind, wenn ihnen eine Ehrenamtliche auch sprachlich ein wenig weiterhilft. Doch genauso oft gibt es deutsche Eltern, die überfordert sind, weil immer seltener Eltern und Großeltern an einem Ort wohnen.

Eva-Maria Stumpf aus Bietigheim hat das erlebt bei einem jungen Pärchen mit zwei Kindern. Der Vater ist Unternehmer und beruflich stark eingespannt, die Mutter hat gesundheitliche Probleme. Gleichzeitig bauen sie ein neues Haus. „Da fehlte Ruhe in der Familie“, sagt Eva-Maria Stumpf (52).

Sie selbst hat drei große Kinder im Alter von 17, 20 und 22 Jahren und schon manches im Leben mitgemacht. „Meine eigene Erfahrung mit Kindern hilft da schon weiter“, erzählt sie. Doch es gehört zu den ganz besonders großen Herausforderungen, dabei mit dem nötigen Fingerspitzengefühl vorzugehen. Keiner soll sich bevormundet fühlen oder den Eindruck haben, alles falsch zu machen.

Im Gegenteil: Im Idealfall hilft die Ehrenamtliche, dass die Eltern zufriedener mit sich selbst werden. Dass sie ihren Weg finden und gegebenenfalls von überzogenen Ansprüchen herunterkommen. „Wir kommen mit unserem Hilfsangebot in einer frühen Phase, in der sich noch viel bewegen lässt“, sagt auch Ute Catrin Bührer vom Kreisdiakonieverband Ludwigsburg.

Seit 2013 koordiniert die Sozialarbeiterin dort das Wellcome-Programm und soll dafür sorgen, dass es im Kreis noch mehr in die Fläche hineinkommt. Sie ist selbst Mutter von vier Kindern und versucht, die Ehrenamtlichen so einzusetzen, dass es auch richtig passt.

Bei Helga Schäuffele aus Enzweihingen hat es gut gepasst mit ihrer Zwillingsfamilie. Die 47-jährige Arzthelferin hat eine 17-jährige Tochter, „die mich jetzt nicht mehr ganz so intensiv braucht“. Dafür ist sie bei der Wellcome-Familie umso gefragter. Die Mutter ist Thailänderin und der Vater Schichtarbeiter, eine Entlastung war mehr als willkommen. Die Freude war jedes Mal groß, wenn sie da war. „Jetzt kommt Mama Schäuffele“, habe es geheißen, und zum Dank hat die junge Mutter sogar Thailändisch für sie gekocht: „Das war ganz wunderbar.“ Wunderbar ist es auch, wenn Eva-Maria Stumpf zum Kindergeburtstag eingeladen wird oder Waltraud Krämer, den Eindruck hat, dass das Organisationstalent aus dem Berufsleben plötzlich auch in der Familie gefragt ist.

„Wir geben nicht nur etwas, sondern bekommen auch viel zurück“, sagen die vier Ehrenamtlichen aus Vaihingen, Bietigheim und Rosswag. Ein Kinderlächeln zum Beispiel oder das herzliche Dankeschön einer Mutter, die für ein paar Stunden Kraft schöpfen durfte.




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