Christliche Themen für jede Altersgruppe

Kirche als Lebensraum

HEUBACH (Dekanat Schwäbisch Gmünd) – Die St. Ulrichs-Gemeinde nahm nicht nur bei der Renovierung ihrer Kirche Rücksicht auf Dohlen, Turmfalken und Fledermäuse. Sie sorgte auch dafür, dass diese sich in Zukunft im Turm- und Kirchendach noch wohler fühlen. Dafür wurde sie vom Naturschutzbund (NABU) Schwäbisch Gmünd nun offiziell ausgezeichnet. 


„Für uns war es überraschend und ungewöhnlich, aber extrem angenehm, dass die Kirchengemeinde von sich aus auf uns zugekommen ist“, sagte Martin Görtz vom Naturschutzbund (Nabu) Schwäbisch Gmünd. Er brachte damit auf den Punkt, warum der Nabu die St. Ulrichs-Gemeinde mit einer Urkunde und einer Plakette mit der Aufschrift „Lebensraum Kirchturm“ ausgezeichnet hat.

Was war der Urkundenübergabe vorausgegangen? Die Heubacher mussten Dach und Außenfassade ihrer St.?Ulrichs-Kirche renovieren. Schon 2013 wurde bei der Begehung des Dachstuhls im Kirchenschiff sowie im Kirchturm festgestellt, dass dort Vögel leben und brüten. Weil im Auftrag des Oberkirchenrates an den zuständigen Architekten Martin Oettle der Vermerk „Artenschutz beachten“ hinzugefügt stand, setzten sich Oettle und Pfarrer Thomas Adam frühzeitig mit dem Naturschutzbund Schwäbisch Gmünd in Verbindung.

Walter Beck vom Nabu entdeckte im Dachstuhl über dem Kirchenschiff Spuren von Kot des „Großen Mausohrs“, der größten einheimischen Fledermausart. Seine Kollegen Martin Görtz und Philip Coetzee beschäftigten sich mit dem Turmfalken und den Dohlen im Kirchturm und wussten, dass Kirchtürme auch für Schleiereulen oft zur Heimat werden.

Die Planungsphase verzögerte sich. Schließlich ging es darum, gemeinsam zu entscheiden, wie die Renovierung vonstatten gehen könnte, ohne die Tiere zu stören – und ihnen im Endeffekt die Kirche als Lebensraum zu überlassen.

„Anfangs hat uns das geärgert“, bekannte der Zweite Kirchengemeinderatsvorsitzende Horst Ortwein, heute jedoch sei er froh darüber. Dank der zusätzlichen Zeit hatten die Nabu-Mitglieder die Möglichkeit, die Tiere zu beobachten und auch festzustellen, dass die Fledermäuse sich vorwiegend im Spätsommer und Herbst im Dachstuhl aufhalten, bevor sie sich zum Winterschlaf in die Höhlen der Schwäbischen Alb zurückziehen.

Für Architekt Martin Oettle bedeutete der Artenschutz ein neues Thema. Heute lobt er die konstruktive Zusammenarbeit mit dem Naturschutzbund. „Das einzige, was ich in Zukunft anders mache: Ich setze mich sehr früh mit den Nabu-Zuständigen in Verbindung.“

Finanziell bedeutete der Einsatz für das Wohl der Tiere keinen nennenswerten Mehraufwand. „Wir haben uns beim Bauen nach den Brutzeiten der Vögel gerichtet, was aber bei weitem nicht so schlimm war wie anfangs gedacht“, erzählte Martin Oettle. Der Turmfalke sei zwar etwas irritiert gewesen, als man das Gerüst aufgestellt habe. „Aber wir haben seine Einflugschneise abgesperrt, während er brütete und dort erst hinterher weitergebaut. Das war kein Problem, für uns nicht und für den Falken auch nicht.“

Da Fledermäuse – wie es Walter Beck ausdrückte – „sehr konservativ sind und ,ihre‘ Einflugschneisen suchen“, wurden die alten Lüfterziegel im Dach des Kirchenschiffs wieder genau dort eingebaut, wo sie vorher schon waren. Im Innern nagelten die Handwerker die vorherigen Dachlatten mit dem für die Fledermäuse bekannten Geruch auf die neue Lattung auf. Und einfache Holzkonstruktionen im Firstbereich des Dachstuhls verbessern als „Wärmeglocke“ in Zukunft sogar das Wohlfühl-Klima für die fliegenden Säugetiere.

Görtz und Coetzee bauten für die Dohlen sechs Nistkästen aus Holz auf den Turm der Ulrichskirche. „Wir haben darauf geachtet, dass sie so angebracht sind, dass so wenig wie möglich Schmutz am Kirchturm hängen bleibt im Gegensatz zu vorher“, betonte Martin Görtz. Tauben hätten in diesen Kästen keine Chance, weil nur Dohlen so direkt einfliegen könnten. „Das schaffen Tauben nicht.“
Fünf weitere Kästen folgen in diesem Winter. Sie sind so geformt, dass auch der Turmfalke wieder und eventuell auch die Schleiereule darin eine Heimat findet. „Kirchen sind generell als Lebensraum für Vögel wichtig“, betonte Armin Dammenmiller, der Vorsitzende der Schwäbisch Gmünder Nabu-Ortsgruppe und des Kreisverbands Ostalb bei der Feierstunde.

Das gilt für Architekt Oettle auch im spirituellen Sinn: „Es geht bei einer solchen Zusammenarbeit ja um die Tiere. Und die Kirche will ja – und kann so – die Schöpfung bewahren und erhalten.“
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