Christliche Themen für jede Altersgruppe

Kirchenlieder in neuem Kleid

KLEINSACHSENHEIM (Dekanat Vaihingen/Enz) – Die Band Beta Grooves haucht alten Kirchenliedern neues Leben ein: Choräle zu Advent, zu Weihnachten, zu Ostern und Pfingsten werden als Pop-, Latin-, Soul- und Funk-Versionen gespielt. Die Vorgabe ist ungewohnt – kommt bei den Besuchern aber gut an. So auch beim Konzert in der Kleinsachsenheimer Kirche.

Beta Grooves beim Konzert in der Kleinsachsenheimer Kirche. Die meisten Besucher haben, trotz der ungewöhnlichen Vorgabe, Spaß am Mitsingen. (Foto: Wolf-Dieter Retzbach)

Ostern ist grün, Himmelfahrt blau, die Passionszeit ist rot und gelb, Pfingsten blau-orange. Die Band Beta Grooves spielt und singt sich in der Kleinsachsenheimer Kirche durch die Lieder des Kirchenjahres. Zu jedem zeitlichen Eckpfeiler ist die Altarwand mit dem Jesuskreuz in einer speziellen Farbe beleuchtet.

Das bunte Bild passt zu der flotten Form, in der die Band alte Kirchenlieder präsentiert. Das weihnachtliche „Ich steh an Deiner Krippen hier“ wird im fröhlichen Latin gespielt, das Pfingstlied „O komm, du Geist der Wahrheit“ im Funk, „Zieh an die Macht, du Arm des Herrn“ im Soul. „Es kennt der Herr die Seinen“ kommt in der Samba Rock-Version daher, „Lobe den Herrn“ als Bossa Nova-Song.

Bossa Nova ist ein Stil aus Brasilien, aus jenem Land, aus dem der Kleinsachsenheimer Vikar Dio Machado stammt. Aus seinem Geburtsland kennt er die Tradition der alten Kirchenlieder nicht. Dass er sie jetzt mit seiner Band, wie er selbst sagt, „in einem neuen Kleid“ spielt, das helfe ihm, Zugang zu diesen Schätzen deutscher Kirchengeschichte zu finden. Seinen Traum, Gesangbuchlieder neu zu arrangieren und sie „auf andere Weise zur Geltung zu bringen“, hat sich der 30-Jährige erfüllt.

Das österliche „Christ ist erstanden“ im Reggae-Stil zu spielen, das „bringt die Freude der Auferstehung viel mehr zur Geltung“, findet Machado. Auch die Geburt Jesu wird mit einer fröhlich-lateinamerikanischen Version von „Ich steh an Deiner Krippen hier“ gefeiert.

Berührungsängste mit dieser modernen Form der Kirchenmusik gibt es keine an diesem Freitagabend in der evangelischen Kirche Kleinsachsenheims. Etwa 100 Besucher sind gekommen, ältere und junge Leute, Menschen mittleren Alters, Paare, Familien. „Ich erwarte interessante Musik, etwas Neues, ich weiß nicht, was auf mich zukommt“, sagt eine Besucherin vor Konzertbeginn. „Das hat richtig Spaß gemacht, meine Erwartungen sind erfüllt, sogar übertroffen worden“, sagt sie zwei Stunden später. Vor allem die Lieder im lateinamerikanischen Stil fand sie „klasse, der Rhythmus war toll“. Kirchenlieder in dieser Art könnte man auch im traditionellen Gottesdienst spielen, so die Besucherin. Das Mitsingen sei „ganz einfach“ gewesen.

Tatsächlich haben beim Kleinsachsenheimer Konzert die meisten Besucher ihre Gesangbücher aufgeklappt, um Choräle mitzusingen, die sie kennen, so aber noch nie gehört haben. Beim Lied „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ setzt Musik und Gesang unvermittelt aus. In der kurzen Pause ist zu hören, dass die meisten Besucher trotz der ungewohnten Vorgabe laut mitsingen. „Sehr schön“, sagt Dio Machado auf der Bühne und lächelt. Es sei, meint eine 70-jährige Besucherin, eine „nette Idee“, Kirchenlieder auf diese Weise zu arrangieren.

Zu den „Kirchenhits“, wie Machado sie nennt, gehört auch „Tochter Zion, freue dich“. In dieser Version haben die Besucher das Lied noch nie gehört: Stephanie Kings singt mit voller Stimme den Text, Dio Machado spielt die rote Gitarre, seine Frau Johanna Machado sitzt am Keyboard, Daniel Mangel am Schlagzeug. Martin Schönewerk spielt den Bass, Dietrich Ruess die Posaune, Tobias Weimer die Trompete, Patrick Maisch das Saxofon.

Das „Hosianna“ klingt nicht mehr andächtig, sondern wie das Element eines Popliedes. Der getragene Unterton des Liedes weicht einem fröhlich-beschwingten Grundton. „Mir wurden die Lieder heute noch wertvoller“, sagt Kleinsachsenheims Pfarrer Friedemann Wenzke nach dem letzten Klang. Auch Anna Scheerle hat durch das Konzert einen Zugang zu den Kirchenliedern gefunden. Das Konzert sei eine „Inspiration, neue Formen auszuprobieren“, sagt die 24-Jährige. Jetzt will sie, die viele der Lieder nicht kannte, sich anhören, wie die Choräle in ihrer traditionellen Form klingen.

Internet: www.betagrooves.de

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