Christliche Themen für jede Altersgruppe

Luther aufgemöbelt

BLAUFELDEN – Was haben Parkbänke mit Martin Luther zu tun? Auf den ersten Blick nicht viel. Die Kirchengemeinde Blaufelden hat aber einen inspirierenden Bezug zwischen dem Reformator und dem Sitzmöbel hergestellt – mit Worten und kreativen Gestaltungen. 

So blau wie Blaufelden: Vater und Sohn haben gemeinsam die Riesenbank erklommen. (Foto: Ralf Garmatter)


Bei dem Projekt „DenkMal2017“ haben etwa 300 Menschen aus Blaufelden rund 120 Bänke im Ort und auf der freien Flur neu geschaffen oder bereits vorhandene phantasievoll gestaltet. Auch die katholische Kirchengemeinde beteiligte sich mit einem Exponat in bunten Farben der Ökumene. In Blaufelden wurde die Aktion für viele Frauen und Männer zu einer Herkulesaufgabe. Unzählige Stunden ehrenamtlicher Arbeit haben sie geleistet und privat Geld investiert.

„Man kann Gott nicht allein mit Arbeit dienen, sondern auch mit Feiern und Ruhen“, steht auf einer Infotafel an einer Bank vor dem evangelischen Gemeindehaus. Dieser Spruch wird Martin Luther zugeschrieben. Ein Blickfang ist eine Bank am Ortsausgang Richtung Schrozberg. Sie hat gigantische Maße, ist vier Meter lang, drei Meter hoch und könnte zu einem neuen Wahrzeichen der 5200 Einwohner zählenden Gemeinde Blaufelden werden. Der Briefträger Karl-Heinz Ziegelbauer hat sie in seiner Freizeit gebaut. Viel Zeit und Geld hat der Hobby-Schreiner in den Bau des riesigen Möbelstücks investiert.

Angestrichen hat er die Bank mit leuchtend blauer Farbe – passend zum Ortsnamen Blaufelden. Oft sind Menschen zu sehen, die auf die Sitzfläche in luftiger Höhe klettern und die Aussicht genießen.

Die Idee für diese aufwändige Aktion kam dem Initiator Reinhard Müller selbst auf einer Hängebank in seinem Garten. „Die Bank ist mein Lieblingsplatz“, erzählt der Augenoptik-Ingenieur von dem inspirierenden Ort auf seinem privaten Grundstück. Blaufelden ist eine früh reformierte Gemeinde in Hohenlohe. Schon 1526 wurde dort der Gottesdienst im Sinne Luthers abgehalten. Seitdem ist der Ort evangelisch geprägt. Seit zwölf Jahren arbeitet Reinhard Müller im Blaufeldener Kirchengemeinderat mit.

Für die Jubiläumsaktion im Luther-Jahr konnten in Blaufelden etwa 300 Menschen mobilisiert werden. Jung und Alt haben mit angepackt, Alteingesessene genauso wie Neubürger. Sie haben die Arbeit nicht „auf die lange Bank“ geschoben. Die Aktion läuft noch bis Anfang November.

„Die Idee mit den Luther-Zitaten im Jahr des Reformationsjubiläums hat gezündet“, berichtet Reinhard Müller von den ersten Diskussionen und Gesprächen im örtlichen Kirchengemeinderat. Der Erfolg gibt dem Initiator und seinen zahlreichen Unterstützern recht. Viele Spaziergänger nutzen die Bänke zum Ausruhen und Nachdenken. Einen Lageplan mit den Standorten gibt es im Rathaus und im Internet. Im Internet wurde eigens eine Seite dafür eingerichtet. Auch eine Bildergalerie mit vielen Fotos der phantasievollen Bänke ist dort zu finden.

Die Aktion hat viele Menschen zusammengebracht. In Blaufelden untergebrachte Flüchtlinge gestalteten einen Platz der Nationen unterhalb der Markthalle mit literarischen Weisheiten aus ihren Heimatländern. „Ein bunter Regenbogen zeigt sich am Himmel oben. Gott hat an uns gedacht, die Welt ganz bunt gemacht.“ Dieser Reim ziert eine Bank vor der Ulrichskirche und dem Rathaus. Geschmückt ist sie mit 29 Handabdrücken von Kindern des Kindergartens „Regenbogen“.

Ein massiver Holzklotz vor der Ulrichskirche, aus dem eine kleine Bank gesägt wurde, fällt ebenfalls sofort auf. Der darauf verewigte Spruch ist zunächst verstörend. „Der Egoismus lenkt alle unsere Taten“, lauten die Worte, die dem schwedischen Schriftsteller Johan August Strindberg zugeschrieben werden. Das Originalzitat stammt aus dessen biographischem Werk „Der Sohn einer Magd“, das 1886 erstmals veröffentlicht wurde. Bei „DenkMal 2017“ soll mit dieser provokativen Feststellung zum eigenen Nachdenken angeregt werden. „Sind Sie mit dieser Aussage einverstanden? Was fällt Ihnen spontan dazu ein?“, steht als Aufforderung auf der dazugehörigen Infotafel.

Blaufeldens Bürgermeisterin Petra Weber freut sich über die Aktion der Kirchengemeinde. Eine Bank ist für sie ein Symbol der Muße, der Ruhe, der entspannten Meditation.



Internet: www.denkmal2017.de

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