Christliche Themen für jede Altersgruppe

Luther-Bettwäsche mit Liedzeile

[Rundblick durch die Ausstellung: Luther wurde im 19. Jahrhundert stark überhöht.
Fotos: Sigrid Bauer]

SCHWÄBISCH HALL – Ausstellungen zum Refomationsjubiläum gibt es derzeit viele. Das Freilandmuseum Wackershofen hat den Schwerpunkt auf die Lutherverehrung im 19. Jahrhundert gelegt. Daneben gibt es aber auch gut verständlich präsentierte Fakten zur Reformation.  Von Sigrid Bauer

Mit der Stadt Schwäbisch Hall und ihrem Reformator Johannes Brenz im Hintergrund war es für das Freilandmuseum naheliegend, zum Jubiläum eine Ausstellung zu organisieren. „Aber nicht über das 16. Jahrhundert, der Zeit Luthers. Wir haben uns dazu entschlossen, Luthers 400. Geburtstag 1883 in den Mittelpunkt zu stellen“, berichtet Elmar Hahn, der die Ausstellung zusammen mit Sarah Peters konzipiert hat.
Die ausgestellten Objekte stammen überwiegend von Privatleuten. „Die meisten sind noch nie öffentlich gezeigt worden“, sagt Hahn. Luther sei damals total überhöht und das Jubiläum als historisches Ereignis ersten Rangs gefeiert worden. „Das hat die Zeit damals geprägt“, stellt Hahn fest.
„Nicht mehr die Reformation und ihre theologische Bedeutung standen im Mittelpunkt des Interesses, sondern Luther als Person, er wurde als nationaler Held verehrt“, heißt es auf einer der Schautafeln.
Das führt dann zu so skurrilen Auswüchsen wie einer Luther-Tabakpfeife oder Vorträgen mit dem Titel „Luther, der Prophet der Deutschen“. Befremdend wirkt heute ein Gedicht von Karl Gerok aus dem Jahr 1883 mit dem Titel „Jubelgruß zum Lutherfest“. Als „größter deutscher Volksmann“ wird er gewürdigt, Hauspostillen und Prunkbände beschäftigen sich mit ihm. Sogar eine  Luther-Bettwäsche mit der eingewebten Liedzeile „Ein feste Burg ist unser Gott“ und dem Konterfei Luthers aus der Zeit der Jahrhundertwende 1900 ist zu sehen.
„So einen Kult gab es also auch schon früher“, meint ein Besucher dazu und schmunzelt.
Dank der Fortschritte im Druckwesen entstand im 19. Jahrhundert eine Flut von Illustrationen zu Luther: In Lutherzyklen wurden Szenen aus seinem Leben dargestellt, Bildergeschichten für Erwachsene. Man hängte sie sich als Schmuckbild an die Wand. „An die Lutherbildchen kann ich mich noch erinnern“, sagt ein älterer Mann, als er ein Album mit kleinen und größeren Abbildungen Luthers entdeckt. „Die gab es bei uns immer nach der Kinderkirche“, sagt er.
Luther-Statuen im Kleinformat fürs Wohnzimmer, die Wartburg als Briefbeschwerer – und wer es sich leisten konnte, erstand einen Stuhl, wie der, auf dem Luther in der Wartburg saß. „Pfarrer, Lehrer und das Bürgertum wollten so leben wie Luther“, erklärt Elmar Hahn. Der Stuhl sei  hunderte Mal nachgebaut worden. Ein Exemplar hat ein privater Besitzer für die Ausstellung verliehen. „Wir haben eine enorme Bandbreite an Objekten für die Sonderausstellung zusammengetragen“, sagt  Hahn.
Die Ausstellung räumt auch anderen Persönlichkeiten der Reformation Raum ein und stellt deren Anteil an der Reformation vor. An erster Stelle Johannes Brenz, aber auch Luthers engster Mitarbeiter Philipp Melanchthon, der Schweizer Reformator Ulrich Zwingli und Luthers Frau Katharina von Bora werden präsentiert. Auch über Thomas Müntzer, einem Reformator aus Thüringen, gibt es Hintergrundinformationen.
Und die jüngsten Besucher bekommen in einem kurzweiligen Drei-Minuten-Film das Thema Reformation und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft erklärt. Sehenswert – auch für Erwachsene.

Info:
Die Sonderausstellung „Ein feste Burg ist unser Gott“ – Volkstümliche Reformatorenverehrung im 19. Jahrhundert“ ist noch bis 5. November im Freilandmuseum Wackershofen bei Schwäbisch Hall zu sehen, und zwar in der Scheune aus Bühlerzimmern. Sie ist von 10 bis 17 Uhr geöffnet.
Zur Ausstellung ist ein Begleitband erschienen. Er informiert beispielsweise über die Hintergründe der Lutherverehrung im 19. Jahrhundert, wie Zeitungen in der Region um Schwäbisch Hall 1883 über die „Lutherfeier“ berichteten oder wie sich die Reformation auf Politik und Alltagsleben auswirkte.
Informationen unter Telefon 0791- 971010, oder im Internet unter  www.wackershofen.de

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