Christliche Themen für jede Altersgruppe

Auf Spurensuche im Schlafsaal

ALPIRSBACH (Dekanat Freudenstadt) – „Freiheit – Wahrheit – Evangelium. Reformation in Württemberg“ heißt eine Ausstellung, deren zentraler Standort Stuttgart durch die Klöster Maulbronn, Alpirsbach und Bebenhausen ergänzt wird. Im einstigen Benediktinerkloster Alpirsbach zeigt sich die Dramatik der ­Reformationszeit in besonderem Maße. 


Das Wappen des Alpirsbacher Abtes Hieronymus Hulzing. (Foto: Bärbel Altendorf-Jehle)

Die ersten Jahrzehnte der Reformation in Württemberg waren eine dramatische Zeit. Um sie in einer umfassenden Ausstellung darzustellen, haben sich die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg mit dem Landesarchiv zusammengetan. Das Besondere daran: Es gibt vier Ausstellungsorte. Jeder für sich steht allein, wer jedoch alle vier Ausstellungen besucht, bekommt ein umfassendes Bild von der damaligen Zeit.

Zentraler Standort des Ausstellungsprojektes über die ersten Jahrzehnte der Reformation ist das Kunstgebäude am Schlossplatz in Stuttgart. In den ehemaligen Klöstern Maulbronn, Alpirsbach und Bebenhausen befassen sich jeweils Teile der Ausstellung mit der Geschichte jener Jahrzehnte direkt am Schauplatz der Ereignisse.

In dem einstigen Benediktinerkloster Alpirsbach werden die Umwälzungen der Zeit besonders deutlich. Erstmals können Besucher hier Schriftstücke, Funde und die originalen Glasscheibenbilder bewundern, die einst in dem Kloster waren und heute im Landesarchiv und in der Württembergischen Landesbibliothek verwahrt werden.

„Dass wir an die historischen Schauplätze der Reformation gehen, das ist das Besondere an dieser Ausstellung“, sagt Andreas Falz, Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg. Eine weitere Besonderheit: Die Besucher dürfen bei der Ausstellung in Alpirsbach nicht nur wie üblich durch den Kreuzgang, in den Kapitelsaal und in die Klosterkirche, sondern auch hoch in das Dorment (Schlafsaal des Klosters) und auf die Empore.

Die Alpirsbacher Klosterkirche spielt in der Reformation eine zentrale Rolle, weil dort Ambrosius Blarer, erst als einfacher Mönch dann als Prior, gelebt hat. Er war neben Erhard Schnepf Hauptreformator Württembergs. Durch seinen Bruder kam Ambrosius Blarer mit den Schriften Martin Luthers in Kontakt. Von der neuen Lehre überzeugt, floh er 1522 aus dem Kloster, wurde Prediger und Reformator in seiner Heimatstadt Konstanz und in benachbarten Reichsstädten. Die Ausstellung zeigt aber nicht nur den Siegeszug des Neuen, sondern auch, was die Veränderung für die bedeutete, die beim alten Glauben bleiben wollten.

Am Vorabend der Reformation war das Kloster Alpirsbach prächtig erblüht. Der Wohlstand im Benediktinerkonvent machte Neubauten möglich und die Anschaffung kostbarer neuer Altäre. Erhalten ist davon der spätgotische Marienaltar aus der Werkstatt von Nikolaus Weckmann. Er ist bis heute in der Klosterkirche zu sehen. Bis zum 25. Oktober ist nun die großformatige Kopie eines der berühmtesten Altäre der Reformationszeit aufgestellt: der Mömpelgarder Altar. Es ist ein Nachbau des Originals aus dem Kunsthistorischen Museum Wien und eine Leihgabe aus Herrenberg.

1535 kam mit der neuen Klosterordnung des Herzogs die Reformation. Man verbot Messe und Beichte, schaffte das Schweigegebot ab und verbot die Aufnahme von Novizen. Die Mönche erhielten eine Abfindung oder eine Stelle im neuen evangelischen Kirchendienst. Original-Dokumente beleuchten diesen Umbruch und wie instabil anfänglich die Reformation dort war. Die wertvollsten Stücke sind die zwei original Rundscheiben aus Glas, das Wappen des Abtes Hieronymus Hulzing und das Wappen aus Württemberg. Sie sind auf der Empore ausgestellt. Dort können die Besucher über Kopfhörer auch Lieder aus Zeiten vor der Reformation zu hören.

Die musikalischen Fragmente wurden in Alpirsbach gefunden. Die Noten waren auf wertvollem Pergament geschrieben, das als Einband eines Lagerbuches diente. Sie wurden bearbeitet und extra für die Ausstellung gesungen und aufgenommen.

Information
Die Ausstellung in Alpirsbach kann noch bis zum 19. Januar besichtigt werden; die Altarnachbildung bis zum 25. Oktober. Geöffnet montags bis samstags, 10 bis 17.30 Uhr, sonn- und feiertags von 11 bis 17.30 Uhr. Ab 2. November: donnerstags, freitags, samstags und sonntags von 13 bis 15 Uhr. Der Eintritt kostet als Kombiticket (Stuttgart und Klöster) 15 Euro, ermäßigt: 7,50 Euro. Einzeleintritt Alpirsbach: 6 Euro, ermäßig 3 Euro. Weitere Informationen zur Ausstellung gibt es unter Telefon 07444-51061, Internet: www.reformation-in-wuerttemberg.de, www.ueber-kreuz2017.de, www.schloesser-und-gaerten.de

 

 

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