Christliche Themen für jede Altersgruppe

Aufregung um ein Kruzifix

NORDHEIM (Dekanat Brackenheim) – Ein Thema beschäftigt die Kirchengemeinde Nordheim: Das Kruzifix der Bartholomäus-Kirche war im Verhältnis zum Chorraum sehr groß. Außerdem spaltet die künstlerische Darstellung des gekreuzigten Jesus die Gemeinde. An Ostersamstag wurde das Kruzifix abgebaut und durch ein Interimskreuz ersetzt. Eine Aktion, die die Gemüter bewegt. 

Das mittlerweile abgebaute Kruzifix im Chorraum (ganzlinks) ist durch das kleinere Interims-Kreuz ersetzt worden. (Foto: Astid Link)


Immer wieder hörte Pfarrer Stephan Liebau bei der Gestaltung der Erntedank-Gottesdienste durch die örtlichen Kindergärten von Müttern und Erzieherinnen, dass die Kinder nicht gerne in die Kirche kämen. Sie würden sich vor dem gekreuzigten Jesus fürchten. Mancher Tauffamilie und Eltern, die mit ihrem Nachwuchs den „Gottesdienst für kleine Leute“ besuchten, gehe es ähnlich, sagt der Theologe. „Ich habe mit den Kindern den Christus näher betrachtet, um zu zeigen, dass das rote Blut nur Farbe ist.“
Auch Erwachsene erinnern sich, dass sie das Kruzifix früher als befremdlich empfanden. „Wenn man diesen Schmerzensmann sieht, will man kein Christ mehr sein“, meint eine ältere Dame. „Ich habe hier geheiratet, meine Kinder wurden hier getauft und konfirmiert. Das ist unser Kreuz, an das wir uns gewöhnt haben“, lautet eine andere Ansicht.

Dem Pfarrer ließ das Thema keine Ruhe. „Zuerst habe ich gedacht, dass wir nichts ändern können. Aber durch einige Beiträge zum Reformationsjahr kam der Gedanke, dass es doch immer wieder mutige Schritte braucht, damit sich etwas bewegt“, sagt er. Christus stehe in der Mitte unseres Glaubens. Da könne es nicht sein, dass er in seiner Darstellung den Zugang zur Kirche erschwere. „Wir brauchen das Kreuz, aber wir können es gestalten.“

Das Kruzifix stammt vom Stuttgarter Bildhauer Karl Gläser und wurde 1950 in der Kirche angebracht, die im Krieg zerstört worden war. Bereits das zuvor aufgestellte Kreuz war  verhältnismäßig groß. Die Bemalung der Christus-Figur übernahm ein Anstreicher, kein Restaurator. Im November 2016 beschloss der Kirchengemeinderat, das Objekt des Anstoßes zu Ostern 2017 zu entfernen und nach der Restauration einen geeigneten Ort dafür zu suchen.

Ein schlichtes Kreuz, oft bei Gottesdiensten im Grünen verwendet, nimmt nun dessen Platz ein, bis das weitere Vorgehen, in Abstimmung mit der Kirchengemeinde, beschlossen ist. Reinhard Lambert Auer, früherer Nordheimer Vikar und Kenner des Kruzifixes, wurde in die Überlegungen einbezogen. Er ist der Kunstsachverständige im Oberkirchenrat Stuttgart. Im Gottesdienst Anfang Februar und im örtlichen Mitteilungsblatt informierte der Fachmann über den Abbau am Ostersamstag sowie die Übergabe an einen Restaurator und die gemeinsame Suche nach einem geeigneten Platz.

Die Ankündigung schlug hohe Wellen. Ob es daran lag, dass es Missverständnisse in der Kommunikation gab oder viele Kirchengemeindemitglieder die Entfernung des christlichen Symbols als Sakrileg ansehen, ist nicht klar. Die Gegner des Beschlusses legten dem Pfarrer eine Unterschriftenliste vor. Dieser war von der Wucht der Reaktion überrascht, denn er hatte im Gemeindebrief die Vorgehensweise erklärt. „Das Kruzifix hätte sowieso wegen Schädlingsbefalls entfernt werden müssen. Das hat der Pfarrer nicht gleich gesagt. Da hakte es bei der Kommunikation, aber ohne böse Absicht“, erzählt eine jüngere Frau.

Den Vorschlag aus der Gemeinde, eine Unterschriftenliste mit Abbau-Befürwortern anzulegen, lehnte Pfarrer Liebau ab. Das führe zu noch größerer Eskalation. Man müsse versuchen, einen gemeinsamen Weg zu finden. Er besuchte die evangelische Kirche in Mainhardt (Dekanat Schwäbisch Hall), deren Kruzifix 1960 aufgrund des Kirchenumbaus auf den Dachboden ausgelagert wurde. Das Kreuz steht seitdem auf dem Friedhof. Erst seit 2006 hängt der restaurierte Christus dort wieder in der Kirche, außerhalb des Chors. Eine Hinweistafel erklärt den Vorgang.

Ähnliches schwebt dem Pfarrer auch in seiner Kirche vor. Seit Ostersonntag schmückt nun ein kleineres Holzkreuz den Altar. Ein Restaurator kümmert sich, in Zusammenarbeit mit dem Landesdenkmalamt, um den Schädlingsbefall und entfernt fachkundig die damals nachträglich aufgetragene Farbe.

„Wenn die Christusfigur restauriert ist, wird gemeinsam überlegt, wo sie im Gottesdienstraum ihren Platz finden soll. Über Ihre Anregungen, Ihre Unterstützung und manchen Gedankenaustausch freuen wir uns“, schreibt Pfarrer Liebau im Namen des Kirchengemeinderates im aktuellen Gemeinde­brief.

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