Christliche Themen für jede Altersgruppe

Besteck und Bier statt Blumen

TRICHTINGEN (Dekanat Sulz) – Spaß miteinander haben, gemeinsam kochen und essen – und dabei ­Gemeinschaft erleben unter Männern: Das ist das Ziel eines Angebotes, das es in der Kirchengemeinde Trichtingen nunmehr seit zehn Jahren gibt. 

Facetten einer Männerkochgemeinschaft. (Foto: Bärbel Altendorf-Jehle)

„Männerkochen“ heißt das Angebot. „Okay, wir kochen keine Männer, vielmehr kochen Männer zusammen“, sagt Andreas Müller und lacht. Der Grund für das spezielle Angebot: „Frauen gehen öfter in die Kirche, sind offener für Gemeinschaften und kirchliche Treffen als Männer.“ Männer kämen weniger zu Vorträgen, würden weniger über Probleme reden, sie wollten etwas machen.

Beim gemeinschaftlichen Kochen können sie genau das tun: unkompliziert auf ihre Art und anders, als es Frauen tun würden. Zu Beginn bekommt jeder Hobbykoch erst mal seine Flasche Bier – die Vorabbelohnung. Das Tischdecken funktioniert ohne Platzdeckchen, Blümchen oder Kerze. Auf dem Tisch steht vielmehr, was nötig ist: Teller und Besteck. Und wenn, wie an diesem Tag, eine breite Nudel statt im kochenden Wasser auf dem Boden landet, dann heißt es: „Aufheben und ab in den Topf. Das kochende Wasser desinfiziert.“ So lautet der einhellige, pragmatische Vorschlag.

„Es kommt mir manchmal so vor, als ob Kirche an ihren Kirchgängern vorbeiarbeitet und sie nicht erreicht“, sagt Andreas Müller, während er die Tomatensauce umrührt. Müller möchte seinen Teil dazu beitragen, das zu ändern. Das war auch die Intention, als der leidenschaftliche Hobbykoch vor zehn Jahren den Vorschlag machte. Seither treffen sich jeden ersten Freitag im Monat bis zu 14 Männer in der Küche des Gemeindezentrums Epfendorf.  

Der sechsjährige Leo wuselt zwischen den Männerbeinen herum, zieht die Trittleiter mit sich, um auf die Arbeitsplatte sehen zu können. Er durfte heute mit, weil Mama nicht daheim ist und fühlt sich als richtiger Mann zwischen all diesen Männern, die den Kochlöffel schwingen.

Leo schneidet die Tomaten klein, hängt die Nudeln fein säuberlich auf, schichtet Müsli, Joghurt und die rote Grütze in die Gläser. „Mein Papa kocht oft daheim“, sagt Leo stolz. Sein Vater Werner Stolch bestätigt das: „Am Wochenende kochen wir gern gemeinschaftlich in der Familie.“  

Michael Kuchel, 22-jähriger Student, ist zum ersten Mal mit dabei. Obwohl er der Zweitjüngste in der Küche ist, macht ihm der Männerabend Spaß. „Mein Vater hat mir das Kochen schon daheim beigebracht“, sagt er. Aber auch das heutige Rezept will er in der Studenten-WG in Konstanz nachkochen.

Sein Vater, Andreas Müller, hat als Kirchengemeinderat, früher auch Vorsitzender, bei diesem Angebot auch einen missionarischen Gedanken. Beim gemeinschaftlichen Tun spielt es vermeintlich eine untergeordnete Rolle. Doch es kommt ja nicht auf die Quantität, sondern auf die Qualität an. Es geschieht nebenbei.

Manchmal ist es nur ein Gedanke, den einer der Hobbyköche ausspricht und einen anderen animiert, auch seinen Senf dazu zugeben. Es ist die Männergemeinschaft, die beispielsweise auch einem Kollegen weiterhilft nach dem Tod seiner Frau. Nicht nur mit praktischen Rezepten und Tipps, wie er nun künftig selbst  kochen kann, sondern auch in Form des kameradschaftlichen Beistandes und das geschieht meist ohne viele Worte.

Während in der Küche das Gemüse kleingeschnitten, der Salat geputzt, der Nudelteig geknetet und die Schnitzel geklopft werden, wird gelacht und gescherzt, aus dem Alltag berichtet. Später, beim gemeinsamen Essen, kommen auch ernsthafte Gespräche. Im Vordergrund steht aber das Angebot für Männer, gemeinsam zu kochen, gemeinsam etwas zu unternehmen und damit der Abbau von Hemmschwellen gegenüber der Institution Kirche.

„Wir haben unter uns Katholiken und Männer, die überhaupt keiner Glaubensgemeinschaft angehören“, sagt Andreas Müller. „Zu uns darf jeder kommen, außer natürlich Frauen“, sagt Müller und schmunzelt: „Die werden nur zweimal im Jahr zum Mitkochen eingeladen.“

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