Christliche Themen für jede Altersgruppe

Das Asyl-Pfarrhaus

LANGENBRAND (Dekanat Neuenbürg) – Seit September wohnen zehn Asylbewerber aus Eritrea in der leerstehenden Pfarrwohnung in Langenbrand. Der Kirchengemeinderat hat das einstimmig beschlossen und tut nun viel für die Integration der jungen Männer. 


Die Männer aus Eritrea mit Kirchen­gemeinderat Reinhold Burgbacher. (Foto: Gemeindeblatt)

Seit Kurzem hat Reinhold Burgbacher einen ganz besonderen Praktikanten in seiner Firma. Es ist Mulue aus Eritrea. Er spricht zwar kaum Deutsch, ist aber sehr engagiert und motiviert. So schwierig es für ihn ist, das Wort „Hammer“ zu verstehen, so geschickt stellt er sich an, wenn er damit arbeiten muss.

Reinhold Burgbacher (62) besitzt eine Schreinerei in Langenbrand im Nordschwarzwald. Außerdem ist er Mitglied im Kirchengemeinderat und im CVJM, beides seit fast 40 Jahren. Als die Gemeinde Schömberg fragte, ob sie die Pfarrwohnung für die Unterbringung von Asylbewerbern mieten könnte, hat er genau wie seine Ratskollegen keinen Moment gezögert: „Die Entscheidung war einstimmig.“

Das Pfarrhaus wäre ohnehin nicht mehr benötigt worden. Schon vor ein paar Jahren war die Kirchengemeinde Langenbrand mit Engelsbrand zusammengelegt worden und nachdem das nicht wirklich funktioniert hat, entsteht nun am 1. Januar 2016 ein neuer Verbund mit der Gemeinde Schömberg: Zu der gehört Langenbrand kommunal ohnehin schon lange und arbeitet auch bei Gottesdiensten und in der Jugendarbeit mit den Schömbergern zusammen.

Pfarrerin Dorothee Soevde, die sich ab dem nächsten Jahr mit einer 50-Prozent-Stelle um Langenbrand kümmern wird, tut dies im Wesentlichen von Schömberg aus und wohnt privat in Engelsbrand. Dem Mietvertrag mit der Gemeinde stand also nichts mehr im Wege, im Einvernehmen mit dem Oberkirchenrat wird die Pfarrwohnung für drei Jahre der Kommune überlassen. Nur die Diensträume im Untergeschoss werden weiter von der Kirchengemeinde genutzt.

Am 1. September kamen die neuen Bewohner im Pfarrhaus in Langenbrand an: Zehn Asylbewerber aus Eritrea, junge Männer zwischen 19 und 35 Jahren, die zuvor ein Jahr lang in der Erstaufnahmestelle in Bad Wildbad waren. Acht von ihnen sind orthodoxe Christen, einer ist Katholik und ein anderer Moslem. In ihrer neuen Bleibe teilen sie sich vier Zimmer, eine Küche und ein Wohnzimmer.

In der Mitte des Wohnzimmers steht eine Tischtennisplatte. Tadese (25) kann schon richtig gut spielen, wer gegen ihn antritt, hat es schwer zu gewinnen. Über Tadeses Bett hängt ein großes Bild von Jesus, er ist stolz darauf, deutet auf das Kreuz daneben und sagt „orthodox“.

Tadeses Deutsch hört sich nicht schlecht an. „Salat, Fisch, Fleisch“: Das könnte jetzt auch ein Einheimischer gesagt haben, doch mit den ganzen Sätzen hapert es. Zweimal die Woche kommt ein ehrenamtlicher Helfer und gibt Deutschunterricht. Zu wenig, wenn es richtig vorangehen soll.

Da ist es ein Glück, dass mit Yonas (28) einer in der Gruppe ist, der die deutsche Sprache bereits recht gut beherrscht. Zu Hause war er Lehrer und dolmetscht alles, wozu die anderen noch nicht wirklich in der Lage sind. Wenn Reinhold Burgbacher irgendetwas von den Eritreern will, ruft er Yonas an.

Reinhold Burgbacher kümmert sich um die neuen Bewohner im Pfarrhaus in Langenbrand. Er ist Mitglied im Asylforum und hat in seinem Werkstattkeller ein kleines Fitnessstudio, in das er auch die Asylbewerber einlädt. Die kommen gern und begegnen dort nun anderen jungen Menschen aus der Kirchengemeinde. „Es ist wichtig, dass man sich kennenlernt“, sagt Reinhold Burgbacher, gerade wenn es eine reine Männergruppe ist und Ängste da sind. Die Integration von Familien mit Kindern ist da erheblich leichter.

Sie funktioniert dennoch bereits recht gut mit den Eritreern aus dem Pfarrhaus. An Erntedank feierten sie nicht nur zusammen mit der Kirchengemeinde, sondern kochten auch. So gab es eritreische Spezialitäten und Maultaschen „und dann haben wir noch versucht, ihnen zu erklären, warum sie auch Herrgottsbscheißerle heißen“, sagt Reinhold Burgbacher und lacht.  Immer wieder übernehmen die Eritreer auch soziale Dienste: Die Wiese mähen, den Pfarrsaal ausräumen, Arbeiten am Haus. Demnächst könnte das Schneeschippen anstehen. „Bisher“, sagt Reinhold Burgbacher, „funktionieren alle Absprachen wirklich gut“.

Schneeschippen ist nicht wirklich das, was sie in Afrika gelernt haben. Ähnliches gilt für das Fahrradfahren, das ihnen im Straßenverkehr nicht so leicht fällt. Demnächst werden sie im Verkehrsübungsplatz in Calw einen Fahrrad-Kurs belegen.

Amanuel fragt, ob er einen Kaffee kochen soll. Und macht auf dem Weg in die Küche gleich das Licht aus. „Strom sparen“, sagt Reinhold Burgbacher und freut sich, wie aufmerksam die jungen Männer doch sind. Sie hören zu, wollen lernen und sich integrieren – doch ob sie bleiben dürfen, ist eine andere Frage. Viele haben ihre nordafrikanische Heimat verlassen, weil sie dem Militärdienst in Eritrea entfliehen wollten. Oft dauert der unbegrenzt lange, mit einem ungewissen Ausgang und Offizieren, die für ihre Willkür bekannt sind.

Jetzt geht es vor allem darum, dass die jungen Eritreer in Langenbrand ihr Deutsch verbessern. „Schule, Schule“, sagen sie immer wieder. Schreiner Burgbacher kann sich gut vorstellen, dass der Bewerbermangel in den Handwerksberufen durch Flüchtlinge etwas gemildert wird: „Da sind viele dabei, die wir gut brauchen können.“

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