Christliche Themen für jede Altersgruppe

Der Aufstieg der Seele zu Gott

In diesem Frühjahr ist der 400. Geburtstag der württembergischen Prinzessin Antonia begangen worden. Der Nachwelt ist sie vor allem durch ein großartiges und zugleich auch bis heute geheimnisvolles Bild in Erinnerung geblieben: durch die kabbalistische Lehrtafel. Am 25. August beim Glaubensweg des Gemeindeblattes in Bad Teinach erfahren Sie mehr über Antonia und die Lehrtafel.

Bild: Ausschnitt aus der Außentafel: Der Brautzug der Sulamith. (Foto: Evangelische Kirchengemeinde Bad Teinach)

Wer kennt nicht das bekannte und beliebte Morgenlied „Morgenglanz der Ewigkeit“ (Evangelisches Gesangbuch, Nummer 450). Der christliche Kabbalist und Dichter Christian Knorr von Rosenroth (1636 – 1689) beschreibt in diesem Morgenlied ein ganz ähnliches Empfinden wie es die Bilder der kabbalistischen Lehrtafel des Altars in Bad Teinach tun. Hier wie dort ist es das Licht beim Sonnenaufgang als Gleichnis für das nie vergehende Licht Gottes, seine ewige Herrlichkeit und seinen göttlichen Segen, der auf uns Menschen täglich herabströmt.

Der Altar mit der kabbalistischen Lehrtafel der Prinzessin Antonie wurde von Johannes Strölin (1620 – 1663) entworfen und im Frühjahr 1673 zum 60. Geburtstag Antonias in einem festlichen Gottesdienst eingeweiht. In diesen Bildern sind auf einzigartige Weise kabbalistische Motive des Sefirotenbaumes mit christlicher Interpretation der jüdischen Mystik kombiniert worden. Sie veranschaulichen dem Betrachter meisterhaft, wie die menschliche Seele durch die kontemplative Betrachtung des Systems der göttlichen Kräfte zu ihrem Ursprung, ja zu ihrem göttlichen Vater aufsteigen und damit das Herabfließen des göttlichen Lichts beziehungsweise Segens auf unsere Welt bewirken kann.

Auf der Außentafel des Altars ist der Brautzug der Sulamith abgebildet. Das ist ein Sinnbild für den Aufstieg der Seele zu ihrem göttlichen Ursprung, der Christus ist. Christus nämlich setzt Sulamith (Hohelied 7,2) – in Gestalt der Prinzessin Antonia – die Krone des Lebens aufs Haupt. Damit kommt die Liebesbeziehung zwischen Gott und seinem Volk Israel zu Ausdruck, wie sie vor allem im Hohelied beschrieben wird.

Mystische Tradition im Judentum

Die Kabbala ist die mystische Tradition im Judentum. In der Tradition der Kabbala wird so die erotische Beziehung zwischen dem männlichen Mystiker und dem weiblichen Teil der Gottheit, der Schechina (der irdischen Einwohnung Gottes) ausgedrückt. Sie führte im Idealfall zur himmlischen Hochzeit, also der mystischen Vereinigung zwischen Gott und dem Kabbalisten durch gerechtes Handeln, Kontemplation und Gebet.

Bekannt ist dieses Phänomen aus der sogenannten „Brautmystik“ des Pietismus. Dort wird diese Beziehung als das Verlangen der frommen Seele nach dem Bräutigam Christus dargestellt. Dies sieht man hier in Gestalt der Antonia – verkörpert als Braut Christi. Antonia führt den Brautzug vor ihren beiden Schwestern und einer dritten Frauengestalt an, die noch die Schleppe als Zeichen ihrer Zugehörigkeit zu den beiden anderen hält.

Glaube, Liebe, Hoffnung

Dabei sind ihre Schwester Anna Johanna als Sinnbild der Hoffnung, Sibylla als Verkörperung des Glaubens und die dritte Frau als Symbolfigur der Liebe – also die drei theologischen Tugenden – dargestellt. Sie werden im Liedvers der Braut (auf dem Spruchband darüber) als deren Lebensinhalt gepriesen und bilden die Brücke zum kabbalistischen Hauptbild der Innentafel.

Das Hauptbild wird auch als Antonias Turm bezeichnet in Anlehnung an den Turm zum Schutz des Jerusalemer Tempels. Es zeigt mit vielen kleinen einzelnen Szenen aus jüdischer und christlicher Tradition den Aufstieg der Seele zu Gott. Er ist in der kabbalistischen Literatur die Entsprechung zum göttlichen Segen, welcher durch das göttliche Sefirotensystem in den irdischen Bereich herabfließt. Die Lehre der Sefirot (Seins- beziehungsweise Handlungsweisen Gottes) bilden das Kernstück der mittelalterlichen Kabbala. Dies sieht man sehr schön auf der Abbildung eines der Hauptwerke der Kabbala (Zeichnung oben), den Pforten des Lichts (Sha’arei Orah) von Josef Gikatilla (1248 – 1325) beziehungsweise der lateinische Übersetzung durch Paulus Riccius. Die obersten drei Sefirot bilden eine Einheit: Keter (Krone), Chochma (Weisheit) und Binah (Einsicht). Dabei ist Keter dem transzendenten Gott am nächsten oder sogar identisch mit ihm. In dieser oberen Triade bildet Chochma (Weisheit) das männliche Prinzip und Binah (Einsicht, obere Mutter) das weibliche ab. Tiferet (Pracht/Schönheit) in der Mitte des Systems kann als deren Sohn interpretiert werden.

 

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