Christliche Themen für jede Altersgruppe

Der lange Weg zur Taufe

FREUDENSTADT – Es gibt diese ganz besonderen Momente im Leben eines Menschen. Für Iris Hofmann war es der Entschluss, sich als Erwachsene taufen zu lassen. Mit 48 Jahren holte die Restaurantleiterin aus Freudenstadt nach, was ihr als Kind in der DDR einst verwehrt blieb. 


Tauffeier in Friedrichstal: Iris Hofmann (Mitte) mit Taufzeugen und Pfarrerin Heike Hauber. (Foto: Gemeindeblatt)

In der kleinen Michaelskirche in Baiersbronn-Friedrichstal sagte Iris Hofmann: „Ja, ich will“. Tief bewegt sprach sie die Worte, die sie schon lange in ihrem Herzen bewegte. Nahm aus den Händen von Pfarrerin Heike Hauber ihre Taufkerze entgegen und feierte beim Gastronomiegottesdienst ihre Aufnahme in die christliche Gemeinde.

Es war der krönende Abschluss einer langen Entwicklung, die in den siebziger Jahren zu Hause in Cottbus begonnen hatte. Damals ging das kleine Mädchen heimlich mit der Großmutter in die Kirche. Es war ein wunderbares Gefühl der Geborgenheit, das sie dort erlebte, ein Gefühl, das sie Zeit ihres Lebens nicht vergessen sollte.

Nach außen tragen konnte sie es dennoch nicht: Christ zu sein war in der DDR verpönt, „wer seinen Glauben bekannte, wurde ausgegrenzt“, erinnert sie sich. So führte sie offiziell ein Leben, das im Sinne des Regimes war: FDJ, Partei-Mitgliedschaft, Studium der Betriebswirtschaft. 1989 hatte sie genug davon und blieb nach einem Verwandtschaftsbesuch mit ihrer Schwester im Westen. Das war wenige Monate vor dem Mauerfall.

Den erlebte sie in Alpirsbach im Nordschwarzwald. Es war wie ein Wunder: Mit einem Male war die quälende Sorge, wann sie ihre Eltern und Verwandten wiedersehen würde, einer großen Erleichterung gewichen. Die Grenzen waren offen, nun konnte man sich endlich frei entscheiden.

Ihre Entscheidung fiel zugunsten des Schwarzwaldes. Längst hatte sie sich an die gute Luft hier gewöhnt und das Leben fernab der Ballungszentren: „Ich mag meine Heimat Cottbus“, sagt sie heute, „aber ich könnte mir nicht mehr vorstellen, in einer großen Stadt zu leben.“

So begann sie im Schwarzwald, in Alpirsbach, Wurzeln zu schlagen und erste gastronomische Erfahrungen bei ihrem Lebensgefährten Kurt Jäkle zu sammeln, der dort den Gasthof Waldhorn betrieb. Mit ihm ging sie später auch ins Hotel Hohenried nach Freudenstadt, wo sie heute Restaurantleiterin ist.

Das Hohenried ist ein richtiger Schwarzwaldgasthof für Urlauber, die manchmal auch aus dem Ausland kommen. Aus China zum Beispiel. Und das ist kein Zufall, weil der Eigentümer des Hotels nämlich ein in Frankfurt lebender Chinese ist. „Ein wunderbarer Chef,“ erzählt Iris Hofmann, „er hat Vertrauen und lässt uns machen.“

Als sie 2009 ins Hotel Hohenried kam, da hatte sie auch schon schwere Zeiten hinter sich gebracht: Der Freund war krank geworden, das Geschäft nicht mehr gelaufen und sie selbst in eine schwere persönliche Krise geraten. Stets fand sie dabei Trost im Glauben, Hoffnung und Zuversicht, dass nach den schlimmen Zeiten auch wieder bessere kommen würden.

Als Gastronomiepfarrerin Heike Hauber 2015 zum Ostergottesdienst einlud, da traute sie sich endlich zu fragen: „Gibt es die Möglichkeit, dass ich mich auch als Erwachsene taufen lasse?“ Lange hatte sie gezögert, „weil doch normalerweise die Kinder getauft werden“. Doch die Reaktion der Seelsorgerin ermutigte sie, den Schritt jetzt wirklich zu tun – und ihn im Gastronomie-Gottesdienst zu bekennen.

„Ein wunderbarer Moment, ein großartiges Gefühl“, sagt sie noch heute. Begleitet von ihrem Lebensgefährten Kurt Jäkle und den Taufzeuginnen Yolande Nowinski-Eisele und Ingrid Christmann erlebte sie ihn an jenem Abend ganz intensiv. „Das gute Gefühl hält noch immer an“, sagt sie und dass sehr viel Kraft und Gelassenheit für sie damit verbunden sei.

Es war ein wenig wie damals, als sie mit der Oma in die Kirche ging und diese kostbare Erinnerung für sich im Herzen bewahrte.




Luthers-Familienzeit

Jetzt Online-Magazin testen.

THEMA - Die Bergpredigt

Ausgabe 3/2017

Evangelisches Gemeindeblatt

Aktuelle Ausgabe 34/2017

Meinungsumfrage

Meinungsumfrage

Haben Sie durch die Veranstaltungen zum Reformationsjubiläum persönliche Impulse bekommen?
Ja.
Nein
Ich weiß es nicht