Christliche Themen für jede Altersgruppe

Die Vesperkirche als Lernort

NAGOLD – Auch wenn die Vesperkirche zeitlich begrenzt ist, sie wirkt lange nach. Bei denen, die das Essen genossen, Zuspruch und ein Miteinander erlebt haben – aber auch bei den Organisatoren und Helfern. Ein Fazit von beteiligten Schülern des Otto-Hahn-Gymnasiums. 

Sarah Binder, Paul Ehrmann und Anna Graf (von links) vom Otto-Hahn-Gymnasium waren bei der Vesperkirche in Nagold dabei.  (Foto: Bärbel Altendorf-Jehle)

Zwanzig Schüler des Otto-Hahn-Gymnasiums Nagold hatten sich für den Seminarkurs „Soziales Engagement“ entschieden. Sie lernten dabei die Theorie des sozialen Engagements kennen, aber auch die Praxis: Ein Jahr lang waren sie an den Vorbereitungen der Vesperkirche Nagold beteiligt und halfen mit.

Die Vesperkirche ging an den jungen Menschen nicht spurlos vorbei. Sie war eine Bereicherung, die viele nicht missen möchten. „Es war anstrengend, interessant aber vor allem einmalig“, fasst Sofia Blessmann ihre Eindrücke zusammen. Paul Ehrmann beispielsweise verwaltete und gestaltete die Internetseite für die Vesperkirche. „Es hat meinen Horizont erweitert in Bezug auf die Arbeit mit einer Homepage, aber auch im Hinblick auf soziale Bedürfnisse anderer“, sagt er.

In Nagold ist die Vesperkirche auch deshalb so interessant, weil dazu die Kirche ausgeräumt wird. Die Bankreihen werden durch Tische und Stühle ersetzt. Mancher Gastronom würde sich die Finger danach lecken, solch ein Ambiente vorweisen zu können: historische Sandsteinbögen, bunte blau-rote Kirchenfenster, die den großen Raum je nach Tageszeit in ein ganz besonders Licht tauchen.
Ein Restaurant in der Kirche? Nein, so sieht es die evangelische Kirchengemeinde von Nagold nicht. Eher eine gelebte christliche Gemeinschaft. „Es war für mich ein Genuss, gemeinsam in Gesellschaft mit andern hier in der Kirche zu essen“, sagt Silas Frank.

Ein Genuss war es auch für die Menschen, die sich sonst das „Essengehen“ nicht leisten können. Ein Genuss für jene, die jeden Cent umdrehen müssen. Ein Genuss für die, die sich nach Gemeinschaft sehnen.

Sofia Blessmann hatte die Idee, Flüchtlinge in ihrer Sprache zur Vesperkirche einzuladen. Dafür gestaltete sie einen Flyer, der Flüchtlinge nicht nur in englischer und französischer, sondern auch arabischer Sprache anspricht. Die Broschüre wurde in den Gottesdiensten und im Asylheim verteilt.
Sofia Blessmann gefiel die gelebte Solidarität durch die Vesperkirche besonders gut. Sie sieht darin „einen Beweis der Menschlichkeit“.

Die Gymnasiasten kümmerten sich auch um Sozialpraktikanten der neunten Klassen, die über 20 Stunden ein Praktikum in der Vesperkirche leisteten. Auch die Organisation der täglichen Kinderbetreuung während der Vesperkirche übernahmen die Schüler des Otto-Hahn-Gymnasiums. Sie planten, bereiteten Bastelarbeiten vor und konnten Frauen aus der Lese-Ecke der Stadtbibliothek für die Betreuung der Kinder gewinnen.

Gerade die Unterschiedlichkeit der Menschen, die zur Vesperkirche kommen, war eine wertvolle Erfahrung, die viele Schüler nicht missen möchten. Da sitzt der Professor neben einer Alleinerziehenden, die sich freut, mit ihren drei Kindern auch mal ins Restaurant, ins „Kirchenrestaurant“, gehen zu können. Für Lisa Thielsch war es eine besondere Erfahrung mit so unterschiedlichen Menschen in Kontakt zu kommen.

Manche Schüler haben auch bei der Essensausgabe mitgeholfen. Mit sonnengelben Schürzen, passend zum Blumenschmuck und den gelben Servietten. Was auch als Symbol gemeint war, Sonne in die Herzen der Menschen zu bringen. „Der ehrenamtliche Einsatz war eine lehrreiche Erfahrung, die mir auch was für die Zukunft bringen wird“, davon ist Tabea Withlock überzeugt.

Die Gymnasiasten haben auch Grundschüler dazu animiert, etwas zur Vesperkirche beizutragen. So entstand ein Hiphop-Tanzprojekt, das die Gäste der Vesperkirche von den Grundschülern zu sehen bekamen. Die Besucher zeigten sich begeistert, einige tanzten sogar mit.

Eine ganz besondere Idee war der Dankeschön-Abend für Sponsoren. Bei einem zünftigen Vesper und Jazzmusik wurde den Sponsoren gedankt, ihnen die Idee der Vesperkirche nahegebracht und gezeigt, wie sinnvoll ihre Investition ist. Die Schüler selbst hatten mit einem Benefizkonzert über 1000 Euro für die Vesperkirche erwirtschaftet.

Die Schüler des Otto-Hahn-Gymnasiums haben viel gelernt. Es war eine Menge Arbeit und sie waren plötzlich mitten drin im gesellschaftlichen Leben Nagolds mit armen und reichen Menschen. Allen Schülern wird dabei, wie sie unisono sagen, die erlebte Herzlichkeit noch lange in Erinnerung bleiben.
Salome Menzler fasst das Erlebte so zusammen: „Es war eine Erfahrung, die uns zeigte, dass es überall Bedürfnisse gibt, ob es nun finanzielle, materielle oder soziale sind. Für jeden Menschen war es, denke ich, wunderbar und schön, Vesperkirche zu erleben und mittendrin zu sein.“

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