Christliche Themen für jede Altersgruppe

Durch und durch evangelisch

HERRENBERG – Im Auftrag des Herzogs schuf der Maler Heinrich Füllmaurer aus Herrenberg einen der ersten protestantischen Altäre in Württemberg. Jetzt kehrt der so genannte Mömpelgarder Altar an den Ort seiner Entstehung zurück: als Nachbau zum Anfassen und Entdecken. Er zeigt das Leben Jesu auf 157 Tafeln und ist Herrenbergs Beitrag zum Themenjahr „Bild und Bibel“. 


Der neue Mömpelgarder Altar in Herrenberg. (Foto: Gemeindeblatt)

Am 10. September 1537 lud der Herzog von Württemberg zu einer Besprechung am Fuße der Schwäbischen Alb ein. Sie sollte später als „Uracher Götzentag“ in die Geschichte eingehen. Dort wurde verfügt, dass bildliche Darstellungen aus den neuen protestantischen Kirchen in Württemberg zu verschwinden hätten. Eine strenge Linie, angelehnt an die radikalen Reformer aus der Schweiz, deren Fürsprecher in Württemberg Ambrosius Blarer war.

Die Suppe wurde freilich nicht so heiß gegessen, wie sie gekocht wurde. Vielerorts fiel der Bildersturm sehr zurückhaltend aus, und schon drei Jahre später war es der Herzog selbst, der neue Kirchenbilder in Auftrag gab: Es waren zwei Altäre, die das Leben Jesu zeigen, opulent ausgestattet mit fast 160 Bildtafeln und drei Flügeln auf jeder Seite, über drei Meter breit und knapp zwei Meter hoch.

Den Auftrag gab der Herzog einem Maler aus Herrenberg, der während der Reformation in der dortigen Stiftskirche arbeitete: Heinrich Füllmaurer. Empfohlen hatte ihn womöglich der Hofprediger in Stuttgart, ein gewisser Kaspar Gräter, der zuvor erster evangelischer Pfarrer in Herrenberg war.

Zusammen machten sie sich ans Werk: Füllmaurer malte und Gräter suchte die dazu passenden Bibelworte heraus. Verse aus Luthers Übersetzung von 1522, mit Angaben der genauen Stellen in der Schrift. Endgültig vorbei war die Zeit der Heiligenlegenden und falschen Götzen, wie sie in Urach gebrandmarkt worden waren. Nur, was auch wirklich in der Bibel stand, durfte fortan dargestellt werden.

Der eine der beiden Altäre ging über nicht weiter geklärte Umwege ins thüringische Gotha. Der andere in die deutsche Kirche des damals württembergischen Mömpelgard. Es heißt heute Montbéliard und liegt in Frankreich. Im Dreißigjährigen Krieg landete der Mömpelgarder Altar als Beutegut in Wien und verschwand dann für Jahrhunderte in den Magazinen der Stadt.

Nun ist der Mömpelgarder Altar ans Licht der Öffentlichkeit zurückgekehrt, und das gleich in doppeltem Sinne: Seit 1. März 2013 kann das Original erstmals in der Kunstkammer des Kunsthistorischen Museums in Wien besichtigt werden und ab dem 18. September wird ein Nachbau in Herrenberg selbst zu sehen sein.

Dass es diesen Nachbau überhaupt gibt, ist vor allem dem früheren Bürgermeister Helmut Maier zu verdanken. Maier beschäftigt sich schon seit Jahren mit den beiden frühreformatorischen Altären aus der Werkstatt in Herrenberg und trat nun mit der Idee an Dekan Eberhard Feucht heran.

Der zeigte sich sehr angetan und unterstützte die Idee von Anfang an: Sie passt vorzüglich zum Themenjahr „Bild und Bibel“, das 2015 im Rahmen der Reformationsdekade begangen wird. So zögerten Eberhard Feucht und der Herrenberger Kirchengemeinderat nicht lange, zumal die Landeskirche 10?000 Euro beisteuerte. Die restlichen 16?500 Euro wurden über Spenden aufgebracht, „die Finanzierung“ sagt Eberhard Feucht, „erfolgte ganz ohne Haushaltsmittel“.

Was dabei herauskam, kann sich durchaus sehen lassen. Es ist eine  fast gleich große Nachbildung des Mömpelgarder Altars, eine digitale Reproduktion, auf der gestochen scharf die Bilder aus dem Leben Jesu zu sehen sind. Der große Unterschied zum Original: Berühren ist nicht nur erlaubt, sondern sogar ausdrücklich erwünscht. Was von weitem wie eine Kopie aussieht, ist in Wahrheit ein auf modernem Material gefertigter Aufdruck. Man könte auch sagen: Eine Ausstellungswand, die in ihrer Form einem sechsflügeligen Altar ähnelt.

Bei der Umsetzung dieses „neuen Mömpelgarder Altars“ halfen der Herrenberger Designer Ralf Krauss und der Böblinger Werbetechniker Karl Jehle. Die heute nur noch schwer lesbaren Bibelverse auf den Bildern übertrug Helmut Maier so, dass man sie nun bequem Tafel für Tafel nachlesen kann.

Am Ende steht nun ein 400 Kilogramm schwerer Altarnachbau, der künftig die Empore des Stiftskirche zieren soll. Dazu gehören mehrere Aufsteller, in denen das Leben Füllmaurers, Gräters und die Geschichte des Altars beschrieben werden. Eine kleine Ausstellung, die auch auf Wanderschaft gehen kann.

„Vielleicht“, sagt Dekan Feucht, „bleibt sie ja auch fest bei uns hier in der Stiftskirche, das müssen wir noch sehen.“

Immerhin hatten die Herrenberger im späten 19. Jahrhundert ja den Verlust eines bedeutenden Altars in der Stiftskirche zu verzeichnen: Aus freien Stücken veräußerte der damalige Stadtrat den wertvollen Hochaltar von Jörg Rathgeb an die Staatssammlung in Stuttgart. Er stammte aus der Zeit um 1520 und galt als zu katholisch.


Information

Die Ausstellung „Der neue Mömpelgarder Altar“ in der Stiftskirche in Herrenberg wird am 18. September eröffnet und ist dann zunächst bis 31. Oktober dort zu sehen. Begleitet wird sie von einer Kinderbibelausstellung.  Die Stifstkirche ist täglich außer Montag von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Das Original des  Altars wird in der Kunstkammer des Kunsthistorischen Museums Wien gezeigt: www.khm.atBerühren  erlaubt

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