Christliche Themen für jede Altersgruppe

Ein Altar als Meisterstück

EMPFINGEN (Dekanat Sulz) – Die Prüfer der Schreinerinnung staunten nicht schlecht: Einen Altar als Meisterstück, das gab es hier noch nie. Es hat auch eine ganz besondere Bewandtnis damit. Denn Jens Fechtner hat sein Meisterwerk aus Dankbarkeit geschaffen.

Werkstück mit besonderer Bedeutung: Jens Fechtners Altar fürs Altenheim. (Foto: Bärbel Altendorf-Jehle)


Alles begann vor drei Jahren mit einem schweren Berufsunfall. Wie, wo, warum? Jens Fechtner möchte nicht darüber sprechen. Nur so viel: Er ist vom Gerüst gestürzt. Aber es muss wohl eine Zäsur in seinem Leben gewesen sein. Seinen  Beruf als Schreiner konnte er jedenfalls, so wie früher, nicht mehr ausüben.

Der 36-Jährige suchte nach anderen Wegen, machte eine Weiterbildung zum Holztechniker und qualifizierte sich als Schreinermeister, um künftig als Ausbilder tätig sein zu können. Dazu bedurfte es der Meisterprüfung und die verlangt ein Meisterstück. „Es sollte etwas ganz Besonderes werden“, sagt Jens Fechtner. „Ich wollte etwas schaffen für jemanden, dem es schlechter geht als mir.“

Obwohl Katholik, zog Fechtner den evangelischen Pfarrer Christoph Gruber ins Vertrauen. „Meine Frau ist Protestantin und die Predigten von Pfarrer Gruber gefallen mir sehr gut“, sagt er. Fechtner hatte daran gedacht, ein Stehpult für die Friedhofskapelle zu bauen. Christoph Gruber hatte jedoch die bessere Idee: Alle 14 Tage gibt es im Alten- und Pflegeheim in Empfingen einen Gottesdienst. Eine Decke über dem Tisch und ein Kreuz bildeten den Altar.

„Wie wäre es, wenn Sie den Senioren einen Altar bauen?“, schlug Gruber vor. Einen Altar, zugeschnitten auf alte, kranke Menschen, der im Aufenthaltsraum des Heimes steht, aber nicht als Mittelpunkt und raumfüllend. Er soll vielmehr nur dann in Erscheinung treten, wenn er tatsächlich auch gebraucht wird.

 „Ich wusste nicht, ob ich dem gerecht werden kann“, sagt Fechtner, doch er wollte es versuchen. Der angehende Meister besuchte Seniorengottesdienste, um herauszufinden, was Menschen mit Demenz und Seheinschränkungen brauchen. Es sind vor allem gut sichtbare Symbole, erkannte Jens Fechtner. In insgesamt über 120 Stunden ist ein Möbelstück entstanden, das im geschlossenen Zustand wie ein hoher schmaler Schrank aussieht. Wird der Schrank jedoch aufgeklappt, entsteht ein großes Kreuz. Fechtner hat Koffertüren eingebaut und in die kastenförmigen Hohlräume rechts und links zwei Kerzenhalter angebracht. In der Mitte ist das Glas-Kreuz. Ein Knopfdruck und schon strahlt es in Goldgelb-Rot. Die Rückwand wird von einem Lichtband umkränzt. Davor gibt es Platz für die aufgeschlagene Bibel. Der untere Teil des Schrankes kann separat geöffnet werden und bietet Platz für alles, was man für den Gottesdienst braucht.

Jens Fechtner hat für seinen Altar Eichenholz und Eichenfurnier verwendet. „Es ist das dauerhafteste Holz, das es gibt“, sagt Fechtner. „Es symbolisiert für mich die Ewigkeit. Ich hoffe, dass sich viele Generationen an diesem Altar erfreuen können.“

Der Altar ist mit seinen 170 Zentimetern Höhe und einer Breite von 60 Zentimetern niedrig geraten. „Mit Absicht“, erklärt Fechtner. Es ist ein Altar für Senioren. Rollstuhlfahrer können bequem davor fahren. Hocker laden zum Sitzen und Innehalten ein, denn in dieser Position hat der Altar seine richtigen Proportionen. Wird im Seniorenheim gemeinsam ein Gottesdienst gefeiert, dann ist der Altar in der richtigen Höhe für alle Davorsitzenden.

Hat ein Bewohner des Hauses das Bedürfnis, mit Gott zu reden, kann er zum Schrank gehen, diesen selbst öffnen und sich vor den Altar setzen. Bei Bedarf können auch Rollen unter dem Altar angebracht werden, so könnte er auch in die Zimmer bettlägeriger Menschen geschoben werden, um dort Gottesdienst zu feiern.

Das praktische Meisterstück, das in einem ökumenischen Haus entstanden ist, steht mittlerweile schon im Alten- und Pflegeheim Empfingen. Es wurde mit einem Gottesdienst eingeweiht und wird nun auch dort ökumenisch genutzt. Alle sind mit dem Ergebnis zufrieden: Die Prüfer der Schreinerinnung, der Pfarrer Christoph Gruber, die Betreiber des Alten- und Pflegeheims in Empfingen, die Senioren. Und Jens Fechtner selbst, denn er ist der Aufgabe gerecht geworden.

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