Christliche Themen für jede Altersgruppe

Ein Fall für die Männerriege

HORB (Dekanat Sulz am Neckar) – Die Kette an dem alten Fahrrad hängt lasch herunter, eine Kaffeemaschine präsentiert ihr Inneres und eine Nähmaschine rattert unregelmäßig vor sich hin: Es herrscht Hochbetrieb im Horber Repaircafé. Reparieren statt wegwerfen lautet hier die Devise. Doch das Café ist weit mehr als nur eine Reparaturwerkstatt. 

Die Männerriege bemüht sich einen Häcksler wieder in Gang zu bringen. (Foto: Bärbel Altendorf-Jehle)


Ehrenamtliche zu finden ist nicht immer einfach. Beim Repaircafé in Horb war das jedoch kein Problem: Das Angebot ist ein typisches Männer-Projekt. So scheint es zumindest, denn es sind Männer, die hier ein Ehrenamt übernommen haben, und an diesem Donnerstagspätnachmittag sind es auch vorwiegend Männer, die mit Elektrogeräten unter dem Arm kommen.

Die Atmosphäre ist locker, fast so, als würde man kurz mal beim Nachbarn in dessen Werkstatt vorbeischauen und ihn fragen, ob er einem nicht behilflich sein kann. Und genau das soll das Repaircafé auch sein: ein Treffpunkt, der Begegnung schafft, der Gespräche ermöglicht, der etwas Licht in die Einsamkeit bringt.

Es wird hier nicht nur repariert, sondern auch debattiert und gefachsimpelt darüber, was wohl kaputt sein könnte. Wie es sich flicken lässt, warum diese Dinge immer so schnell defekt sind und dann angeblich nicht mehr repariert werden können. Themen, die für Männer abendfüllend sein können. Tisch und Bänke stehen ebenfalls in der Werkstatt der Bruderhaus Diakonie in der Saarstraße 2 in Horb. Das Haus bietet Kaffee und selbstgebackenen Kuchen zu einem bezahlbaren Preis an.

Sinn und Zweck des Repaircafés ist die Hilfe zur Selbsthilfe. „Wir ersetzen keinen Handwerker, wir setzen vielmehr dort an, wo Hersteller erklären, dass ein Neukauf billiger ist als eine Reparatur“, erklärt Walter Backa von der katholischen Arbeitgeberbewegung. Er ist mit für die Organisation zuständig. „Wir sind auch keine Konkurrenz zum örtlichen Handwerk, doch es gibt Menschen, die sich beispielsweise die Reparatur eines Fahrrades schlichtweg nicht leisten können.“

Diesen Menschen helfen die Mitarbeiter des Repaircafés, indem sie mit ihnen gemeinsam versuchen, das Fahrrad zu reparieren. Oder sie zeigen ihnen, wie es geht, damit sie das nächste Mal selbst den Reifen wechseln oder die Schaltung wieder in Gang setzen können. Wer möchte, kann etwas ins Sparschwein werfen. Mit dem Geld sollen Werkzeuge und Ersatzteile gekauft werden – bisher bringen das die Helfer selbst von zuhause mit.

Zwei Wochen nach der Garantiezeit hat die Kaffeemaschine ihren Geist aufgegeben. Ärgerlich, zumal sie gar nicht oft benutzt wurde. Josef Heinz, Elektroingenieur im Ruhestand, hat die Maschine aufgeschraubt, sucht nach einem möglichen Kurzschluss, verbindet Kabel, probiert die Maschine aus. „Ich glaube, nun geht sie wieder“, sagt er. Doch wie lange die Maschine funktionieren wird, kann er nicht sagen.

Jeder, der mit einem defekten Gerät ins Repaircafé kommt, muss mit seiner Unterschrift die Ehrenamtlichen von jeglicher Haftung ausschließen. Walter Backa: „Es kann durchaus sein, dass wir den defekten Föhn oder Toaster durch unseren Eingriff ganz kaputt machen. Dafür dürfen wir natürlich nicht haftbar gemacht werden.“

Ein Hingucker ist heute ein altes Röhrenradio. Hans Schwab aus Waldachtal-Crespach möchte, dass es wieder funktioniert. Es habe ihm bisher gute Dienste geleistet, sagt er, und die Tonqualität sei unschlagbar. „Mir fehlt leider ein Schaltplan“, sagt Vasile Oros, Physiklehrer und leidenschaftlicher Hobbyelektriker, und seufzt. „Aber ich werde es auf alle Fälle probieren.“ Nebenan am Tisch steht eine alte Kaminuhr. Ein junges Paar möchte die Uhr der Großmutter gerne repariert haben. Die Hobbyhandwerker können zumindest an diesem Tag nicht weiterhelfen, denn es fehlt der Schlüssel, um das wertvolle Stück zu öffnen.

Und dann ist da doch eine Frau in der Männerriege. Renate Fischer kürzt gerade eine Männerhose und näht sie dann gleich um. „Auch das hat ja was mit Reparieren zu tun“, sagt sie und lacht. Ein verwitweter Mann hat seine Hosen gebracht: Einen Schneider kann er sich nicht leisten und neue Hosen ebenso wenig. Ein weiterer Fall für das das Repaircafé.

Information
Das Repaircafé ist eine gemeinsame Initiative, unter anderem von der Arbeiterwohlfahrt Horb, der Bruderhaus Diakonie, der Stadt Horb, dem Bündnis für Familie sowie katholischen Verbänden. Es ist jeden ersten Donnerstag im Monat von 16.30 Uhr bis 19 Uhr in der Bruderhaus Diakonie in der Saarstraße 2 in Horb geöffnet.

Luthers-Familienzeit

Jetzt Online-Magazin testen.

THEMA - Die Bergpredigt

Ausgabe 3/2017

Evangelisches Gemeindeblatt

Aktuelle Ausgabe 34/2017

Meinungsumfrage

Meinungsumfrage

Haben Sie durch die Veranstaltungen zum Reformationsjubiläum persönliche Impulse bekommen?
Ja.
Nein
Ich weiß es nicht