Christliche Themen für jede Altersgruppe

Einmal ohne Mann und Kinder

HERRENBERG – Syrien, Kosovo, Irak: Flüchtlinge kommen aus den verschiedensten Ländern nach Deutschland. Vor allem für Frauen ist die Situation alles andere als einfach: Sie können oft kein Deutsch und haben darüber hinaus meistens auch wenige Kontakte außerhalb der Familie. In Herrenberg kümmert sich eine Gruppe seit mehr als 20 Jahren um sie. 

Für viele Flüchtlingsfrauen sind die Begegnungsabende eine willkpmmene Abwechslung. (Foto: Martin Janotta)


Auf einer Decke liegen buntes Obst und Gemüse: Möhren, Bananen, Äpfel, Birnen, Paprika. Und noch vieles mehr. Ein bisschen sieht es aus wie beim Erntedankfest. Auch wenn es bereits Mitte November ist und um den Klosterhof in Herrenberg strömender Regen niederprasselt.

Drinnen ist es schön warm. Und der Blick auf die saftigen Früchte lässt den einen oder anderen Magen knurren. „Heute fangen wir nicht mit Essen und Trinken an, sondern wir werden mit der Zeit hungrig und dann gibt es etwas“, sagt Gudrun Andrei. Die Frauen im Kreis nehmen es hin. Schließlich sind sie ja nicht nur des Essens wegen hier. Eine Gruppe von mehr als 30 Frauen hat sich im Kreis um die Lebensmittel versammelt. Manche von ihnen tragen ein Kopftuch, andere Gewänder aus ihren Heimatländern.  Auch drei jüngere und einige ältere deutsche Frauen sind dabei. Die übrigen Frauen stammen aus zahlreichen Nationen: Mazedonien, Serbien, Bosnien, Türkei, Irak, Iran, Syrien. Auch aus den Kurdengebieten und dem Kosovo. Die meisten von ihnen sind aus ihrer Heimat geflohen.

Seit über 20 Jahren gibt es die Gruppe „Frauen helfen Frauen“, die sich in Herrenberg und Umgebung um Flüchtlingsfrauen kümmert. Seit etwa vier Jahren leitet Gudrun Andrei die Gruppe. Die Norddeutsche bereitet mit ihrem Team, in dem auch eine Frau aus dem Kosovo und eine aus dem Irak mitarbeiten, die monatlichen Begegnungsabende vor. Immer zu einem anderen Thema. Heute heißt das Motto „Gesund ernähren – günstig einkaufen“. Daher die Bananen, Paprika und Birnen in der Mitte des Kreises. Aber was macht die Chipstüte da?

Gudrun Andrei erklärt den Frauen die Ernährungspyramide. Möglichst viel trinken, viel Obst und Gemüse, weniger Fleisch und so weiter. Ganz oben in der Pyramide kommt dann die ­Chipstüte zu ihrem Auftritt. Davon sollen die Frauen bitte nur ganz wenig essen. Wie wichtig diese Warnung ist, zeigt sich kurz danach. Drei Frauen mit Kopftuch kommen mit einem kleinen Kind. Das Kind ist gleich von den Lebensmitteln in der Mitte angezogen, es geht freudig auf sie zu – und greift nach der Chipstüte. Die Frauen lachen.

Wie werden die Frauen auf die Gruppe aufmerksam? „Ich gehe von Tür zu Tür in den Heimen und lade die Frauen ein“, sagt Gudrun Andrei. Auch mit anderen Vereinen für Flüchtlinge arbeitet sie zusammen. Je mehr Frauen aber in den vergangenen Jahren dazugekommen sind, desto schwieriger wurde es, Themen für die Abende zu finden. Denn viele können kaum oder gar kein Deutsch.

Auf Ahlam Allawi trifft dies nicht mehr zu. Vor 13 Jahren ist sie aus dem Irak geflohen – noch vor dem Krieg. Ihr Mann war Politiker und hatte gegen Saddam Hussein gekämpft. Die ersten drei Jahre in Deutschland waren schwer für sie, oft fühlte sie sich einsam. Mit dem Umzug nach Herrenberg besserte sich das. „Hier in der Gruppe habe ich die Möglichkeit, mal ohne Mann und Kinder rauszugehen, zu lachen und Spaß zu haben“, sagt sie. Inzwischen übersetzt sie für andere Flüchtlingsfrauen, geht mit ihnen zum Arzt und hilft bei der Organisation der Begegnungsabende.

Im Raum dreht sich das Gespräch inzwischen um die Essgewohnheiten in den verschiedenen Ländern. Die Frauen probieren für sie fremdes Essen aus: Müsli, Laugenstangen und deutsches Brot. So lassen sie den Abend ausklingen.



Die Begegnungsabende finden einmal im Monat mittwochs von 19 bis 21 Uhr im Klosterhof in Herrenberg statt. Informationen bei Gudrun Andrei, Telefon 07032-77611.

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