Christliche Themen für jede Altersgruppe

Ende gut, alles gut

FREUDENSTADT – Nach einem Nervenkrieg mit den Behörden darf Amonwan Gaiser (25) aus Thailand nun endlich in Deutschland bleiben. Gerettet hat sie ein Arbeitsplatz im Hotel Adler in Freudenstadt und die Hartnäckigkeit ihrer Chefin, für die das auch eine Frage der Nächstenliebe war. 

Ein Herz und eine Seele (von rechts): Amonwan, ihr Freund Phaira und Hotelchefin Beate Gaiser. (Foto: Benny Ulmer)


Heute hier, morgen dort: Der Satz hat für Amonwan nicht nur einen angenehmen Beiklang. Jetzt kann sie darüber wieder lächeln und ist einfach nur glücklich, dass alles gut gegangen ist. Dabei hatte alles so schwierig für sie begonnen.

Aber der Reihe nach: Sie ist sechs, als die Mutter nach Deutschland geht und heiratet. Sie wächst bei den Großeltern auf. Mit 18 entscheidet sie sich, der Mutter nach Freudenstadt zu folgen, wird von ihrem deutschen Stiefvater adoptiert und soll trotzdem wieder nach Thailand abgeschoben werden: Bei Volljährigen zieht die Adoption nicht automatisch das Aufenthaltsrecht nach sich.

Weil das in Freudenstadt keiner richtig begreifen will, setzen sich alle für sie ein – inklusive der Lokalzeitung. Dadurch wird auch die Hoteliersfamilie des Adler auf Amonwan aufmerksam, zumal die seit ihrer Adoption auch zufällig noch den gleichen Nachnamen trägt: Gaiser. So machen sich die Gaisers vom Adler für die Gaisers mit der thailändischen Tochter stark und wissen auch eine Lösung: Ein Ausbildungsvertrag als Fachkraft im Gastgewerbe soll für das Bleiberecht der jungen Frau sorgen.

Doch dann beginnt ein absurder bürokratischer Vorgang, der Amonwan geschlagene zwei Jahre lang zurück nach Thailand katapultiert: Dort muss sie am Goethe-Institut, bevor sie die Lehrstelle antritt, erst eine Sprachprüfung absolvieren und dann Monat für Monat auf ein Visum warten, das am Ende von der deutschen Botschaft sogar abgelehnt wird. Hotelier Beate Gaiser vom Adler in Freudenstadt ist heute noch fassungslos, wenn sie daran denkt.

Ihre Hartnäckigkeit und die Intervention des Oberbürgermeisters bei der Botschaft bringen Bewegung in die Sache. Am 24. August 2011 kommt Amonwan überglücklich wieder in Deutschland an. Wenige Tage später beginnt sie ihre Ausbildung im Adler und schließt sie Ende 2013 erfolgreich ab. Direkt danach wird sie in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen.

In der Berufsschule in Calw findet Amonwan auch ihr privates Glück: Dort lernt sie ihren Freund kennen, einen jungen Koch, der ebenfalls aus Thailand kommt. Inzwischen arbeitet auch Phaira Phonsamai (22) im Adler in Freudenstadt und schaut Küchenchef Armin Gaiser über die Schulter.

Die Geschichte mit Amonwan war auch für die Hotelier-Familie in Freudenstadt etwas ganz und gar Außergewöhnliches: „Wir wollten einfach nur helfen“, sagt Beate Gaiser, christliche Nächstenliebe praktizieren, „wo es nötig war“. Für Beate Gaiser ist der Glaube ein selbstverständlicher Bestandteil ihres Lebens, seit Jahren schon gehört sie zu den regelmäßigen Besuchern der Gastronomie-Gottesdienste, die im Kirchenbezirk Freudenstadt viermal im Jahr stattfinden.

Am Ende haben Beate (47) und Armin Gaiser (45) dann auch ein neues Kapitel in ihrem Betrieb aufgeschlagen: Denn Amonwan war die erste Auszubildende, die es unter ihrer Regie im Adler gab. Und eine, die sich dort bewährt hat: Längst gehört sie zur Stammbelegschaft und ist aus dem Adler-Team schon fast nicht mehr wegzudenken. Auch Spätzle und Schwarzwurst hat sie liebgewonnen und träumt mit ihrem Freund davon, eines Tages ein thailändisches Restaurant in Freudenstadt zu eröffnen.

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