Christliche Themen für jede Altersgruppe

Freude am Glauben

TUTTLINGEN – Seit zwei Jahren ist Sebastian Berghaus Dekan in Tuttlingen – und er sieht sich immer noch in der Anlaufzeit. „Man muss sich Zeit nehmen, die Menschen und ihre Geschichten zu durchschauen“, sagt der ehemalige Landespolizeipfarrer, der seine neue Aufgabe genießt.

Dekan Sebastian Berghaus: „Ich wünsche mir Kirchengemeinden, die ihren Menschen eine Heimat bieten.“ (Foto: Arno Specht/Stadt Tuttlingen)

Kein Zweifel: In der Tuttlinger Stadtkirche fühlt sich Sebastian Berghaus längst heimisch: „Die Atmosphäre hier ist wunderbar“, sagt der Dekan und schwärmt von dem „warmen, nicht zu grellen Licht“ des mächtigen Gotteshauses. Nur mit der Lage der Kanzel, die sich über dem gekreuzigten Jesus befindet, kann er sich nicht anfreunden: „Die nutze ich nicht, weil ich nicht über Christus stehen möchte.“ Ansonsten hält Berghaus liebend gerne Gottesdienste in der Jugendstil-Kirche, die mitten im Stadtzentrum liegt.

Längst ist der 50-Jährige, dessen Frau Karin Berghaus Gemeindepfarrerin in Immendingen ist, nicht nur in Tuttlingen selbst, sondern auch den umliegenden Gemeinden des Kirchenbezirks angekommen. Seit zwei Jahren ist er inzwischen Dekan des am südlichen Rande der württembergischen Landeskirche liegenden Kirchenbezirks. Davor war Berghaus Landespolizeipfarrer.

Das Seelsorgeamt präge ihn nach wie vor, sagt Berghaus: „Ein Dekan ist kein besserer Pfarrer, sondern ein Pfarrer mit spezieller Funktion.“ Der Kontakt zu den vielen ehrenamtlich arbeitenden Menschen mit ihren „unglaublichen Begabungen“ sei nach wie vor eine der schönsten Seiten an diesem Amt.

Dass, auch trotz zunehmenden finanziellen Belastungen der Gemeinden die Freude am Glauben nicht verloren geht, ist ihm wichtig. „Ich will, dass es den Menschen gut geht, auch in Zeiten schmerzhafter Veränderungsprozesse.“ Zu diesen Freuden zählen für ihn auch kulturelle Angebote, wie etwa das vielfältige Programm der Evangelischen Erwachsenenbildung in Rottweil und Schwenningen, den zwei anderen großen Städten im Kirchenbezirk, und die Kirchenmusik in der Stadtkirche Tuttlingen, die viele Menschen anlockt.

Viel Freizeit bleibe ihm bei seinem Dekanatsamt nicht, sagt Berghaus ganz ohne Bedauern: „Das stellte ich bewusst zurück. Meine Frau und ich haben unser Hobby zum Beruf gemacht und wir investieren ganz bewusst Zeit und Ruhe in Beziehungen, die das Amt mit sich bringt.“ Der Theologe sieht es als Privileg, in seinem Amt vieles selbstständig gestalten zu dürfen. Ein Punkt, den ihn, der sich selbst einen „großen Freiheitsdrang“ bescheinigt, schon früh an dem Amt des Seelsorgers gereizt hat.

Sebastian Berghaus ist in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen. In seiner Familie habe sich die ganze Vielfalt der Landeskirche widergespiegelt, erzählt der Vater von zwei Kindern lachend: „Mein Vater war Religionslehrer und ein intellektueller Sozi, mein Onkel evangelikaler Pietist und mein Bruder Jurist, der immer alles in Frage gestellt hat.“ Es habe zwar auch Reibereien gegeben, gleichzeitig habe jedoch jeder „viel Humor und Respekt“ für die Ansichten der anderen gehabt.

Für seine Amtszeit hat sich Sebastian Berghaus vorgenommen, an der volkskirchlichen Ausrichtung festzuhalten. „Ich wünsche mir, dass wir Kirchengemeinden haben, die ihren Menschen eine Heimat bieten.“ Dazu gehöre, „Brücken in die unterschiedlichen Lebenswelten zu bauten“ und etwa eine „fachlich hochqualifizierte Kinderbetreuung anzubieten“.

Wichtig sei ihm auch, dass die Landeskirche ihr missionarisches Profil und ihre Sonderpfarrämter behalte. „Wir müssen den Menschen hochprofessionell etwas bieten können – auf der Grundlage des Evangeliums.“

Information
Rund 55.000 Evangelische leben im Kirchenbezirk Tuttlingen. Zum Kirchenbezirk gehören der gesamte Landkreis Tuttlingen sowie vom Landkreis Rottweil die Kirchengemeinde Rottweil mit Außenorten, Deißlingen-Lauffen und Flötzlingen-Zimmern und vom Schwarzwald-Baar-Kreis Villingen-Schwenningen und Tuningen. Insgesamt gibt es 22 Kirchengemeinden, 36 Gemeindepfarrstellen, drei Krankenhauspfarrstellen und derzeit zwei Ausbildungsvikariate.

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