Christliche Themen für jede Altersgruppe

Großstadt in der Kleinstadt

CALW-HEUMADEN (Dekanat Calw) – Als die Bundeswehr nach Calw in den Nordschwarzwald kam, entstand auf der grünen Wiese der Stadtteil Calw-Heumaden. Bis heute ist es sehr schwierig, dort etwas Gemeinsames in Gang zu bringen. Eine Initiative der Diakonie mit dem Titel „Heumaden aktiv“ versucht das zu ändern. Durchaus mit Erfolg, wie das erste „Fest der Kulturen“ zeigt. 

Leckeres Mitbringsel: Schülerinnen der Heumadenschule verkaufen selbstgemachte Marmelade.(Foto: Gemeindeblatt)

Wieviele würden wohl kommen? Wird es nur Veranstalter oder wirklich auch ein Publikum geben? So ganz sicher konnte sich keiner sein, ob das „Fest der Kulturen“ in Calw-Heumaden wirklich auch zu einem Fest der Begegnung werden würde.

Am Ende waren alle erleichtert: Zu Hunderten waren die Menschen auf die Wiese zwischen Einkaufszentrum und evangelischer Kirche gekommen. Hatten miteinander gefeiert, gegessen und getrunken und dabei ganz erstaunliche Dinge über sich erfahren. „Wie lange wohnen Sie denn schon in Heumaden?“„30 Jahre.“ „Na, bei mir sind es auch schon 28.“

Mit 5000 Einwohnern ist Calw-Heumaden heute der größte der Calwer Ortsteile. Ein Höhenstadtteil, der unaufhörlich wächst. Erst waren es Sozialwohnungen für Bundeswehrangehörige Ende der 50er-Jahre, dann Neubauten der Heimatvertriebenen, schließlich Häuser für Migranten aus ganz Europa. Heute sind es Neubaugebiete für alle, weil unten im Tal kein Platz mehr ist und oben überdies die Sonne länger scheint.

Seit den späten 60er-Jahren gibt es eine evangelische und eine katholische Kirche sowie eine Grund- und Hauptschule in Calw-Heumaden. Doch ein Dorfleben wie in gewachsenen Ortsteilen will nicht in Gang kommen. So gibt es, abgesehen vom Förderverein der Schule, keinen Verein, der die Menschen zusammenbringt. Feiern und Fußballspielen geht man irgendwo anders, mit dem Ergebnis, dass die Anonymität entsprechend hoch ist. Selbst Menschen, die jahrzehntelang in der gleichen Straße wohnen, kennen sich oft nicht.

Eine Initiative des Diakonieverbandes Nördlicher Schwarzwald soll dies ändern. 2013 wurde sie ins Leben gerufen, Geburtshelfer waren Geschäftsführer Bernd Schlanderer und der frühere Calwer Diakoniereferent Götz Kanzleiter. Unter dem Namen „Heumaden aktiv“ sind seither etliche Projekte an den Start gegangen: So gibt es seit 2014 einen florierenden Tausch­ring, zahlreiche Netzwerktreffen und eine Internetseite, die die Geschichte und Aktivitäten vorstellt.

Bisheriger Höhepunkt war eben jenes Fest der Kulturen, das den Besuchern die ganze Vielfalt des Stadtteils vor Augen führt: die katholischen Italiener, Kroaten und Portugiesen, die orthodoxen Serben, die muslimischen Türken, Aleviten und Bosniaken. Alle waren sie da und zeigten, was sie kulturell und kulinarisch zu bieten hatten.

Es war ein Nachmittag, der auch ein wenig vergessen machte, welche politischen Spannungen es gerade zwischen Deutschen und Türken in der jüngsten Vergangenheit gegeben hatte. Hier begegneten sich einfach Nachbarn, egal welchen ethnischen und religiösen Hintergrund sie hatten.
Rund 30 Prozent der Calw-Heumadener sind evangelisch. „Das sind Stuttgarter Verhältnisse, eine Großstadt in der Kleinstadt“, sagt Pfarrer Albrecht Fetzer, der seit 2007 in Calw-Heumaden ist. Wie verteilt alles dort ist, merkt er schon alleine daran, dass von seinen Konfirmanden nur wenige auf dieselbe Schule gehen.

Immerhin: Es gibt eine ökumenische Kerngemeinde, wie Fetzer sagt, manche seiner Gemeindemitglieder sind sogar Heumadener der allerersten Stunde. Die Diakonie-Initiative „Heumaden aktiv“ begrüßt er sehr und unterstützt sie vor allem mit Räumlichkeiten. So ist der Tauschring im Gemeindehaus zu Gast und beim Fest der Kulturen waren selbstverständlich die Toiletten für die Besucher in Kirche und Gemeindehaus geöffnet.

Der große Erfolg des Festes hat die Initiatoren ermutigt, das Ereignis in regelmäßigen Abständen zu wiederholen. Im Verbund mit dem Stadtteilbeirat und dem Arbeitskreis Heumaden will man das Leben in der Trabantenstadt voranbringen.

Noch unklar ist, ob das künftig in Vereinsform geschehen soll oder weiter direkt unter dem Dach der Diakonie. Alle Bemühungen, da sind sich die Beteiligten einig, müssen jedoch langfristig angelegt sein.

Mehr Informationen im Internet unter  www.heumaden-aktiv.de

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