Christliche Themen für jede Altersgruppe

Herr der Hütte

HERRENBERG – Die Herrenberger Stiftskirche hat 150 Glocken, bietet regelmäßig Glockenkonzerte und braucht bauliche Pflege. Dass sie heute so gut da steht, hat mit dem Engagement von Fritz Hanßmann zu tun. Der verdiente Kirchenmann ist Leiter der Bauhütte.


Fritz Hanßmann in der Werkstatt der Bauhütte. Diese umfasst heute etwa 30 Mitglieder.
(Foto: epd-bild)


Dem Kirchenbau hat sich Fritz Hanßmann in vielen Bereichen gewidmet: im Kirchengemeinderat und in mehreren von ihm gegründeten Posaunenchören, im Hauskreis und als Mitglied der württembergischen Landessynode. Für sein Engagement hat Hanßmann das Bundesverdienstkreuz erhalten. Überregional bekanntgeworden ist er als Gründer und Leiter der Herrenberger Bauhütte, die sich dem Kirchenbau im engeren Sinne annimmt.

Zu den Attraktionen von Herrenberg gehören die Stiftskirche, ihr derzeit mehr als 150 Glocken umfassendes Museum und die regelmäßig angebotenen Glockenkonzerte, an denen 32 Glocken nebst Carillon- und Zimbelgeläut für einen melodischen Klang sorgen. Museum und Glockenkonzerte würde es nicht geben ohne die Arbeit der Herrenberger Bauhütte. Sie geht auf den heute 76-jährigen Fritz Hanßmann zurück.

Vor über zwei Jahrzehnten wurde in Herrenberg ein Gemeindehaus umgebaut, dazu fanden sich auch ehrenamtliche Helfer ein – meist Männer vor oder mit eben begonnenem Ruhestand. Sie legten Hand mit an, halfen hier und dort und fanden Gefallen an der Arbeit. Hanßmann, selbst ehrenamtlich dabei, brauchte nicht viel Überzeugungskraft, um die Truppe von damals acht Männern fürs Weitermachen und Weiterwerkeln zu begeistern.

Heute umfasst die 1992 auch formal gegründete Bauhütte um die 30 Mitglieder, darunter neuerdings auch zwei Frauen. Sie kommen immer mittwochs im Erdgeschoss des Dekanatsgebäudes zusammen und packen an.

Die Summe ihres Tuns beläuft sich auf rund 4.000 Arbeitsstunden im Jahr, das Spektrum reicht von kleineren Bau- und Reparaturarbeiten rund um ein Gotteshaus bis hin zum Versetzen von Epitaphen ins wettergeschützte Kircheninnere. Sie haben eine längst verblasste Sonnenuhr an der Stiftskirche sorgsam nach alten Vorlagen wieder hergestellt. Sie haben Glocken gegossen – auch für Herrenberger Partner-Kirchengemeinden in Mitteldeutschland und in Siebenbürgen und spröde gewordenes Kupferblech von Kirchtürmen in ungezählte und gerne gekaufte kleine Kunstwerke verwandelt. Es gibt wenig, was die Bauhütten-Leute nicht können.

Ihr Haupteinsatzort ist die Stiftskirche und dort wieder der massige Kirchturm mit seinem 1986 entstandenen Glockenmuseum. Es hat über 150 Glocken, von denen 32 läutbar aufgehängt sind. Die Männer der „Bauhütte“ schufen für die Glocken die passende Unterkunft. Sie bauten den Kirchturm um, fertigten Glockenstühle, bewältigten den Transport der Glocken und hievten sie hinauf auf den 40 Meter hohen Turm. Dann wurden die Glocken von ihnen fachmännisch eingehängt, programmiert und mit ansprechenden Erläuterungen für die Museumsbesucher versehen.

Der Aufgang zum Museum wurde geschreinert, die Glockensteuerung unter fachmännischer Anleitung eingespielt. Seit Jahren können regelmäßig einstündige Glockenkonzerte angeboten werden, die Zuhörer aus einem weiten Einzugsgebiet anlocken. In Herrenberg gehört die Bauhütte heute ganz selbstverständlich dazu. Die Kirchengemeinde blickt mit Wohlgefallen auf sie. So haben dank der Bauhütte weder Glockenmuseum noch -konzerte auch nur einen einzigen Cent an Kirchensteuermitteln gekostet. Es ist ein Verdienst der Bauhütte, wenn in Herrenberg regelmäßig zu einem der extrem seltenen Carillon-Konzerte eingeladen werden kann. Musikdarbietungen dieser Art sind sonst fast nur in Millionen-Städten wie Berlin und München zu hören.

Für Initiator Fritz Hanßmann gehört Mitarbeit im kirchlichen Bereich ganz selbstverständlich dazu. Er entstammt „einem Elternhaus mit einem fröhlichen, frommen Christentum“. Es habe ihm christlichen Glauben und christliches Handeln in die Wiege gelegt und er sei „in großer evangelischer Freiheit aufgewachsen“, sagt er im Rückblick. So war er von Jugend auf selbst im kirchlichen Bereich aktiv. Er arbeitete im CVJM seines früheren Wohnorts Aidlingen, er war dort 18 Jahre im Kirchengemeinderat, zwölf Jahre davon als Vorsitzender. Später brachte er sich von 1983 bis 1995 in der württembergischen Landessynode ein.

In Aidlingen hat er auch einen Posaunenchor gegründet und geleitet: den ersten von fünf Chören, die auf ihn zurückgehen, einen davon sogar im Jesus-Geburtsort Bethlehem. Seine letzte Posaunenchor-Gründung war in Herrenberg, seinem jetzigen Wohnort. Hier hat er, zuletzt Technischer Leiter des örtlichen Kreiskrankenhauses, einen „Krankenhausposaunenchor“ ins Leben gerufen. Und in der Kirchengemeinde Herrenberg arbeitet der Vater von drei Kindern auch beratend mit, selbstverständlich im Bauausschuss.


Luthers-Familienzeit

Jetzt Online-Magazin testen.

THEMA - Die Bergpredigt

Ausgabe 3/2017

Evangelisches Gemeindeblatt

Aktuelle Ausgabe 34/2017

Meinungsumfrage

Meinungsumfrage

Haben Sie durch die Veranstaltungen zum Reformationsjubiläum persönliche Impulse bekommen?
Ja.
Nein
Ich weiß es nicht