Christliche Themen für jede Altersgruppe

Höhenflüge einer Gemeinde

WILDBERG (Dekanat Nagold) – Ein voller Erfolg war die Spendenaktion „Martinskirche mittendrin“ in Wildberg: Das Geld kam, die Gemeinde ist zusammengewachsen und die Martinskirche stand wie das Motto tatsächlich „mittendrin“ – als Gebäude, aber auch mit ihrer Botschaft. Die württembergische Landeskirche hat das Engagement mit einem Fundraisingpreis ausgezeichnet.

Apfelernte, Rundflüge und Martinsregatta: Die Wildberger zeigten sich äußerst ideenreich.


Der Begriff „Fundraising“ ist mit dem deutschen Wort „Mittelbeschaffung“nur schwer zu beschreiben, denn es geht hier um mehr: Gemeinsamkeit,Engagement für eine gute Sache, sich mit seinen eigenen Fähigkeiten einbringen, Ideen umsetzen und mit all diesen Möglichkeiten ein Projekt zum Erfolg bringen.

Das ist in Wildberg gelungen. Die Kirchengemeinde, zu der 1630 Gemeindemitglieder gehören, hat mit ihrer Martinskirche aus dem 15. Jahrhundert ein wichtiges Gebäude inmitten der kleinen  Schäferlaufstadt am Rande des Schwarzwaldes. Pfarrer Michael Frey nennt die Martinskirche ein „steinernes Geschichtsbuch“: Jede Zeit und ihre Generation habe ihre Spuren hinterlassen, „ja gesagt zu diesem Haus und es als das ihre angenommen“. Grund genug für den Pfarrer, an der Kirche festzuhalten, ja zur Renovierung, ja zur Erneuerung zu sagen.

Neben den Ausbesserungen, der Risse und Löcher im Inneren an Wänden und der Decke, sollte die Kirche barrierefrei werden. Zum einen mit einer bergseitigen Rampe, zum anderen im
Innenraum durch Ausgleich des Fußbodens auf Höhe des Altarbereichs. Aber auch eine neue Heizung, zeitgemäße Sanitäranlagen und der Einbau einer Teeküche standen an. Saniert werden musste auch der Anbau mit dem einsturzgefährdeten Dach. Die Neuinstallation von Licht und Tontechnik mit zentraler Steuermöglichkeit sowie die Neugestaltung des Eingangsbereichs und neue Eingangstüren
standen ebenfalls auf der Wunschliste.

Die Sanierungs-Maßnahmen ergaben Gesamtkosten von nahezu 500 000 Euro. Neben den Zuweisungen aus dem Ausgleichsstock der Landeskirche und vom Kirchenbezirk musste die Kirchengemeinde rund 298 000 Euro selbst aufbringen. Trotz der Rücklagen fehlten Anfang 2015 noch knapp 66 000 Euro. Nun war das Ziel, möglichst viele Menschen zu motivieren, sich mit ihrer Kirche zu identifizieren und durch viele Aktionen die noch fehlenden Gelder zu sammeln. Es ist gelungen. Innerhalb von nur neun Monaten kamen 70 000 Euro für die Renovierung der Martinskirche zusammen.

Fundraising bedeutet auch gute Organisation und Dokumentation, und das geschah im Vorfeld und während der ganzen neun Monate. Es gab ein Gesamtkonzept und die Aktionen waren auf viele Schultern verteilt. Da gab es Spendenbittbriefe. 85 Gemeindemitglieder halfen bei der Renovierung der
Kirche selbst mit. Bei der Apfelsaftaktion haben Gruppen, Kindergärten und Familien in 549 Stunden über 21 Tonnen Äpfel aufgelesen. Der Apfelsaft wurde verkauft, genauso selbstgemachte Marmelade und Kuchen.

Die Gemeindemitglieder gestalteten außerdem Fotokarten mit Naturaufnahmen und einen Geburtstagskalender mit Fotos von Wildberger Gebäuden. Ein Wildberger Künstler stellte Engelskulpturen aus Bronze her, eine Wildberger Künstlerin verkaufte ihre Gemälde und es gab zahlreiche Benefizkonzerte.

Höhepunkt aller Veranstaltungen war die Martinsregatta. Mehrerer hundert Zuschauer verfolgten diese Wassergaudi. Acht Teams waren auf der Nagold am Start. Die Zuschauer konnten auf den Sieger wetten.

Über ein Angebot freute sich Koordinator Johannes Deuble besonders: Ein ehemaliger Konfirmand, jetzt Mitglied des Flugsportvereins Wächters Berg, organisierte unter dem Motto „Martinskirche fliegt“ einen Flugtag mit Rundflügen, Mittagessen und Kaffee Kuchen. Genau das war auch das Ziel der Aktion: Menschen zu begeistern, und zwar für ihre Kirche und deren Erhalt. Menschen, die nicht regelmäßig
zu den Gottesdiensten kommen, sich nun aber bei der Aktion einbringen konnten und wollten.

Johannes Deuble: „Sicherlich freuen wir uns, dass wir das Geld zusammenbekommen haben. Aber die Freude darüber, wie hier Gemeinschaft zustande kam und gelebt wurde, überwiegt bei weitem. Ich glaube das hat alle hier in unserer Gemeinde etwas nähergebracht“. Der Ansicht ist auch Pfarrer Frey: „Viele haben die Spendenaktion als Gelegenheit wahrgenommen, mit der Kirchengemeinde Kontakt zu knüpfen.“ Dass es dafür von der Landeskirche den zweiten Fundraisingpreis in der Kategorie Gesamtkonzept gab, war das Sahnehäubchen der Aktion. „







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