Christliche Themen für jede Altersgruppe

Im Ort des Lächelns

SCHÖMBERG (Dekanat Neuenbürg) – „Gott nahe zu sein, ist mein Glück“, heißt die Jahreslosung. Eine Gemeinde im Schwarzwald ist Gott wohl besonders nahe.  Sie ernannte sich 2009 zur „Glücksgemeinde“.  Auch die Kirchen vor Ort sind mit dabei. Auf der Suche nach dem Glück. 


Vier Menschen und ihr Glück:Sabine Blaich mit ihrer Trompete (oben links) ist 13 Jahre alt. Pferde sind für sie ein Glück. Jannus Luithle (oben rechts)ist elf Jahre. Wenn er das zum Geburtstag bekommt, was er sich gewünscht hat, ist er
glücklich. Blumen machen sie glücklich: Pfarrerin Esther Schaaf (unten links).
Und Noel Midekor, gebürtiger Westafrikaner, ist in Schömberg glücklich
geworden. (Fotos: Bärbel Altendorf-Jehle)

„Kommen sie aber in das richtige Schömberg“, warnte Pfarrer Johannes Luithle. Scheinbar ist es gar nicht so einfach, das Glück zu finden. Es gibt mehrere Schömbergs, bei Freudenstadt und bei Neuenbürg. Zum Glück habe ich ein Navi im Auto, das mich sicher durch die schwarzen Tannen dem Glück näher bringt. Doch ein Ortsschild, sechs Kilometer vor dem Ziel bremst mich aus: „Siehdichfür“. Ich fahre in eine Einfahrt, um dieses Unikum von Ortsschild zu fotografieren. Ein Fenster öffnet sich und eine Stimme weist mich laut und unwirsch zurecht: „Das hier ist kein Parkplatz!“ Ich hätte das Schild nicht fotografieren, sondern seinen Hinweis befolgen sollen: Sieh dich vor.

Ich steige schnell wieder ein, um dem erbosten Zeitgenossen zu entkommen, sehne mich nach der freundlichen Glücksgemeinde, doch welches Schild begrüßt mich dort? „Der Gott des Gemetzels“. Schaurig ist die Ankündigung des Tourneetheaters Stuttgart. Hat mich das Navi in das falsche  Schömberg gebracht? Dann das erste sichtbare Glück: Niedrige Benzinpreise, hier gibt es – zumindest an diesem Sonntag – die billigste Tankstelle auf der ganzen Strecke. Da können die Schömberger ja glücklich sein.

Ein Parkplatz vor dem Kurhaus, in dem der gemeinsame Gottesdienst der Kirchengemeinden stattfinden soll, ist noch frei. Welch ein Glück. Doch ich parke direkt vor dem Ordnungsschild des öffentlichen Parks. Es heißt mich nicht willkommen, sondern spricht insgesamt neun Verbote aus: „Ballspiele sind nicht erlaubt“ – ob die Kinder darüber glücklich sind? Sie dürfen auch nicht mit dem Roller im Park fahren. Immerhin gibt es hier offensichtlich noch dieses alte Spielgerät, sonst müsste man es ja nicht verbieten. Hunde müssen an der Leine geführt werden. Der kleine Vierbeiner macht aber keinen unglücklichen Eindruck über diese Vorschrift. Er läuft schwanzwedelnd an der Leine.

Es ist heute ein besonderer Gottesdienst in der Glücksgemeinde. Ein Vertreter von Open Doors, einer Organisation im Dienst der verfolgten Christen weltweit, referiert über Bhutan. Was er zu berichten hat, macht nicht glücklich. In dem buddhistischen Land werden die Christen verfolgt, sie müssen ihre Gottesdienste geheim, im Dunkel der Nacht feiern.

Mittlerweile gibt es 20?000 Christen in Bhutan. Bhutan wird auch das Königreich der Glücklichen genannt. Die Gesetze des kleinen Himalaya-Staates verbieten alles, was das Glück seiner Einwohner gefährden könnte. Das gilt aber nicht für die Christen in diesem Königreich, und darauf wird in diesem Gottesdienst aufmerksam gemacht.

Die Kirche steht hinter ihrer Glücksgemeinde Schömberg aber in einer kritisch-begleitenden Form, und zu der gehört auch, auf die Missstände in Bhutan aufmerksam zu machen. Beim ersten offiziellen Besuch der Schömberger in dem Land zwischen China und Indien, war kein Kirchenvertreter mit dabei. Beim Gegenbesuch handelte es sich eher um eine folkloristische Gruppe, nicht der richtige Ansprechpartner für einen ernsthaften christlich-buddhistischen Dialog. Doch Pfarrer Luithle blickt zuversichtlich in die Zukunft: Die Gelegenheit wird kommen. 

Der Vertreter der Organisation Open Doors, der weder seinen Namen noch sein Bild veröffentlicht haben möchte („Es wäre zu gefährlich für mich und die verfolgten Christen, die ich in vielen Ländern besuche“), definiert den Begriff Glück für sich selbst naheliegend mit: frei zu sein. „Es gibt viele glückliche Momente in meinem Leben, wenn ich Zeit mit meiner Frau verbringe, wenn mich meine eineinhalbjährige Tochter aus ihrem Bettchen anlächelt und vieles mehr“. Doch über all diesen Momentaufnahmen liege doch das große Glück hier in Deutschland, frei zu sein und frei seinen Glauben leben zu können, sich frei zu Gott bekennen und freie Entscheidungen treffen zu können.

Seit nunmehr 20 Jahren ist der 47-jährige Noel Midekor in Deutschland .Seit 15 Jahren lebt er in Schömberg „Ja ich bin glücklich hier in Deutschland“, sagt der Westafrikaner. Am Anfang sei es schwer gewesen, er habe auch Diskriminierung erfahren, doch seit er in Schömberg lebe und aktiv in der evangelischen Gemeinde, vor allem als Tontechniker arbeite, gäbe es das nicht mehr. Ist Schömberg doch eine Glücksgemeinde?

Eine schöne Urlaubsreise ist für Pfarrer Norbert Graf aus Schwarzenberg-Bieselsberg ein Glücksmoment, doch in einer Lebenskrise das Glück zu haben, Gott nahe bei sich und sich von ihm getragen zu wissen, das sei ein viel tiefer sitzendes und länger anhaltendes Glück. Die Jahreslosung: „Gott nahe zu sein ist mein Glück“ nennen er, aber auch Pfarrer Johannes Luithle auch ihr eigenes Glück.

Luithles elfjähriger Sohn ist da pragmatischer: „Ich bin glücklich, wenn ich das zum Geburtstag bekomme, was ich mir gewünscht habe.“ Das tollste Geschenk sei die Legoeisenbahn gewesen. Glücklich ist Jannus Luithle auch, wenn er die Eltern dazu überredet, mit ihm in einen Freizeitpark zu gehen. Dass er in einer Glücksgemeinde wohnt, ist ihm egal.

Solch eine Glücksgemeinde findet dagegen Sabine Blaich richtig gut. Die 13-Jährige wohnt in Calw- Stammheim und kam nach Schömberg, um im Posaunenchor den Gottesdienst musikalisch zu begleiten, Die Gemeinschaft im Mädchenkreis der Kirche empfindet sie als Glück. Sonst noch ein Glücksgefühl? Die 13-Jährige überlegt, strahlt dann über das ganze Gesicht: „Pferde, ja Pferde machen mich überglücklich.“

Esther Schaaf ist Pfarrerin in Schömberg-Langenbrand, aber dort nur zu 50 Prozent. „Bin ich dann auch nur zu 50 Prozent glücklich?“, lacht sie verschmitzt. Die große Gemeinschaft in der Allianz zu spüren, empfindet sie als Glück, die Musik und den Lobpreis ebenfalls. Aber auch die Natur, gerade in Langenbrand, wenn der Sonnenschein durch den Nebel bricht und man die Schöpfung so hautnah erlebe und deutlich sehen könne, bewirke bei ihr ein besonderes Glücksgefühl.

„Gerade in Schömberg kann man auch erleben, dass wir nicht immer unseres Glückes Schmied sind“, sagt Johannes Luithle. Er macht auf die Kinderklinik im Ort aufmerksam: Hier werden Kinder und Jugendliche behandelt, die schwerste Gehirnverletzungen haben. Oft halten sie sich Wochen oder gar Monate mit einem Elternteil in der Klinik auf. Sie gehen nicht geheilt nach Hause. Viele müssen lernen, mit der Krankheit und dem Verlust umzugehen. Hier, so Luithle, findet man das kleine Glück vielleicht in dem Trost, den man erfährt.

Am 28. April 2009 hat der Gemeinderat beschlossen: Schömberg wird eine Glücksgemeinde. „Am Anfang war es eine Werbeaktion des Ortes“, sagt Pfarrer Norbert Graf, doch mit der Zeit hätten die Menschen diese Werbeaktion mit Inhalten gefüllt. Ob die Menschen in Schömberg dadurch messbar die glücklicheren Menschen sind? Das kann Pfarrer Graf nicht sagen: „Aber sie haben und machen sich vielleicht durch dieses Gemeindemotto intensiver ihre Gedanken darüber, was Glück eigentlich für jeden einzelnen und die Gemeinschaft miteinander wirklich bedeutet“.










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