Christliche Themen für jede Altersgruppe

Kochen mit dem Zauberwort Awaruli

FREUDENSTADT – Alles, was rumliegt: Elfrun Honz vom Landwirtschaftsamt nennt das „Awaruli“. Und sie will, dass es verkocht wird.Deshalb bietet sie Kochkurse zur Resteverwertung an. Ein Angebot für Menschen, die Lebensmittel lieben.


Zum ersten Mal dabei – mit viel Spaß: Renate Sammet-Kübler (linkes Bild, links) und Irene Lederer
bereiten den fruchtigen Nudelsalat zu.(Foto: Bärbel Altendorf-Jehle)

„Ich habe noch nie in meinem Leben, auch nur ein Stückchen Brot weggeworfen“, sagt Rentnerin Miriam Kübler. Ihr ganzes Berufsleben hatte sie mit Lebensmitteln zu tun. Ihr Arbeitsplatz war im Supermarkt. Sie ist Stammgast bei Elfrun Honz‘ Kochkursen. Nicht weil sie nicht kochen könnte, sie holt sich hier vielmehr Anregungen und Tipps.

Solche gewiefte Köchinnen in den eigenen vier Wänden wissen, dass sich aus getrocknetem Brot gut Semmelbrösel machen lassen, die kennen auch noch Omas traditionellen schwäbischen Ofenschlupfer, die altes Brot in ein leckeres süßes Mittagessen verwandeln. Doch die „Brezelklöße“ waren auch für  Miriam Kübler neu. Das hat sie im Kurs „Kochen mit Brotresten“ kennenglernt.

Vom Kochkurs zum Thema Kartoffelreste war  Doris Schmidt begeistert. Die Kartoffelsuppe mit Sauerkraut hat sie fest in ihren eigenen Speiseplan mit aufgenommen. Die jüngste unter den Kursteilnehmerinnen ist  die Gymnasiallehrerin Sarah Bertl. Sie unterrichtet Mathematik und Französisch. Mit Kochen hatte sie bisher nicht viel am Hut. Sie nimmt nun die Position der Schülerin ein, denn: „Ich bin blutige Anfängerin“, bekennt sie.

Für Elfrun Honz ist das kein Problem. Sie nimmt sie gleich unter die Fittiche, erklärt ihr, dass das grüne Innere der Knoblauchzehe für den Geruch zuständig ist, also dieses am besten gleich entfernt wird. Und die Knoblauchzehe sollte nicht durchgepresst, sondern nur geschnitten werden, denn gerade in der Knoblauchhaut, die in der Presse dann verbleibe, seien die wichtigen Nährstoffe enthalten.

Für manch eine gestandene Hausfrau war das ebenfalls neu. Genau wie die Tatsache, dass Nudelwasser viel schneller kocht, wenn das Salz erst ins Wasser geschüttet wird, wenn es kocht.

82 Kilogramm Lebensmittel werfen die Bundesdeutschen pro Kopf und Jahr weg. Das sind zwei gut gefüllte Einkaufswagen. Dies geht aus einer Studie der Universität Stuttgart hervor, die das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft 2012 in Auftrag gegeben hat. Damit werden auch enorme Mengen an Energie einfach verschleudert.

Denn um ein Kilogramm Brot herzustellen, braucht es 1.000 Liter Wasser, für dieselbe Menge Käse 5.000 Liter, für ein Kilo Fleisch gar 15.500 Liter, ganz zu schweigen vom Ausstoß an Kohlendioxid, den die Produktion verursacht.

Vor diesem Hintergrund hat das Landwirtschafts­amt Freudenstadt, unterstützt durch die Landesinitiative „Blickpunkt Ernährung“ des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz“, eine Aufklärungskampagne gestartet. Die geschieht informativ mit zahlreichen Broschüren und im Internet durch das Ministerium und wird durch Vorträge in der Volkshochschule oder in den Schulen vom Landwirtschaftsamt vor Ort ergänzt. Doch Spaß machen vor allem die Kochkurse in Freudenstadt und Horb.

„So, nun alle bitte Hände waschen und dann nehmen sie sich einer der Latzschürzen, die ich mitgebracht habe.“ Elfrun Honz hat schon alles vorbereitet. An jedem Kochfeld in der Luise-Büchner-Schule in Freudenstadt liegen Rezepte, die Nudeln und alle anderen Zutaten bereit. Immer zwei Kursteilnehmer dürfen ein Gericht zusammen zubereiten. Elfrun Honz: “Ich habe gemerkt, das macht den Teilnehmern dann mehr Spaß, baut Hemmungen ab.“ So dürfen sich die einen am fruchtigen Nudelsalat versuchen, die anderen bereiten die Curry-Spaghetti vor, während daneben zwei Frauen den Nachtisch, einen Nudel-Quarkauflauf vorbereiten. Elfrun Honz: „Ich habe lange nach einer Nudelnachspeise gesucht, jedoch keine gefunden, aber in Auflaufform, ähnlich dem berühmten Ofenschlupfer mit Brotresten, geht es natürlich.“

Die Blickpunkt-Ernährung-Teamerin, so wird Elfrun Honz bei diesem Landesprojekt genannt, ist kreativ im Rezepte erfinden und Experimentieren. Sie wandelt alte Rezepte ihrer Mutter und Großmutter, die aus Ostpreußen kommen, um: „Damals wurde immer sehr deftig und fetthaltig gekocht.“  Oder sie verändert vorgegebene Rezepte mit „Awaruli“, also „allem, was so rumliegt“. Wenn es ihr dann selbst schmeckt, fügt sie die Neu­kreation ihren Rezepten bei. Diese bekommen die Kursteilnehmer natürlich mit nach Hause. Elfrun Honz betont: „Das ist ja der Sinn unserer Kochkurse, dass wir das Selber Kochen daheim unterstützen“. Sie findet es erschreckend, wie viele junge Menschen sich gar nicht mehr selbst etwas zum Essen zubereiten können, stattdessen auf teure Fertiggerichte zurückgreifen. „Früher haben das die Kinder ganz selbstverständlich mitbekommen, daheim beim Zuschauen, denn Kochen gehörte zum Alltag. Heute ist das nicht mehr so.“

Dabei sind viele Gerichte kinderleicht. Reste von Nudeln in der Pfanne angebraten, Speck dazu und Eier drüber, schon ist in Verbindung mit einem frischen Salat ein komplettes Mittagessen fertig.  Elfrun Honz ergänzt diese Varianten in ihren Kochkursen mit ausgefalleneren Rezepten,beispielsweise die Curry-Spaghetti: „Das war im Kreiskrankenhaus Freudenstadt immer der Renner“, erzählt Elfrun Honz, die dort lange Zeit gearbeitet hat. Mit Paprika, Hähnchenbrust, mit Currypaste, Kokosmilch und Sojasauce werden die Spaghettireste vom Vortag zu einem leckeren asiatischen Gericht. Noch schneller können die Restenudeln mit Spinat und Schafskäse zusammengebracht werden und ergeben damit ein komplettes Essen.

Warum gehen die Frauen – bisher war nur ein Kochkurs mit mehr Männern als Frauen besetzt – zu so einem Kochkurs und begeben sich nicht in die Hände eines Sternekochs? „Diese Gerichte sind oftmals nicht gerade alltagstauglich“, lautet die Antwort. Renate Sammet-Kübler  und Else Ring waren zum ersten Mal dabei und sind ganz begeistert darüber, was sich aus Nudelresten alles Leckeres zaubern lässt.  Ein weiterer Grund ist die Gemeinschaft, in der dann auch Tipps ausgetauscht werden. „Da kann ich dann auch etwas lernen“, lacht Elfrun Honz. Und am Ende gehört dazu auch das Genießen der neuen Rezepte.






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