Christliche Themen für jede Altersgruppe

Lila Urkarotten für Hungrige

KLOSTERREICHENBACH (Dekanat Freudenstadt) – Es „luthert“ all überall im Lande und das schon im Vorgriff auf das Jubiläumsjahr. Im Kreis Freudenstadt macht die Gemeinde Klosterreichenbach einen Anfang un die Gastronomiepfarrerin einen kulinarischen Vorschlag.


In mittelalterlichem Gewand servieren fleißige Mägde die Suppe. Vikar Matthias Maisenbacher gibt auf jeden Teller ein Löffelchen Liebstöckel (Foto: Bärbel Altendorf-Jehle)

Die evangelische Münsterkirche in Klosterreichenbach ist nicht lieblich. Die wuchtige Sandsteinkirche ist eher düster statt heimelig, streng statt verspielt. Doch gerade sie passte perfekt zu dem Lutherabend, der dort stattfand.

Die Kirchenbänke stehen nicht mehr zum Altar gerichtet, sondern rechts und links der mit weißen Linnen bedeckten Tische. So hat sich der Kirchenraum in einen großen Speisesaal verwandelt. Fleißige Helferinnen huschen in mittelalterlichen Gewändern durch die Reihen, schenken Bier aus Krügen in die Humpen, bringen Brot und Rindfleisch-Eintopf mit lilafarbenen Urkarotten für die rund hundert Hungrigen. Andreas und Christian Heinsohn, Inhaber der „Mühlbachstube“ entdeckten das Rezept in alten Kochbüchern. Bei näherem Betrachten sind unter den Hauben die Kirchengemeinderätinnen zu erkennen und auch Pfarrerin Iris Sönning aus Röt ist nicht die, die sie sonst ist, präsentiert sich vielmehr als Katharina von Bora.

Als Frau Luthers hat sie bei ihren Begrüßungsworten zusammen mit Pfarrer Albrecht Schäfer aus Klosterreichenbach die Lacher auf ihrer Seite.

Eine ganz besondere Atmosphäre hat sich in dem hohen Kirchenraum breitgemacht, unterstrichen wird sie durch die mittelalterlichen Lieder der Flötengruppe aus Obertal. Dann tritt Martin Wendte von der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Uni Tübingen als Luther auf. Wer glaubte, nun ein amüsantes Geplänkel mit den üblichen vermeintlichen Sprüchen von Luther zu bekommen, wurde überrascht. Was in Klosterreichenbach folgte, war ein fast philosophischer Vortrag da­rüber, was Luther wohl heute zu den Problemen der modernen Gesellschaft sagen würde.

Ein Luther, der einst die türkischen Soldaten, die vor Wien standen, als Agenten des Teufels bezeichnet, die man militärisch besiegen muss, würde als Zeitreisender, bei uns angekommen, Frieden predigen und Flüchtlinge in seine offenen Arme nehmen. Davon ist Martin Wendte überzeugt. Aufgrund der in Deutschland garantierten Religionsfreiheit und weil hier viele Muslime leben, müssten diese auch ihre Kirchen und Minarette bauen können. Indem Christen sich um die Flüchtlinge kümmern, erführen diese Menschen die christliche Nächstenliebe und könnten so auch für den christlichen Glauben gewonnen werden, sagt Martin Wendte.

Zu Themen wie TTIP und Ceta angesprochen, gibt Wendte keine Meinung ab. Er donnert vielmehr als moderner Luther: „Benutzt euren Kopf und kühlen Verstand, damit ihr nicht zu plumpen Vereinfachungen neigt oder gar darauf hereinfallt. Klopft solche und andere politische Fragen dahingehend ab, ob sie aus christlicher Sicht auch den Schwachen zugutekommen.“

Katharina Dölker aus Musbach hat zum ersten Mal solch ein mittelalterliches Mahl miterlebt. „Die Kulisse, das ganze mittelalterliche Ambiente ermöglicht ein Abtauchen in eine ganz andere Welt“, sagt sie. Es war ein gelungener Auftakt, der Lust auf weitere Luther-Veranstaltungen macht.

Auch die Freudenstädter Tourismus- und Gastronomiepfarrerin Heike Hauber kann sich Luther-Events im Schwarzwald vorstellen: „Von Martin Luther gibt es zu vielen Themen des Lebens, nicht nur zur Kirche, heitere, deftige, herzliche oder auch herrische Sprüche und Reden, aus denen sich sicher interessante Abende gestalten lassen“, schreibt sie in einem Brief an die Gastronomen. 

Essen und Trinken sei im Hause Luther zentrales Geschehen gewesen, somit wäre das gerade für Gastronomen ein passendes Angebot. Hauber bietet an, solch einen Abend zu gestalten. Egal ob im Kostüm oder im normalen Outfit, ob humorvoll, unterhaltsam oder, wie in Klosterreichenbach, anspruchsvoll auf philosophischem Niveau. Leider war die Resonanz bis jetzt gleich Null. „Vielleicht ist es auch einfach untergangen“, hofft Heike Hauber. Sie selbst sieht darin eine „ideale Kombination aus Tourismus, gutem Essen, Gastfreundschaft und Religion“.

Information: Martin-Luther-Abende

Tourismuspfarrerin Heike Hauber bietet an, Martin-Luther-Abende zu gestalten. Sie vermittelt auch an andere Kollegen und Referenten. Informationen unter Telefon 07452-8878715.

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